Konsum Entschleunigung? Nicht in Shopping-Centern

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Zur aktuell oft bemühten Rhetorik des „Weniger“ passt das nicht. Entschleunigung? Nicht in Fußgängerzonen und Shopping-Centern. Gürtel enger schnallen? Nicht wenn die große Portion von heute morgen die kleine ist. Slow Food und Downshifting sind schöne Stichworte, so richtig lebt aber kaum jemand nach diesem Prinzip. Die Beschränkung auf das Wesentliche verträgt sich nicht mit Rabattaktionen und verkaufsoffenen Sonntagen, die so viele als Freizeitvergnügen schätzen.

Vielleicht kommt das Ende ganz von selbst. Waren können nicht immer billiger werden; die Mieten steigen; die Einkommen bleiben quasi gleich. Wolfgang König sagt Verteilungskämpfe voraus: „Die Menschen haben nicht mehr Geld, wollen aber an ihrem Konsumniveau festhalten“, sagt der Konsumforscher. „Gezwungenermaßen“, so König, müssten Menschen sich bescheiden oder zumindest: nicht noch mehr konsumieren. Das wäre für den Ressourcenhaushalt der Erde gut, für den sozialen Frieden womöglich nicht.

Verzicht fällt leichter, wenn man ihn bewusst wählt

Es ist unbestritten, dass Einkaufen heute viel mehr Spaß macht als noch vor zwanzig Jahren – nicht nur, weil die Läden samstags länger auf haben als bis 14 Uhr. Das rechte Maß finden wir aber nicht, wenn wir bloß darüber reden. Wer früher damit anfängt, spürt den Verzicht später nicht so sehr. Das ist ziemlich unsexy, aber es muss uns nicht unglücklich machen: „Glück ist von den individuellen Einstellungen abhängig“, sagt Wolfgang König. Mit anderen Worten: Weniger zu konsumieren ist möglich. Man muss es nur wollen und das Beste daraus machen. Verzicht fällt leichter, wenn man ihn bewusst wählt.

Der Verkäufer am Popcorn-Stand im Kino hatte nach freundlicher Nachfrage übrigens ein Einsehen und füllte einen 0,3-Liter-Colabecher mit Popcorn. Das reichte. Es kostete nur einen Euro. Und nach dem Film fühlte es sich viel besser an.