Kommunalwahl im Fokus Hoffnung für die Subkultur

Von Laura Müller-Sixer 

Viele beliebte Clubs haben in den vergangenen zwei Jahren ihr plötzliches Aus verkündet. Kurz nach den Kommunalwahlen besteht nun wieder Hoffnung für die Subkultur im Kessel, sagt Manuel Klink vom Club Kollektiv Stuttgart.

In den vergangenen Jahren haben einige Clubs in Stuttgart dicht gemacht. In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir eine Auswahl an Locations, die es nicht mehr gibt. Foto: 7aktuell.de 6 Bilder
In den vergangenen Jahren haben einige Clubs in Stuttgart dicht gemacht. In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir eine Auswahl an Locations, die es nicht mehr gibt. Foto: 7aktuell.de

Stuttgart - Clubs kommen und gehen. Das war schon immer so. Und da ist Stuttgart sicherlich keine Ausnahme. Die Feierszene der Landeshauptstadt musste in den vergangenen Jahren so einige Tiefschläge hinnehmen: die Auswirkungen der Großbaustelle Stuttgart 21, die geforderten Gebäudemodernisierungen und das Thema Sperrstunden. Seit 2012 kam es vermehrt zu unangekündigten Polizeikontrollen in Clubs, viele Clubbetreiber fühlten sich übergangen, es herrschte ein ruppiger Umgangston zwischen der Stadt und den Betroffenen.

Immer wieder kritisiert wurde die mangelhafte bis fehlende Kommunikation zwischen der Stadt und den betroffenen Clubs. Um diese wiederherzustellen und die Stimmen der Clubbetreiber gebündelt an die Stadt herantragen zu können, gründete sich das Club Kollektiv Stuttgart - ein Interessenverband regionaler Club-, Party- und Kulturveranstalter. Manuel Klink vom Blog "Es ist Liebe", ist im Vorstand des Club Kollektivs Stuttgart aktiv. Laura Müller-Sixer, die an der Hochschule der Medien studiert, hat im Rahmen des Projekts "Komunalwahl im Fokus" mit Klink über die Arbeit im Kollektiv sowie die Lage der Clubkultur vor- und nach den Kommunalwahlen gesprochen.

Wie viele Mitglieder stecken hinter dem Namen „Club Kollektiv“?

Das Club Kollektiv besteht derzeit aus circa 20 Mitgliedern. Darunter befinden sich Clubs und Bars wie zum Beispiel der Keller Klub, das Kowalski, das Schocken oder das LKA Longhorn, aber auch Veranstalter wie die SKS Michael Russ GmbH, C2 Concerts und Moderne Welt.

Was wollt ihr mit dem Kollektiv erreichen?

Wir wollen einen Dialog zwischen Clubs, Veranstaltern und der Stadt ermöglichen. Gleichzeitig bietet sich das Kollektiv an, der Stadt gegenüber in puncto regionaler Angelegenheiten beratend zur Seite zu stehen. Durch unser Fachwissen sowie die jahrelange Erfahrung einiger Mitglieder, sind wir in der Lage einige Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Steht die Stuttgarter Clubszene wirklich vor so großen Problemen?

Durch die Schließung von Röhre, Rocker 33 oder Zapata fehlt es der Stadt an attraktiven Konzertmöglichkeiten für Einsteigerbands. Insbesondere für die Größenordnung von 300 bis 800 Besuchern, gibt es in Stuttgart kaum noch Alternativen. Dies führt dazu, dass viele nationale und internationale Künstler Stuttgart gar nicht mehr ansteuern. Auch lokalen Nachwuchskünstlern stehen nur noch wenige Auftrittsmöglichkeiten zur Verfügung. Dabei hat Stuttgart eine sehr aufstrebende, junge Nachwuchs-Musikszene. Man denke an dieser Stelle nur mal an die Jungs und Mädels von Chimperator, ein Stuttgarter Musik-Label, bei dem zum Beispiel der Rapper Cro unter Vertrag steht und das mittlerweile auch international bekannt ist.

