KommentarKommentar zur Islamkonferenz Fehlendes Vertrauen

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Minister Friedrich will die Islamkonferenz zu einer Informationsrunde über Sicherheitsfragen machen und rückt damit Muslime pauschal in die Ecke potenzieller Straftäter. Auch deshalb zweifeln viele Muslime an ihrer neuen Heimat – zu Recht, schreibt Knut Krohn.

Stuttgart - „Ich denke, dass sich Vertrauen in jedem Bereich unseres Lebens auf Transparenz und Zusammenarbeit gründet.“ Dieser Satz stammt von Mustafa Türker Ari, dem türkischen Generalkonsul in Stuttgart. Gesagt hat er ihn nach der Brandkatastrophe vor wenigen Wochen in Backnang, bei der sieben Kinder und ihre Mutter das Leben verloren. Der Diplomat hat mit dieser Aussage den Finger in eine offene Wunde gelegt, denn von einem vertrauensvollen Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken kann im Moment keine Rede sein. Aus diesem Grund hat die Katastrophe in Backnang sofort Erinnerungen an die fremdenfeindlichen Anschläge von Mölln und Solingen Anfang der 90er Jahre hervorgerufen.

Doch wie konnte dieses Misstrauen wachsen? Es wurde in den vergangenen Jahren doch viel geleistet in Sachen Inte­gration. In einigen Bundesländern wurde islamischer Religionsunterricht als Schulfach eingeführt. An staatlichen Universitäten gibt es nun islamisch-theologische Fakultäten, und es werden in Deutschland ­islamische Gelehrte unter Aufsicht des deutschen Staates ausgebildet.

Das sind auch Errungenschaften der Islamkonferenz, das darf bei all der berechtigten Kritik an der Veranstaltung nicht vergessen werden. Dennoch ist das Treffen inzwischen mehr zu einem Problem als zur Lösung der Integrationsfragen geworden. Das liegt zu einem großen Teil an Innenminister Hans-Peter Friedrich, der vor seiner ersten Sitzung einst die Auffassung kundtat, dass es historisch nicht belegt sei, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Auch hat der konservative Politiker sich die Idee der Konferenz nie zu eigen gemacht hat. Sein Ziel ist nicht der Dialog, Friedrich will eine effiziente Informationsrunde über Sicherheitsfragen – und rückt damit die Muslime pauschal in die Ecke potenzieller Straftäter. Das politische und gesellschaftliche Signal ist verheerend und verstärkt die Wahrnehmung, dass die Muslime spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 unter Generalverdacht stehen. Belegt wird diese Annahme von einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, dem sogenannten Religionsmonitor. Laut dieser Untersuchung hält jeder zweite Deutsche den Islam für eine Bedrohung.

Eklatantes Versagen der deutschen Ermittler

In diese Stimmung fallen schließlich die Mordtaten des rechtsextremen NSU, das jahrelange eklatante Versagen der deutschen Ermittler und das unverständliche Vorgehen der Münchner Richter bei der Vergabe der Plätze im Gerichtssaal. Das ist ein Fanal und erschüttert das Vertrauen in die Grundfesten des deutschen Rechtsstaates. Verdächtigungen gegen die deutschen Ermittler fallen gerade in der türkischen Bevölkerung auf fruchtbaren Boden. Grund dafür ist, dass die Türkei selbst eine lange Geschichte politisch motivierter Anschläge hat, die auf Minderheiten im Land verübt wurden. In der Türkei werden solche Netzwerke als „tiefer Staat“ bezeichnet. Gemeint ist ein Geheimbund, in dem Polizisten, Mafiosi und Rechtsextremisten ein Eigenleben pflegen und mutmaßliche Feinde des Staates aus dem Weg räumen. Immer wieder wird thematisiert, dass es offenbar auch in Deutschland einen solchen „tiefen Staat“ gebe. Die Morde des NSU scheinen der Beweis für dieses Vorurteil.

Es ist nun an der deutschen Seite, diese Mutmaßungen zu widerlegen. In diesem Sinne birgt der NSU-Prozess eine Chance, die Möglichkeit zu zeigen, dass alle Seiten aus den Fehlern gelernt haben. Wie das geht, haben die Ermittler und der türkische Generalkonsul Mustafa Türker Ari im Fall des Brandes von Backnang gezeigt. Die türkische Seite war zu jeder Zeit über die Ermittlungen informiert und so weit wie möglich eingebunden. Gleichzeitig hat der Generalkonsul die Situation durch seine verantwortungsvolle und besonnene Art deeskaliert. Das konnte er tun, weil er Vertrauen in die Arbeit der Ermittler hatte.

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10 KommentareKommentar schreiben

.: Nochmal für die Begriffsstutzigen: Die absolute Mehrheit dieser Kinder und Jugendlichen ist hier in Deutschland geboren und hat entweder die Deutsche Staatsangehörigkeit oder einen ausländerrechtlichen Status der höchstens bei allerschwersten Straftaten zu Konsequenzen führen kann. Populistische Forderungen nach Abschiebung, Assimilation etc. fruchten also nicht. Wir müssen in Deutschland endlich unsere _sozialen_ Probleme lösen.

@BeateR, 08:37 Uhr: Ich gebe Ihnen zu 100% Recht. Ich selbst bin einem sehr toleranten Elternhaus sowie in einem Stadtteil aufgewachsen mit vielen Muslimen. Ich hatte und habe muslimische Freunde. Aber bei sehr vielen muslimischen Jugendlichen wurden wir als Kuffar, 'schei...' Christ und 'Schweinefres...r' bezeichnet. Hätte ich etwas ähnliches während eines Urlaubs in TR geäußert, dann Gnade mir Gott. Sieht so der Respekt vor einem Land aus in welches man eingewandert ist?

Kulturnation Deutschland: Es ist an der Zeit, sich in Erinnerung zu rufen, dass Deutschland eine Kulturnation mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte ist, deren Fundamente auf dem Christentum beruhen, und kein Schmelztiegel ohne homogene Kultur und Geschichte wie die klassischen Einwanderungsländer. Die deutsche Kulturnation hat gegenüber den Muselmanen überhaupt keine Bringschuld zu begleichen. Wer dauerhaft in Deutschland leben möchte, hat sich in unsere Kultur und Traditionen einzuordnen. Assimilation ist die einzig akzeptable Form der Integration. So gesehen ist die sogenannte Islamkonferenz überflüssig wie ein Kropf.

Schuldgefühle: Ich habe Schuldgefühle, Weil auch nach 40 Jahren ein Gutteil der hier lebenden Türken kein vernünftiges Deutsch kann. Weil auch in vielen Grundschulklassen eher türkisch als deutsch gesprochen wird. Weil in vielen Gegenden 'türkisches Recht' gilt. Weil türkische Banden gerne abends auf Mobiltelfonsuche gehen. Weil ein Gutteil der Türken hier eine muslimische Republik errichten wollen.

.: Am Status Quo, dass etwa die Hälfte der Muslime in Deutschland Deutsche Staatsbürger sind, tlw. schon in der 3. hier geborenen Generation ändern aber auch schlechte Erfahrungen nichts. Und es nutzt auch jetzt nichts zu lamentieren wer was verbrochen hat. Wir sitzen jetzt gemeinsam in einem Boot...

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