Konflikt um "Da-Vinci-Projekt"
Brisante Fragen an die Planer
Thomas Borgmann,
03.03.2010 13:34 Uhr
Ein möglicher Erhalt des alten Gestapogefängnisses an der Dorotheenstraße sorgt am meisten für Konflikte im Architektenwettbewerb. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Selten zuvor ist der Ausgang eines Architektenwettbewerbs in Stuttgart mit solcher Spannung erwartet worden wie beim "Da-Vinci-Projekt". Der Breuninger-Chef Willem van Agtmael hat das Vorhaben vor drei Jahren angestoßen und ihm den Namen gegeben. Das Land hält den Bezug zu Leonardo da Vinci aber für überzogen - deshalb heißen der Wettbewerb und die geplante Neuordnung jetzt offiziell "Quartier am Karlsplatz".
Für die Architekten stellten sich auf der Suche nach den besten Lösungen viele brisante Fragen: Wie ist es möglich, die vom Gemeinderat festgesetzte Obergrenze von 49.000 Quadratmeter Nutzfläche auf dem Areal unterzubringen, ohne dass diese Baumasse die historische Umgebung am Karlsplatz erdrückt? Wie kann es gelingen, das Quartier für den Auto- und Zulieferverkehr so zu erschließen, dass eine möglichst große Fußgängerzone entsteht? Und vor allem: lässt sich der in der Ausschreibung fest vorgegebene Abriss des ehemaligen Gestapogefängnisses Hotels Silber an der Dorotheenstraße doch noch verhindern? Dem Vernehmen nach wird sich der Breuninger-Chef Willem van Agtmael am Donnerstag zum ersten Mal öffentlich zum Hotel Silber und zu den Verstrickungen des Hauses Breuninger im Dritten Reich äußern.
Und wie geht es weiter? Wenn es am Mittwoch zu einem Ergebnis kommt, womit im Kreis der Beteiligten gerechnet wird, muss der Siegerentwurf so ausgearbeitet werden, dass Breuninger und das Land daraus einen Bauantrag an die Stadt entwickeln können. Zugleich muss die Stadt ein Verfahren für einen neuen Bebauungsplan einleiten. Die Hoheit über dieses Verfahren, das eine Bürgerbeteiligung einschließt und sich über einige Monate erstreckt, liegt beim Gemeinderat. Er muss, möglicherweise noch in diesem Jahr, bewerten und entscheiden, was am Karlsplatz gebaut werden darf und was nicht.
Für die Architekten stellten sich auf der Suche nach den besten Lösungen viele brisante Fragen: Wie ist es möglich, die vom Gemeinderat festgesetzte Obergrenze von 49.000 Quadratmeter Nutzfläche auf dem Areal unterzubringen, ohne dass diese Baumasse die historische Umgebung am Karlsplatz erdrückt? Wie kann es gelingen, das Quartier für den Auto- und Zulieferverkehr so zu erschließen, dass eine möglichst große Fußgängerzone entsteht? Und vor allem: lässt sich der in der Ausschreibung fest vorgegebene Abriss des ehemaligen Gestapogefängnisses Hotels Silber an der Dorotheenstraße doch noch verhindern? Dem Vernehmen nach wird sich der Breuninger-Chef Willem van Agtmael am Donnerstag zum ersten Mal öffentlich zum Hotel Silber und zu den Verstrickungen des Hauses Breuninger im Dritten Reich äußern.
Und wie geht es weiter? Wenn es am Mittwoch zu einem Ergebnis kommt, womit im Kreis der Beteiligten gerechnet wird, muss der Siegerentwurf so ausgearbeitet werden, dass Breuninger und das Land daraus einen Bauantrag an die Stadt entwickeln können. Zugleich muss die Stadt ein Verfahren für einen neuen Bebauungsplan einleiten. Die Hoheit über dieses Verfahren, das eine Bürgerbeteiligung einschließt und sich über einige Monate erstreckt, liegt beim Gemeinderat. Er muss, möglicherweise noch in diesem Jahr, bewerten und entscheiden, was am Karlsplatz gebaut werden darf und was nicht.
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Jürgen
Wissen Sie, es ist völlig normal, legitim und auch notwendig, dass die Bürger etwas schützen möchten, das eine besondere Bedeutung hat und abgerissen werden soll. Natürlich hätte man das schon vorher einfordern können, nur war es eben schlicht Aufgabe der Stadt oder des Landes (sagen Sie es mir), das zu tun. Der Bürger hat sich an solche Versäumnisse schon lange gewöhnt. Sie sollten aber eine ganz andere Frage stellen: Wieso wurde von vornherein vorgegeben, dass das Hotel Silber fallen soll, und auf dieser Grundlage dann ach so öffentlich, transparent und demokratisch ein Architektenwettbewerb gestartet? Warum lässt man das nicht ganz einfach offen? Genau das gleiche Spielchen mit S21: Es wird was vorgesetzt, das man zu fressen hat, und später dürfen die Bürger, weil wir ja in einer weltoffenen und demokratischen Stadt leben, sich daran beteiliogen, wie die Glasklötze aussehen dürfen, die auf der bisherigen Frischluftschneise entstehen müssen. Bitte stellen Sie die RICHTIGEN Fragen.
