KommentarHotel Silber in Stuttgart Neue Ansätze sind gefragt

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Das Gerangel um die Finanzen ist vorüber – nun werden sich alle Akteure rund um das Hotel Silber in Stuttgart um die Sanierung und die Inhalte kümmern. Ziel muss es sein, das Haus zu einer bundesweit beachteten Einrichtung zu machen, meint StZ-Redakteur Thomas Faltin.

Die Akteure rund um das Hotel Silber widmen sich nun der Sanierung des Gebäudes. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Akteure rund um das Hotel Silber widmen sich nun der Sanierung des Gebäudes.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Das lange Gerangel um die Finanzen ist vorüber – nun werden sich alle Akteure rund um das Hotel Silber um die Sanierung des Gebäudes, aber auch intensiv um die Inhalte der Ausstellung und um das Konzept für die Bildungsarbeit kümmern. Eine zentrale Frage muss dabei für möglichst viele Menschen beantwortet werden: Warum sollte ich das Hotel Silber besuchen? Was lockt mich dorthin?

Die Frage ist nicht so banal, wie sie sich anhört. Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende reicht Geschichtsvermittlung allein als Anreiz zu einem Museumsbesuch für viele nicht mehr aus. Gerade Jugendliche, viele mit nichtdeutschen Wurzeln, haben keinerlei Bezug mehr zur Geschichte des Nationalsozialismus, für sie ist der Zweite Weltkrieg so weit weg wie der Dreißigjährige Krieg für ältere Leute. Und in nicht geringen Teilen der Bevölkerung macht sich auch ein gewisser Überdruss bei Themen zum Nationalsozialismus breit. Um diese Gruppen muss man sich kümmern.

Lebendige Einrichtung schaffen, keine bloße Gedenkstätte

Das Hotel Silber muss also beweisen, dass es sich lohnt hinzugehen, dass es eine lebendige Einrichtung ist und keine Gedenkstätte. Es gilt deshalb, die Jugendlichen in ihrer eigenen Lebenswelt abzuholen, es gilt zu zeigen, dass es im Hotel Silber nicht nur um Geschichte, sondern auch um Werte, um Haltungen, um Menschlichkeit geht. Und es gilt, allen klarzumachen, dass es viele Bezüge zur Gegenwart gibt.

Das Hotel Silber ist einzigartig in Deutschland, was die Einbindung der Bürgerschaft anbetrifft. Es wäre gut, wenn es auch darin einzigartig würde, neue Ansätze und neue Formen der Vermittlung zu entwickeln. Aber davon ist im Moment noch zu wenig zu sehen. Manche gute Idee gibt es. So ist geplant, Seminare für junge Polizisten und Juristen anzubieten; wer die Geschichte der Gestapo kennt, ist vielleicht in seinem Berufsalltag sensibler. Und es ist geplant, in den Veranstaltungen aktuelle Themen aufzugreifen, wie die Asyldebatte oder den Rechtsradikalismus.

Stadtjugendring miteinbeziehen

Aber dies muss noch viel weiter gehen, wenn das Hotel Silber zu einer bundesweit beachteten und von den Stuttgartern geschätzten Einrichtung werden soll. Neue technische Möglichkeiten sollten eingesetzt werden, neue didaktische Konzepte müssen entwickelt werden. Der Stadtjugendring ist in dieser Hinsicht sehr kreativ: Dort interviewen junge Menschen mit ihren ganz eigenen Fragen Überlebende des Holocaust; und dort gehen polnische und deutsche Jugendliche gemeinsam auf historische Spurensuche in Stuttgart.

Diese Neuartigkeit in der Vermittlung ist ein hoher Anspruch, aber den muss das Hotel Silber haben: Die Menschen sollten Lust haben, das Museum zu besuchen, weil sie dort nicht nur etwas aus der Geschichte lernen, sondern etwas mitnehmen für ihr Leben. Wie dies zu erreichen ist, darüber muss jetzt öffentlich gesprochen werden.

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Die Guten brauchen das Hotel Silber nicht: .... um bessere Menschen zu werden . Diejenigen , die es nötig hätten , werden nicht hingehen . Letztlich sind die Verbrechen der Nazis auch die Ursache für das Asylrecht , das nach dem Krieg formuliert wurde und heute zu massiven Problemen führt . Mit dem Silber wollen die Guten etwas Gutes tun . Erinnern und warnen . Damit es nie wieder passiert . Heute geht aber die größte Gefahr von einer Kanzlerin aus , die in ihrem Weltenrettungswahn Deutschland und die EU gefährdet und den Rechten die Wähler zutreibt . Welch eine Ironie der Geschichte . Früher hat das Böse regiert und ins Unglück geführt . Und heute regiert das zu Gute .

Seminare für junge Polizisten und Juristen: Denen wird hier unterstellt, die Geschichte der Gestapo nicht zu kennen. Und was noch viel schlimmer ist: Es wird jungen Polizisten und Juristen unterstellt, dass sie ohne solche Seminare in ihrem Berufsalltag bisher nicht "sensibel" waren. Sensibel für was genau? Motto: Bislang irgendwie Nazi, danach erst richtiger Demokrat? Ich kann mir auch schon gut vorstellen, wie im Gestapo-Museum die geplanten Veranstaltungen zur aktuellen Asyldebatte ablaufen werden: Alle, die eine abweichende Meinung zur aktuellen Asylpolitik haben, sind irgendwie Gestapo.

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