Kommentar zum Stuttgarter Olgäle Unzufrieden

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Von der fachlichen Qualität im Olgäle sind die Stuttgarter Kinderärzte angetan. Doch die Überlastung der Kinderklinik kritisieren sie zu Recht. Und das wirkt sich irgendwann auf die Qualität aus, warnt Viola Volland.

Die Qualität im Olgäle stimmt. Einige andere Dinge nicht. Foto: Steinert
Die Qualität im Olgäle stimmt. Einige andere Dinge nicht.Foto: Steinert

Stuttgart - Die Situation am Stuttgarter Olgahospital spitzt sich bereits seit Längerem zu. Das hat sich an den um fast das Dreifache gesteigerten Überlastungsanzeigen im vergangenen Jahr gezeigt. Das hat sich an den Hilferufen der Mitarbeiter gezeigt. Und das zeigt sich auch jetzt wieder an den Ergebnissen der Umfrage unter den Stuttgarter Kinderärzten über die Zufriedenheit mit dem Kinderkrankenhaus.

44 Prozent der Praxen, also beinahe die Hälfte, haben ihre Einweisungen in den vergangenen Monaten reduziert. Vor allem die mangelnde Aufnahmekapazität, aber auch negative Rückmeldungen von Eltern haben dazu geführt, dass sie immer häufiger anderen Kliniken in der Region den Vorzug geben. Das ist ein trauriger Trend. Es ist deshalb gut, dass sich der Krankenhausausschuss mit der Situation in der renommierten Kinderklinik befasst. Wenn es stimmt, dass Kinder, die in früheren Jahren stationär auf­genommen worden wären, aktuell sogar täglich mangels freier Betten abgelehnt werden, ist das ein Zustand, mit dem man sich nicht abfinden kann.

Überlastung gefährdet die Qualität

Die Kinderärzte haben sich bisher mit ihrer Kritik nach außen zurückgehalten. Das liegt auch an der großen Wertschätzung, die sie für das Kinderkrankenhaus empfinden und die ja auch aus der Umfrage spricht. Schließlich ist die überwältigende Mehrheit der Kinderärzte von der fachlich geleisteten Arbeit angetan. Wenn die Pflegekräfte und Ärzte in der Klinik aber auf Dauer überlastet sind, dann ist irgendwann auch die Qualität in Gefahr.

Einfach lösen lassen sich die Probleme allerdings sicher nicht. Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle weist zu Recht darauf hin: Für die Unterfinanzierung der Krankenhäuser ist der Bund verantwortlich.

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7 KommentareKommentar schreiben

Grüne: Es wird noch schlimmer. Im Sozialismus ( grün/rot/Medien ) gibt es keine soziale Gerechtigkeit. Gleichheit (Armut für alle ) ist deren Anspruch.

selber ärztliche Kollegin und Mutter: Letztes Jahr mußte ich mit meinem Kind (damals 8 Monate) auch einige Tage im Olgäle verbringen. Mein Fazit: einmal und nie wieder!! Als in einem anderen großen Krankenhaus in Stuttgart arbeitende Ärztin hatte ich den Eindruck, dass diese Station absolut keine organisierte Führung (weder in der Pflege noch von ärztlicher Seite) aufwies und das Pflegepersonal zum größten Teil einfach machte, worauf es Lust hatte. Angefangen hat der Aufenthalt mit der Antibiotika-Erstgabe beim fieberhaften Infekt: mehr als 4 Stunden nach Aufnahme mußten wir darauf warten. Auf meine wiederholte Rückfrage beim Pflegepersonal wann das parenterale Antibiotikum endlich gegeben wird, bekam ich die Antwort, das Antibiotikum doch selber zu spritzen, es sei schon aufgezogen und sie (die Pflege) wüßten aber nicht, wann die ärztliche Kollegin kommen würde. Das angeblich 'überlastete' Pflegepersonal war zumindest während unserem stationären Aufenthalt nur mit 'Übergaben' beschäftigt (oft bei Kaffee und Kuchen). Eigentlich hat man die Pflege nur im Pflegezimmer gesehen, im Krankenzimmer waren sie während den 5 Tagen vielleicht 2 oder 3 mal insgesamt. Die Vitalparameter vom Kind wurden auf dem Gang bei den Eltern abgefragt und später in der Kurve notiert ('Hat ihr Kind Fieber? Nein? Ok!' Desweiteren waren die Schwestern (und die Ärzte) was die aktuellen Leitlinien angeht leider absolut nicht auf dem neuestem Stand. Meinem Eindruck nach zu urteilen, waren zumindest auf unserer Station genügend Pflegekräfte (allerdings leider nicht mit den Patienten beschäftigt) - aber an einer suffizienten Anleitung / Organisation / Führung hat es gemangelt - so aber auch der Eindruck von der ärztlichen Seite. Und zum guten Schluß haben sie den stationären Aufenthalt auch noch falsch (zu hoch) abgerechnet.

