Stuttgart - Unbequemes Gestühl, eingeschränkte Sicht, fehlerhafte Bühnentechnik: über all diese Mängel, die – zusammengenommen – eine durchaus stattliche Liste ergeben, ist in den vergangenen Monaten viel geredet und gestritten worden. Und wie das so ist beim Gezerfe ums Kleine, legte sich die darin waltende Bitterkeit allmählich auch aufs große Ganze. Mehr noch: der Ärger um die Pannen brachte fast in Vergessenheit, dass Stadt und Land 25 Millionen Euro bezahlt haben, um ein fünfzig Jahre altes Theater von Grund auf zu sanieren. Das ist alles andere als selbstverständlich in diesen Zeiten – und selbstverständlich ist auch nicht, dass Sanierungen, ästhetisch gesehen, so glücken wie jetzt in Stuttgart: Das wiedereröffnete Schauspielhaus ist eine Haus, auf das die Stadtgesellschaft stolz sein kann.
Dass das unter Denkmalschutz stehende Gebäude behutsam renoviert und – im Innern – die schlichte Eleganz noch betont wurde, ist das eine. Das andere: jenseits der schönen, vom Architekten Klaus Roth gefundenen Form überzeugt es auch mit seiner Funktionalität. Bewiesen wurde das am Wochenende, als sowohl Theatermacher als auch Theaterbesucher ihr Haus wieder freudig in Besitz nahmen. Der Praxistest ist bestanden! Alles hat funktioniert, vor und hinter den Kulissen. Im verkleinerten Zuschauerraum ist der Blick auf die Bühne besser als zuvor – und in den Foyers die Kommunikation lebendiger, weil Lounge-Bereiche zum Sitzen und Plaudern einladen. Da auch das Gedrängel vor Garderobe und Bar beherrschbar wirkt, kann man dem neuen Haus nach der ersten Bewährungsprobe getrost ein gutes Zeugnis ausstellen: Seine Architektur macht viel her, drängt sich aber nicht auf – und sie verdrängt auch nicht mit eitlen Showeffekten das eigentliche Schauspiel auf der Bühne. Chapeau!
Unbequemes Gestühl, eingeschränkte Sicht, fehlerhafte Technik: auch wenn die Mängel die Eröffnung nicht beeinträchtigt haben, müssen sie doch so bald wie möglich behoben werden. Wenn alles nach Plan läuft und eben anders als bisher, finden die Nachbesserungen in der verlängerten Sommerpause statt. Perfektion ist Ehrensache – erst recht, wenn aus einem guten Zeugnis noch ein sehr gutes werden soll.


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