KommentarKommentar zur S-Bahn-Misere Überfällige Notbremse

Seit Wochen kommt die S-Bahn nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt endlich handelt die Bahn und zieht die Notbremse. Doch für viele Fahrgäste kommt das zu spät. Für das Image sowieso, kommentiert der StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald.

Die neuen S-Bahnen haben schwere Mängel. Foto: Hass 5 Bilder
Die neuen S-Bahnen haben schwere Mängel. Foto: Hass

Stuttgart - Jeden Tag Chaos – der Stoßseufzer eines Fahrgasts auf Facebook macht deutlich, wie sehr das Image der S-Bahn durch die Pannen der vergangenen Monate gelitten hat. Zuerst die massiven Probleme in Folge der Zugentgleisungen im Hauptbahnhof, jetzt die Zugausfälle und Verspätungen wegen der störanfälligen Fahrzeuge vom Typ 430, die eigentlich eine neue Ära des Nahverkehrs in der Region einläuten sollten.

Doch auffällig ist der Zug nur geworden, weil sein Tür– und Trittbrettsystem nicht zuverlässig funktioniert. Die Bahn hat nun die Konsequenzen gezogen: die fehlerhaften S-Bahnen müssen zurück ins Werk, der Betriebsversuch in Echtzeit, bei dem sich die Fahrgäste nicht wie Kunden, sondern wie Versuchskaninchen fühlen mussten, ist beendet.

Die Notbremse – endlich

Endlich hat die Bahn die Notbremse gezogen. Dieser Schritt war überfällig. Schon jetzt ist der Schaden für das Image der S-Bahn, die mit 360 000 Fahrgästen täglich das Rückgrat des regionalen Nahverkehrs bildet, nachhaltig beschädigt. Intern sprechen die Verantwortlichen davon, dass viele Pendler bereits aufs Auto umgestiegen sind. Ganz zu schweigen davon, dass potenzielle Kunden eher abgeschreckt denn gelockt werden – das ist genau die falsche Richtung, um die Verkehrsprobleme im Ballungsraum und der Stauregion zu lösen.

Einmal mehr beweist der Fall aber auch, dass im Beschaffungswesen und im Verhältnis zwischen Bahn und Industrie schwere Versäumnisse herrschen. Ein Zug mit diesen Mängeln hätte nie in Betrieb gehen dürfen. Und noch eines verdeutlicht der Vorgang: Die Politik, in diesem Fall vor allem die Regionalpolitik, hat dem chaotischen Treiben viel zu lange tatenlos zugesehen. Auch das ist ein Armutszeugnis.