Ehrliche Analyse wäre hilfreich: Meine Herren, was ist denn nun die Ursache dafür, daß es in Stuttgart keine akzeptable und langsam gesundheitsgefährdende Krankenhaussiituation für den Nachwuchs der Stadt gibt ? - Kürzungen beim Bund - Fehlendes Personal am Arbeitsmarkt - Gestrichene Betten - Reduziertes Personal aus Spaarmaßnahmen - Unfähiges Personal Oder doch Unfähigkeit der Verwaltung (Klinikum, Stadt), welche die Kapazitäten falsch plant, Mitarbeiter demotiviert, ineffektiv arbeitet, einen Wasserkopf hat, usw. ? Jeder erzählt nämlich was anderes. Der Bürgermeister scheibts auf Berlin, die Krankenhausverwaltung aufs Personal, ... . Was denn nun. Und am Ende ist doch alles gar nicht so schlimm denn der Ruf ist doch gut. Nein, nichts ist gut .... und der Ruf war es einmal ... aber davon kann man nicht leben und unsere Kinder erst recht nicht. Oh du schönes reiches Stuttgart.

Überlastung gefährdet die Qualität: Die Überlastung des Krankenhauspersonals ist in allen Krankenhäusern ein Skandal. In dem Fall eines Kinderkrankenhauses ist man hellhöriger und sensibler. Ich könnte jetzt von den haarsträubenden Erfahrungen meiner Frau und mir in zwei verschiedenen Krankenhäusern berichten, habe aber die Zeit nicht dazu, weil ich wieder zu meiner Frau ins KH muss. Wenn ich nach der OP nicht 34 Stunden am Stück da gewesen wäre und die Medikamentengabe usw. kontrolliert hätte, wäre mehrmals etwas schief gelaufen. Es lässt sich hier leicht über das angeblich notwendige Sparen im Gesundheitswesen diskutieren, wenn man nicht selber durch eine ernsthafte Krankheit die Erfahrung gemacht hat, dass die personelle Ausstattung der Krankenhäuser inzwischen so unter aller Sau ist, dass eine zuverlässige Behandlung und Pflege zumindest für die Kassenpatienten nicht mehr möglich ist. Zu hinterfragen ist nicht, wo gespart werden muss, sondern wer mit dem Gesundheitswesen wie viel Profite macht und warum in einer Gesellschaft, die sicherlich mehr Reichtum schafft, als vor 50 Jahren, die Masse immer mehr die Krisenlasten zu spüren bekommt, nicht nur im Gesundheitswesen.

Es reicht Herr Wölfle .. SIE sind am Zug !: Herr Wölfle macht es sich sehr leicht, wenn er seine Hände in Unschuld wäscht und alles auf den Bund schiebt. Warum klappt es denn dann z.B. in Ludwigsburg, Filderstadt, etc. besser ? Herr Wölfle, als Eltern eines Kindes, das bereits 2 mal vor kurzen im Olgäle abgewiesen wurde und dem KH ohne Abstimmung einfach aufgedrängt wurde, fordern wir Sie auf umgehend zu handeln. Und zwar selbst für Ihren Bereich. Eine Versorgung in Stuttgart ist nicht mehr gewährleistet. Tun Sie es wenigens für die NOCH in Stuttgart lebenden kindern. Sie sind gewählt und werden dafür bezahlt ! Keine Ausreden mehr ! Es reicht.

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