KommentarKommentar zur Jahresbilanz von Daimler Zetsche hält Kurs

Von  

Der Abstand zwischen BMW, Audi und Daimler ist größer geworden. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass die Stuttgarter der Konkurrenz wieder näher kommen. Ein Kommentar von StZ-Wirtschaftschef Michael Heller.

Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche. Foto: dpa
Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche.Foto: dpa

Stuttgart - Beobachter könnten es sich mit hämischen Kommentaren leicht machen. Denn das große Halali ist mal wieder verschoben. Bekanntlich will Daimler ja bis 2020 seine großen Konkurrenten BMW und Audi abgehängt haben. Und was ist geschehen, seit Konzernchef Dieter Zetsche dieses Ziel verkündet hat? Der Abstand ist größer geworden. In der Sprache des Daimler-Managements klingt das alles ein bisschen freundlicher, da ist von einem „Übergangsjahr“ die Rede. Nun war 2012 so ein „Übergangsjahr“ – und 2013 wird es nach Zetsches Ankündigung auch sein.

Trotzdem sind die Chancen groß, dass es den Stuttgartern gelingen wird, den Abstand zur Konkurrenz wieder zu verkürzen. Dafür spricht alleine schon das geplante Programm mit einer zweistelligen Zahl neuer Fahrzeuge bis 2020. Das alleine garantiert natürlich noch keinen Erfolg, aber es ist belegbar, dass die Stuttgarter an die Zukunft glauben. So hat der Konzern im zurückliegenden Jahr 4,8 Milliarden Euro investiert und 5,6 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Und in den Jahren 2013 und 2014 werden genauso viele Mittel in das Projekt Zukunft gesteckt. Das ist auch richtig so, denn Daimler ist nun einmal dazu verurteilt, seine Autos weiter zu verbessern, umweltfreundlicher zu machen und in alternative Antriebe zu investieren – sie sind schließlich nicht gerade billig. Da stimmt durchaus die Richtung, wenngleich die Modellzyklen nach wie vor nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Dass die E-Klasse in einem Jahr – nämlich 2013 – grundlegend überarbeitet wird und zugleich auch die S-Klasse in einer neuen Version auf den Markt kommt, darf nicht noch einmal passieren.

Es bleibt dahingestellt, ob Daimler wirklich gut beraten ist, an dem großspurigen Werbespruch „Das beste oder nichts“ festzuhalten. Aber Zetsche, dessen Vertrag in zwei Wochen um weitere fünf Jahre verlängert werden soll, bringt zumindest die Ruhe auf, Rückschläge zu verkraften und an der einmal verabschiedeten Strategie festzuhalten. Das ist im Zweifel wichtiger als Absatzerfolge auf dem chinesischen Markt, der gegenwärtig für viel Gesprächsstoff sorgt. Natürlich sind Audi und BMW da weiter. Aber Absatzerfolge können auch schnell in eine gefährliche Abhängigkeit umkippen.

  Artikel teilen
12 KommentareKommentar schreiben

Alles Gute: Ich wünsche allen Unternehmen alles Gute und allen wirtschaftlichen Erfolg. Besonders haben dies alle direkten und indirekten Zulieferer von Daimler nötig, denn an dieses Unternehmen kann ich als Ingenieur nicht mehr glauben. Egal ob man was von internem Prozessem, Qualität der Produkte, Verhalten zu Kunden und Lieferanten oder sonst hört - überall steckt so mächtig der Wurm drin, dass man an eine gloriose Zukunft des Unternehmens nicht glauben kann. Herr Zetsche müsste intern mal so richtig ausmisten und 50% der Führung rausschmeißen, natürlich ohne Ersatz. Wenn er die Richten erwischt, kann ich was bessern, sonst gehts langsam abwärts, weil alle dran glauben wie toll Daimler doch ist. Schade, schade ...

@Ivonne: Mit diesem Argument kommen die meisten Autohasser. Was ist aus dem gross angekündigten Waldsterben geworden? Lächerlich das alles. Der Chinese will Luxus und Status Karossen, soll er bekommen! Freie fahrt für freie Bürger - mein Auto fährt auch ohne Wald!

mehr Gewinn notwendig: Solange bei Daimler kleine Brötchen gebacken werden, wird das nix. Renditeziel mindestens 15% durch Verschlankung - Produktion nach Bulgarien, kompletter Balastabwurf von überflüssigen Arbeitsplätzen. So klappts dann auch mit einer anständigen Rendite.

'Schlimmer Zustand': Gaaaanz schlimmer Zustand beim Daimler. 'Nur' 8,1 Mrd. Euro operativer Gewinn, WENIGER als im Vorjahr. Dabei kann es nur zwei Ziele geben: Nr. 1 zu sein (koste es, was es wolle!) UND MEHR, VIEL MEHR als im Vorjahr zu verdienen. Und genau das sind in meinen Augen die gesellschaftlichen Probleme in Deutschland: Es muss immer mehr sein, nur das Beste zählt. Ich wünsche viel Spaß dabei und trinke jetzt erst einmal in Ruhe meinen Kaffee.

China: Vielleicht rückt demnächst für die Chinesen eher in den Vordergund mal wieder atmen zu können anstatt die richtige Automarke zu fahren. Ob es da wichtig ist ob BMW, VW oder Audi??? Aber der Wachstumsmarkt und die Rendite ist gewiss gigantisch - für die dort nicht nach Luft schnappen müssen!

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.