Stuttgart - Dunkel und nass sei es gewesen, als das Weindorf 2011 über Nacht vom Marktplatz verschwunden ist. Ein Wunder sei es, dass niemand ausgerutscht ist und zu Schaden kam, sagen die Weindorfbetreiber. Rolf Graser vom Forum der Kulturen wiederum vergleicht die Nachtarbeit bei der Teildemontage des Festivals der Kulturen mit Szenen aus dem Film „Fitzcarraldo“. In der Stuttgarter Realität wird zwar kein Dampfer durch den Urwald getragen. Dafür mühen sich Ehrenamtliche bei schlechter Beleuchtung ab, um vor dem Rathaus die Festivalzelte für den Wochenmarkt verschwinden zu lassen.

Die Betreiber von Weindorfständen können jetzt aufatmen. Ihnen soll die riskante Nachtarbeit künftig erspart bleiben. Die Frage ist gestattet, ob die Arbeitssicherheit für Mitarbeiter von Großveranstaltungen vor dem Stuttgarter Rathaus bei der Demontage im Dunkeln bisher genug gewichtet worden ist. Es liegt nahe, dass der möglichst reibungslose Ablauf des Wochenmarkts größere Priorität besaß.

Nicht alle schimpfen

Der Stuttgarter Traditionsmarkt in allen Ehren. Aber wo Menschen nachts auf Holzplanken balancieren und mit spitzen Zeltstangen hantieren, muss die Rücksichtnahme auf Tradition enden – und auch auf die Umsätze von Bauern oder Kundenwünsche. Zumal mit der Königstraße als Alternative der Wochenmarkt nicht an die Peripherie verbannt wird, sondern auf die Einkaufsmeile der Stadt. Einige, wenn auch nicht alle Händler auf dem Wochenmarkt sehen das ähnlich gelassen. Nicht alle schimpfen.

Ein bereits angedachter Kompromiss sieht vor, dass der Abbau des Weindorfs am Montag so weit gedeihen soll, dass am Dienstag die Wochenmarktbeschicker dennoch an angestammter Stelle ihre Stände aufstellen können. Das könnte die unterschiedlichen Interessen versöhnen. Doch eine gute Lösung muss auch für das Festival der Kulturen gefunden werden. Ehrenamtliche Nachtarbeit sollte nicht sein.