Kommentar zum Rotlichtquartier
Ein Spiel von Hase und Igel
Thomas Borgmann,
13.08.2010 14:24 Uhr
Foto: Heinz Heiss
Stuttgart - Wir wollen hier nicht moralisieren. Das älteste Gewerbe der Welt gehört zum täglichen Leben, auch in Stuttgart. Die Stadt ist mit ihrer Politik, das diskrete Angebot zu dulden, bisher jedenfalls gut gefahren. Nun allerdings ist sie zum Handeln gezwungen: Das Leonhardsviertel zwischen der gleichnamigen alten Kirche und dem Wilhelmsplatz steht auf der Kippe. Neue Hausbesitzer ekeln alte Mieter hinaus. Reisende Gruppen von Prostituierten und ihren Zuhältern forcieren den verbotenen Straßenstrich. Die Bausubstanz, die zum Teil unter Denkmalschutz steht, verfällt zusehends. Nächtlicher Lärm und immer mehr Müll tun ein übriges. Der Charme, den auch ein solches Quartier durchaus haben kann, verkommt.
Leider hat die Stadt Stuttgart einen gravierenden Fehler gemacht. Als Manfred Rommel noch Oberbürgermeister war, hieß die politische Parole: Wir kaufen so viele Häuser auf wie nur möglich, dann können wir die Entwicklung jederzeit steuern. Seine Nachfolger und mit ihnen der Gemeinderat haben die totale Wende vollzogen: Weg mit all dem städtischen Hausbesitz - wir brauchen das Geld in der Stadtkasse. Das Ergebnis: siehe oben.
Zu allem Überfluss haben skrupellose Hauskäufer, die auf gute Gewinne aus dem horizontalen Gewerbe setzen, die Stadt an der Nase herumgeführt. Das erinnert stark an den Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel. Erst unterschreibt man gerne, die Gebäude nur an seriöse Mieter zu vergeben, dann aber vermietet man an einschlägige Kreise weiter - und wäscht seine Hände in Unschuld. Schließlich nimmt man sich findige Anwälte, die nichts anderes tun, als die Stadt mit immer neuen Tricks hinzuhalten - Zeit ist in diesem Falle Geld, viel Geld. Dass das Rotlichtviertel immer mehr verkommt und man im Grunde an dem Ast sägt, auf dem man sitzt - wen kümmert's?
Die Stadt und der Gemeinderat müssen also umsteuern. Und das möglichst rasch. Der seit Jahren diskutierte Abriss des Züblin-Parkhauses an der Leonhardskirche könnte tatsächlich die Initialzündung dafür sein. Denn wenn dieser hässliche Betonklotz fällt, der das Leonhardsviertel und das Bohnenviertel quasi wie eine Mauer trennt, ergäbe sich die Möglichkeit, beide wieder geschickt miteinander zu verbinden - wie es früher einmal war.
Auf diese Weise böte sich die einmalige Chance, Platz zu schaffen für innerstädtisches Wohnen, die Nachfrage ist jedenfalls gegeben. Und in einer vernünftigen Nachbarschaft könnte auch das Rotlichtviertel in geordneten Bahnen existieren. Hoffentlich sieht das auch die Chefetage von Züblin so. Dann wäre der Wettlauf zwischen Hase und Igel vorbei.
Ein gravierender Fehler
Leider hat die Stadt Stuttgart einen gravierenden Fehler gemacht. Als Manfred Rommel noch Oberbürgermeister war, hieß die politische Parole: Wir kaufen so viele Häuser auf wie nur möglich, dann können wir die Entwicklung jederzeit steuern. Seine Nachfolger und mit ihnen der Gemeinderat haben die totale Wende vollzogen: Weg mit all dem städtischen Hausbesitz - wir brauchen das Geld in der Stadtkasse. Das Ergebnis: siehe oben.
Zu allem Überfluss haben skrupellose Hauskäufer, die auf gute Gewinne aus dem horizontalen Gewerbe setzen, die Stadt an der Nase herumgeführt. Das erinnert stark an den Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel. Erst unterschreibt man gerne, die Gebäude nur an seriöse Mieter zu vergeben, dann aber vermietet man an einschlägige Kreise weiter - und wäscht seine Hände in Unschuld. Schließlich nimmt man sich findige Anwälte, die nichts anderes tun, als die Stadt mit immer neuen Tricks hinzuhalten - Zeit ist in diesem Falle Geld, viel Geld. Dass das Rotlichtviertel immer mehr verkommt und man im Grunde an dem Ast sägt, auf dem man sitzt - wen kümmert's?
Abriss könnte Chance bieten
Die Stadt und der Gemeinderat müssen also umsteuern. Und das möglichst rasch. Der seit Jahren diskutierte Abriss des Züblin-Parkhauses an der Leonhardskirche könnte tatsächlich die Initialzündung dafür sein. Denn wenn dieser hässliche Betonklotz fällt, der das Leonhardsviertel und das Bohnenviertel quasi wie eine Mauer trennt, ergäbe sich die Möglichkeit, beide wieder geschickt miteinander zu verbinden - wie es früher einmal war.
Auf diese Weise böte sich die einmalige Chance, Platz zu schaffen für innerstädtisches Wohnen, die Nachfrage ist jedenfalls gegeben. Und in einer vernünftigen Nachbarschaft könnte auch das Rotlichtviertel in geordneten Bahnen existieren. Hoffentlich sieht das auch die Chefetage von Züblin so. Dann wäre der Wettlauf zwischen Hase und Igel vorbei.
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...die traurige Rolle der Stadt....
Nun. Man kann es auch so sehen: 1. Es besteht ganz offensichtlich eine große Nachfrage nach Diensten dieser Art, wie sie im Leonhardsviertel angeboten werden. 2. Die Stadt entledigte sich ihrer Einflußmöglichkeiten, indem sie die Häuser verkaufte. nicht zu verstehen... 3. Die 'skrupellosen' Hauskäufer wollen mit ihren Immobilien Geld verdienen. Besser: Sie müssen es, denn die Stadt hat die Häuser nicht verschenkt. 4. Jedem Beamten muss klar sein, dass es unmöglich ist, zwischen bordellähnlichen Betrieben die seit Jahren existieren Wohnungen zu vermieten. Vielleicht sogar an Familien mit Kindern. Das wusste die Stadt schon beim Verkauf.... 5. Was die Eigentümer jetzt machen ist nur logisch. Andere Nutzungen sind nicht möglich - also.... 6. Da die Stadt versucht, die einzig mögliche wirtschaftliche Nutzung zu verhindern, wird auch nicht die Substanz saniert... Wer wollte dieses Risiko tragen??? 7. Der Stadt als Eigentümerin wäre es möglich gewesen, an ihren Objekten andere Nutzungen zu versuchen. Sie hätte diese auch sanieren können (müssen). Das war der Stadt zu risikoreich und zu teuer. Daher hat sie verkauft. Jetzt zu klagen ist scheinheilig und verlogen....
züblin-parkhaus
Die Rechnung geht 100% nicht - eher wird sich dann das Rotlichtviertel um das Bohnenviertel erweitern ...
immer wieder: Neoliberale Wirtschaftspolitik hat keine Zukunft.
Denn: sie ruiniert ohne Sinn und ohne Plan nur für den Profit UNSERE GEGENWART. Und dann kommt noch die Polizei und schützt die Umsetzung der Zerstörung. Es ist HIRNLOS. So wie die Politik im Rathaus. Armes Stuttgart. Armes Deutschland. Arme Menschen.