Kommentar zur Ölpest Die Wissenschaft ist ein Puzzle
Alexander Mäder, 30.08.2010 15:05 Uhr
Die Forschergruppen in den USA sind sich nicht einig darüber, wie viel Öl noch im Golf von Mexiko schwimmt. Foto: dpa
Die Forschergruppen in den USA sind sich nicht einig darüber, wie viel Öl noch im Golf von Mexiko schwimmt. Foto: dpa
Stuttgart - In Zeiten, in denen Nachrichten aus der Wissenschaft täglich eine Zeitungsseite gewidmet wird, muss man gelegentlich darauf hinweisen, wie langsam die Wissenschaft tatsächlich voranschreitet. Als der Vulkan Eyjafjallajökull im März ausbrach, wunderten sich manche darüber, dass es einige Tage dauerte, bis die ersten Flugzeuge mit Messgeräten ausgerüstet waren und abheben konnten. In diesen Tagen kann man verfolgen, wie sich Forschergruppen in den USA darüber streiten, wie viel Öl noch im Golf von Mexiko schwimmt.

Die Meeresbehörde NOAA hat verkündet, dass drei Viertel des Öls verschwunden seien. Das Forschungsinstitut Woods Hole hat jedoch eine kilometerlange Ölwolke in etwa 1000 Meter Tiefe ausgemacht. Und nun behauptet eine Gruppe aus dem kalifornischen Berkeley, dass die ölzersetzenden Bakterien sehr aktiv seien. Warum lässt sich das vier Monate nach der Explosion der Deepwater Horizon nicht klären?

Forschungsergebnisse brauchen Zeit


Christopher Reddy, ein leitender Wissenschaftler des Woods-Hole-Instituts gibt die Antwort: Die Wissenschaft sei kein Kartenhaus, sagt er, das durch den kleinsten Einwand in sich zusammenfalle. Eher könne man es mit einem Puzzle vergleichen, das erst nach und nach ein Bild ergibt. Sein Team hat beispielsweise die Aktivität der Bakterien im Wasser anders gemessen als die Gruppe aus Berkeley. Die einen haben den Sauerstoffverbrauch als Indiz für die Aktivität genutzt, während die anderen nach bestimmten Genen im Erbgut der Bakterien gesucht haben.

Nach dem Auslaufen des Öltankers Exxon Valdez vor der Küste Alaskas, sagt Reddy, habe die Wissenschaft ganze fünf Jahre gebraucht, um zuverlässig sagen zu können, welchen Schaden das Öl angerichtet hat. So lange möchte die Öffentlichkeit natürlich nicht warten. Sie möchte aktuell die bestmöglichen Schätzungen haben, und die Wissenschaft bemüht sich, dem nachzukommen. Doch man darf sich dabei nichts vormachen: über jeden Zweifel erhabene Forschungsergebnisse brauchen ihre Zeit. Vorläufige Schätzungen sind etwas anderes: nämlich vorläufige Schätzungen.
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