@ Manni
Ihre Träume von einem EKZ können Sie getrost begraben. Die neuen Gebäude sollen in erster Linie Büros beherbergen. Zusätzlich ein Nobelhotel. Und (vielleicht) auch noch ein paar Einkaufsmöglichkeiten. http://www.presseanzeiger.de/meldungen/immobilien/261883.php An alle Verschwörungstheoretiker: Das Projekt war von Anfang an umstritten, allein wegen seiner Ausmaße. Das hat nichts mit den Grünen oder der SÖS zu tun. Auch nicht mit Zukunftsverhinderung. "Die Stadt Stuttgart steht den Plänen – ähnlich wie beim Wettbewerb zu den Ministeriumsbauten an der Willy-Brandt-Straße (siehe BauNetz-Meldung) – bisher skeptisch gegenüber. So kritisierte der Gemeinderat die Größe der Baumassen im Verhältnis zur angrenzenden Markthalle und dem Alten Schloss. Auch stehe noch eine angemessene Lösung für das in der Nazizeit als Gestapo-Gefängnis genutzte „Hotel Silber“ aus." Das war 2008. Den Link dazu gibt es auch: http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Entscheidung_fuer_Regierungszentrum_Stuttgart_276663.html
Brisante Fragen - diesmal anders rum
Es ist schon beinahe grotesk, was gerade in Stuttgart abgeht. Kein Projekt, keine Planung, sie nicht einen reflexartigen Aktionismus von Leuten, die gegen aööes sind hervorrufen. Fakten: Beim Gebiet des ‚Da-Vinci-Projektes ‚ handelt es sich um einen gegend, die selbst der größte Optimist nur als schäbigen Hinterhof bezeichnen kann, Der (rekonstruierte Bau des Hotels Silber passt sich vorzüglich der Hässlichkeit der Umgebung an. 65 Jahre war sie Geschichte dieses Baues allen egal.. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass vorher irgendjemand etwas ‚gedenkstättenähnliches’ gefordert hätte. Kaum wird geplant setzt der Stuttgarter ‚Verweigerungsapparat’ seine übliche Masche um: !) Man sucht ein hehres Argument (welches ist beliebig): Umweltschutz passt, Denkmalschutz – wenn es nicht anders geht, bis hin zum ‚Weltkulturerbe’, Schutz der Anlieger (passt hier nicht-Schade), Gedenkstätte für … (Hurra passt). Dieses hehre Argument istr wichtig, hilft es doch die ‚Gutmenschen’ zu aktivieren,. 2) Man diffamiert die Befürworter und Protagonisten. Maffia, Immobilienhai, Arisierungsnutznießer, Profitgier und andere Begriffe werden jetzt eingeführt.. Dagegen muß doch der ehrliche Stuttgarter kämpfen – oder? 3) Eine politische Gruppierung findet sich immer, die ihren Apparat und ihre pesonellen Kapazitäten einsetzt. Getreu nachdem Motto ’Es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen die Kontrolle gewinnen’ (schon mal diese ‚Vorort-Homepage’ angeschaut???? 4) Bitte der Versuchung widerstehen, konstruktive Vorschläge zu machen, bitte immer die Befürworter auffordern, die ständig wechselnden Argumente zu entkräften. Bingo – jetzt läuft’s- besorgte Bürger und Bürgerinnen lassen sich unter den Stuttgartern immer finden. Genial ist es natürlich, wenn man diesen Leuten auch noch die Möglichkeit gibt, ihr Ruhebedürfnis, ihre Angst vor jeder noch so kleinen Änderung, den Angst vor Wertminderung des eigenen Eigentums hinter angeblich hehren Argumente zu verstecken. Dann protestiert auch Frau Studienrat im Ruhestand, Ex-Politiker dürfen noch mal von alter Bedeutung träumen, andere geniessen plötzlich ‚Popularität’ und noch andere freuen sich heimlich über den erfolg ihrer Manipulationsstrategie, die ihnen und ihren politischen Ansichten mehr Raum einräumt, als der Wähler bereit war, ihnen zuzustehen. Und ich frage mich, warum dieses durchsichtige Spiel nicht von den manipulierten Mitbürgern erkannt wird. Das Muster ist doch klar..