Vor den Kommunalwahlen fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Livemusik und Clubkultur in Stuttgart“ im Club Schocken statt. Wie ist das abgelaufen?

An der Podiumsdiskussion im Club Schocken nahmen einige Kandidaten und Kandidatinnen der Kommunalwahl teil. Dabei waren unter anderem Stefanie Brum (SPD), Michael Conz (FDP), Walter Ercolino (Die Grünen), Laura Halding-Hoppenheit (Linke), Jens Hermann (Stadtisten), Mihael Ivankovic (Piraten), Jürgen Sauer (CDU) und Sibylle Wais (SÖS). Wir legten im Vorfeld drei thematische Schwerpunkte fest und gaben unsere Problemfeststellungen unmittelbar an die anwesenden politischen Vertreter weiter. Somit bot sich uns und den Besuchern erstmalig die Möglichkeit, mit den Kandidaten direkt Standpunkte auszutauschen.

Was ist bei der Diskussion herausgekommen?

Die Podiumsdiskussion im Schocken hat gezeigt, dass die lokale Politik Stuttgarts Clubkultur inzwischen sehr stark mitverfolgt und dass dieses Thema im Allgemeinen für weit mehr Gesprächsbedarf sorgt, als in zwei Stunden zu diskutieren war. Der Wille von den Seiten der Politiker ist vorhanden, jedoch gibt es auch Punkte, bei denen selbst sie einfach machtlos sind.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel beim Ablauf von Genehmigungsverfahren. Da müssen wir eben den Kontakt zur Verwaltung suchen.

Denkst du, dass eure Podiumsdiskussion die Wahlentscheidungen der Besucher beeinflusst hat?

Als ich nach der Diskussion mit einigen Besuchern sprach, meinten viele zu mir: „Ich denke da werde ich meinen Wahlzettel noch einmal überdenken müssen“. Ich denke, die Veranstaltung hat für Überraschungen gesorgt und deshalb sicherlich auch einige Bürger in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst.

Wie hast du eigentlich gewählt und vor allem wen?

Meine Wahl erfolgte völlig unabhängig von Parteien. Ich habe mir aus allen Listen meine entsprechenden Favoriten zusammengestellt. Da gab es Kandidaten der CDU, Grünen, Stadtisten, Piraten und Linken. Wen genau, behalte ich aber erst einmal für mich.

Was sagst du zum Wahlausgang?

Es sind einige neue Gesichter im Gemeinderat hinzugekommen. Darunter auch einige, die sich schon seit Jahren für die Clubpolitik stark machen und meine Ansichten teilen. Leider haben es auch einige meiner Favoriten nicht in den Gemeinderat geschafft, obwohl sie es alleine aufgrund ihres Engagements sicherlich sehr verdient hätten.

Was erhofft sich das Club Kollektiv für die lokale Subkultur und wie wird die zukünftige Zusammenarbeit mit der Lokalpolitik aussehen?

Ich erhoffe mir eine engere Zusammenarbeit zwischen Stadt und Künstlern. Die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig eine konkrete Kommunikation aller Beteiligten ist. Es werden zwar nicht alle unserer Forderungen durchgesetzt werden können, aber ich bin mir sicher, dass es oft einen akzeptablen Mittelweg geben wird.

Freust du dich über Kandidaten wie Björn Peterhoff (Grüne), die es in den neuen Gemeinderat geschafft haben und sich explizit mit dieser Thematik auseinandersetzen?

Björn Peterhoff gehörte für mich mit zu den Kandidaten, die sich im Wahlkampf klar für die Clubpolitik ausgesprochen haben. Ich freue mich sehr über seinen Einzug in den Gemeinderat und hoffe natürlich, dass er sich weiterhin für dieses Thema stark macht und für uns zukünftig eine direkte Anlaufstelle sein wird.

Deine Prognose für die Stuttgarter Clubkultur?

Es geht voran.