Komödie über die Finanzkrise: „The Big Short“ Zocken, bis die Blase platzt

Von Kathrin Horster 

War die Finanz- und Immobilienkrise in den USA vor einem Jahrzehnt wirklich für alle eine Überraschung? Adam McKays erhellende Komödie „The Big Short“ erzählt beißend ironisch von Spekulanten, die früh auf den Absturz der Märkte setzten.

Michael Burry (Christian Bale) spielt mit der Finanzkrise. Foto: Verleih
Michael Burry (Christian Bale) spielt mit der Finanzkrise.Foto: Verleih

Stuttgart - Armut ist nicht sexy. Und Geiz findet niemand wirklich geil. Im Jahr 2005 war die Quote derjenigen, die in den USA ein eigenes Haus besaßen, so hoch wie nie zuvor. Und das, obwohl die Preise auf dem Immobilienmarkt seit den Neunzigern stetig in die Höhe geklettert waren. Wie konnte es sein, dass auch junge Menschen mit ungesichertem Einkommen, Arbeiter im Niedriglohnsektor oder sogar Arbeitslose Kredite aufnehmen konnten?

Aus Sicht der Banken waren die prekären Verhältnisse ihrer Kunden kein nennenswertes Problem. Schließlich hafteten diese mit ihren Häusern, Autos und teu­rer   Unterhaltungselektronik. Die Kreditunternehmen finanzierten die immer größeren Träume der kleinen Leute und schnürten deren faule Kredite zu undurchsichtigen Paketen, die sie im Interbankhandel anderen Instituten und deren Kapitalanlegern unterjubelten. So sollten angeblich die Risiken gleichmäßig verteilt werden. Auch wer wenig Ahnung von den verwickelten Vorgängen auf den Finanzmärkten hat, ahnt, dass so eine Strategie nicht lange gut gehen kann.

Wetten auf den Kollaps

In Adam McKays grandios erzählter Nachstellung des Finanzkrisen-Urknalls, „The Big Short“, wollen die Akteure jedoch keinerlei Unkenrufe vernehmen. Einen wie Michael Burry (Christian Bale), einen ehemaligen Mediziner, der als Hedgefonds-Manager barfüßig durch sein Büro schlurft und Zahlen analysiert, während ohrenbetäubender Heavy Metal aus seinen Boxen dröhnt, nehmen die arroganten Bankbosse nicht für voll. Also macht Burry es sich zur Aufgabe, die Ökonomen vorzuführen, und wettet zusammen mit anderen Spekulanten gegen das System und auf den Kollaps.

Die Geschichte in „The Big Short“ klingt haarsträubend und fast zu irre, um wahr zu sein. Doch Adam McKay („Anchorman“) verfilmt kein fiktionales Drehbuch, sondern stützt sich auf das gleichnamige Sachbuch von Michael Lewis, das in der deutschen Übersetzung sein eigentlich trockenes Thema den Lesern mit dem knackig-bitteren Untertitel „Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte“ anpreist.

Kleinanleger als Opfer

Obwohl sich die komplizierten Zusammenhänge nur für Insider und versierte Laien nachvollziehbar erschließen, ist Adam McKays Schilderung der Krise so spannend wie ein Krimi. Man merkt schnell, dass McKay mit seinem Film möglichst viele Menschen erreichen will, vielleicht, um sie für die Mechanismen des Marktes zu sensibilisieren, der während der Krise nur einigen wenigen noch Gewinne bescherte, dafür Kleinanleger und naive Kreditnehmer als blutige Opfer ausspuckte.

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