Stuttgart - Nach dem ersten Bürgerentscheid über die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg rechnet sich jede Seite das Ergebnis schön. Das ist legitim, aber nicht zielführend. Fakt ist, es kamen nicht genügend Bürger, damit das Votum bindend wäre. Und von denen, die kamen, sind zwei Drittel gegen die neue Schulart. Das ist ein Ergebnis, das unkomfortabler nicht sein könnte – für den Saulgauer Gemeinderat und für das Kultusministerium. Es lässt allzu viel Raum für Interpretationen und Zahlenakrobatik.

Die CDU schickt sich an, weitere Proteste zu schüren. Dabei ist es höchste Zeit für eine sachliche Auseinandersetzung über die Zukunft des Schulwesens im Südwesten. Nach mehr als einjähriger Debatte über die Gemeinschaftsschule tun sich Informationslücken auf, die das Kultusministerium schleunigst schließen sollte. Es genügt eben nicht, mit denen, die sich ohnehin auskennen, zügig neue Wege zu beschreiten und zu erwarten, dass die anderen schon folgen werden. Vieles spricht dafür, dass die Schularten in Zukunft näher zusammenrücken werden. Doch jetzt müssen die Skeptiker mitgenommen werden. Fortschritt kann auch bedeuten, dass bei der Genehmigung neuer Gemeinschaftsschulen zunächst gebremst wird. Es sollten nur die zum Zuge kommen, die durch gute Beispiele überzeugen können.