Kommunalwahl Nichtwähler dürfen nicht meckern

Von Annette Clauß 

Rund 700 Menschen leben in der Diakonie Stetten in Kernen-Stetten. Die meisten dürfen wählen. Damit am Sonntag auch alles klappt mit dem Panaschieren und Kumulieren, hat der Politikwissenschaftler Jürgen Lutz ein Seminar angeboten.

Ein aufmerksamer Zuhörer Foto: Stoppel
Ein aufmerksamer ZuhörerFoto: Stoppel

Kernen - Wer hat schon mal?“, fragt Jürgen Lutz in die Runde. Eine ganze Reihe Hände gehen nach oben. Wahlmüdigkeit scheint kein Thema zu sein bei den Bewohnern der Diakonie Stetten, die an diesem Abend in den Wildermuth-Saal gekommen sind. Fast alle haben schon einmal ihr Kreuzchen auf einen Stimmzettel gesetzt. Auf dem Programm steht heute eine Fortbildung zum Thema Kommunalwahlen: Wie viele Stimmen darf man vergeben? Was hat es mit dem panaschieren und kumulieren auf sich? Was macht der Kreistag und wofür ist der Gemeinderat zuständig?

Viele Fragen, die Jürgen Lutz präzise und ohne Fachchinesisch beantwortet. Der 43-jährige Politikwissenschaftler gibt seit einigen Jahren Seminare, auch in Einrichtungen der Diakonie Stetten. Diese bietet mit der Volkshochschule Unteres Remstal die Easy-Uni an: Eine Bildungsreihe, in deren Kursen das Lerntempo etwas langsamer und die Ausdrucksweise der Dozenten besonders leicht verständlich ist.

Langsameres Lerntempo, verständliche Sprache

Die Wahlprozedur an sich kann Jürgen Lutz freilich nicht vereinfachen. „Die Gemeinderatswahl ist ein bisschen kompliziert“, sagt er angesichts der vielen Stimmen, die vergeben werden können, „aber für die Demokratie kann man sich schon mal eine halbe Stunde Zeit nehmen.“

Was Demokratie bedeutet, das wissen seine Zuhörer aus dem Effeff: „freie Meinungsäußerung“, „Pressefreiheit“, „etwas beschließen“ rufen sie und erfahren gleich darauf, dass das Wort aus dem Griechischen kommt und „Herrschaft des Volkes“ bedeutet. „Wir sind alle die Könige“, so bringt es Jürgen Lutz anschaulich auf den Punkt. „Wir haben Glück, dass wir in Deutschland wohnen und mitentscheiden dürfen“, bestätigt ein Mann. Er findet: „Wer nicht wählen geht, darf auch nicht über die Nachrichten schimpfen.“ „Na ja, dürfen schon“, beschwichtigt Lutz. „Nein, nicht bei mir!“ „Okay“, sagt Jürgen Lutz, grinst und appelliert: „Nehmen Sie die Chance wahr, jede Stimme zählt. Gerade auf der kommunalen Ebene machen ein paar Stimmen hin oder her manchmal viel aus.“

Die Mehrheit der rund 700 Diakonie-Bewohner darf wählen

Auch die Stimmen der rund 700 Menschen, die am Sitz der Diakonie in Kernen-Stetten leben, fallen durchaus ins Gewicht. Die Mehrheit der Diakonie-Bewohner sei wahlberechtigt, sagt Sibylle Kessel, die Pressereferentin der Einrichtung. Lediglich eine kleine Minderheit der Bewohner, nämlich diejenigen, die einen Betreuer für alle Angelegenheiten hätten, dürften nicht wählen.

Gerade die Wahl des Gemeinderats sei eine gute Möglichkeit, mitzubestimmen, erklärt Lutz, denn: „Der Gemeinderat entscheidet über fast alles, was vor der Haustür ist.“ Den Zuhörern fällt so einiges ein, was sie stört – nicht rollstuhlgerechte Gehwege zum Beispiel, oder die drohende Schließung des Stettener Bädles. Eben drum, sagt Lutz und empfiehlt, sich die Kandidaten und ihre Ziele doch mal anzuschauen und dann zu wählen. Entweder nach „der einfachsten aber langweiligsten Methode“ – eine Stimmliste komplett abgeben – oder nach der schwierigeren, bei der Stimmen gehäufelt werden. Sein Tipp: „Lassen Sie sich beim Wählen helfen, aber lassen Sie sich nichts einreden – Sie entscheiden!“ Das gelte auch für die Wahl der Regionalversammlung. „Die ist einfach, da haben Sie nur eine Stimme“, sagt Lutz. „Sehr gut“, sagt ein Teilnehmer.

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