Kommentar zum Kauf von WhatsApp Umarme deinen Gegner

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Facebook hat seinen Konkurrenten WhatsApp für 19 Millarden Dollar gekauft. Ein gigantischer Preis - aber vieles spricht dafür, dass er nicht zu hoch ist. Ein Kommentar von StZ-Onlineressortleiter Tobias Köhler.

Stuttgart - Wenn du deinen Gegner nicht besiegen kannst, dann umarme ihn - so lautet ein chinesisches Sprichwort. Die Messaging-Anwendung WhatsApp ist in den vergangenen Jahren zu einem immer größeren Konkurrenten für Facebook geworden. Lange haben Mark Zuckerberg und Co. versucht, dem dadurch zu begegnen, dass Facebook seine Nachrichten-Anwendung Messenger konsequent ausgebaut hat. Doch WhatsApp wuchs und wuchs und hat heute - nach eigenen Angaben - 450 Millionen User. Facebook sah sich zunehmend bedroht - zu Recht. Denn immer mehr User, vor allem die jungen, wenden sich lieber dem Austausch im kleinen Kreis zu, als ihre Gedanken in einem sozialen Netzwerk zu teilen.

Insofern ist der Schritt, WhatsApp zu kaufen, nur konsequent.

Wie geht es mit WhatsApp nun weiter?

Viele User fragen sich, wie es nun mit WhatsApp weitergeht. Noch Anfang des Jahres - die Verhandlungen mit Facebook müssen zu diesem Zeitpunkt längst auf Hochtouren gelaufen sein - hat WhatsApp-Gründer Jan Koum öffentlich bekundet, Geld verdienen stehe für ihn hintenan, Werbung auf WhatsApp sei nicht denkbar. Nach der Übernahme durch Facebook ließ er nun verlauten, daran werde sich auch nichts ändern. Es wird sich bald zeigen, was diese Ankündigungen wert sind.

Immerhin hat Facebook bei der Übernahme des Bilderdienstes Instagram vor zwei Jahren - der ihm auch gefährlich geworden war - gezeigt, dass es sich Gegner nicht nur einverleibt, um sie aus- beziehungsweise abzuschalten oder sie mit Werbung zu überfluten. Allerdings hat es für diese Erkenntnis erst eines Proteststurms bedurft, nachdem Instagram die Nutzungsbedingungen deutlich zu Ungunsten der Benutzer ändern wollte.

Facebook wäre also gut beraten, WhatsApp nicht umzukrempeln und nicht mit Werbung vollzustopfen. Denn darauf reagieren die Benutzer überaus allergisch - und Alternativen gibt es genügend. Erst vor kurzem hatte Facebook versucht, den wichtigsten Verfolger von WhatsApp zu kaufen: Snapchat. Gleichzeitig ist es dringend nötig, WhatsApp und die dahinter stehende Infrastruktur sicherer zu machen: das Netzwerk hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Hackerangriffen, zudem wird die mangelhafte bis fehlende Verschlüsselung der Kommunikation kritisiert. Aber das müsste für ein Technologieunternehmen wie Facebook zu lösen sein.

19 Milliarden Dollar hat Facebook für WhatsApp bezahlt. Das ist ein gigantischer Preis. Aber es spricht vieles dafür, dass er nicht zu hoch ist. Facebook hat seine Position damit erst einmal gesichert.

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