Stuttgart - Beobachter könnten es sich mit hämischen Kommentaren leicht machen. Denn das große Halali ist mal wieder verschoben. Bekanntlich will Daimler ja bis 2020 seine großen Konkurrenten BMW und Audi abgehängt haben. Und was ist geschehen, seit Konzernchef Dieter Zetsche dieses Ziel verkündet hat? Der Abstand ist größer geworden. In der Sprache des Daimler-Managements klingt das alles ein bisschen freundlicher, da ist von einem „Übergangsjahr“ die Rede. Nun war 2012 so ein „Übergangsjahr“ – und 2013 wird es nach Zetsches Ankündigung auch sein.

Trotzdem sind die Chancen groß, dass es den Stuttgartern gelingen wird, den Abstand zur Konkurrenz wieder zu verkürzen. Dafür spricht alleine schon das geplante Programm mit einer zweistelligen Zahl neuer Fahrzeuge bis 2020. Das alleine garantiert natürlich noch keinen Erfolg, aber es ist belegbar, dass die Stuttgarter an die Zukunft glauben. So hat der Konzern im zurückliegenden Jahr 4,8 Milliarden Euro investiert und 5,6 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Und in den Jahren 2013 und 2014 werden genauso viele Mittel in das Projekt Zukunft gesteckt. Das ist auch richtig so, denn Daimler ist nun einmal dazu verurteilt, seine Autos weiter zu verbessern, umweltfreundlicher zu machen und in alternative Antriebe zu investieren – sie sind schließlich nicht gerade billig. Da stimmt durchaus die Richtung, wenngleich die Modellzyklen nach wie vor nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Dass die E-Klasse in einem Jahr – nämlich 2013 – grundlegend überarbeitet wird und zugleich auch die S-Klasse in einer neuen Version auf den Markt kommt, darf nicht noch einmal passieren.

Es bleibt dahingestellt, ob Daimler wirklich gut beraten ist, an dem großspurigen Werbespruch „Das beste oder nichts“ festzuhalten. Aber Zetsche, dessen Vertrag in zwei Wochen um weitere fünf Jahre verlängert werden soll, bringt zumindest die Ruhe auf, Rückschläge zu verkraften und an der einmal verabschiedeten Strategie festzuhalten. Das ist im Zweifel wichtiger als Absatzerfolge auf dem chinesischen Markt, der gegenwärtig für viel Gesprächsstoff sorgt. Natürlich sind Audi und BMW da weiter. Aber Absatzerfolge können auch schnell in eine gefährliche Abhängigkeit umkippen.