Konsumforschung Aufschwung beflügelt die Verbraucher
Thomas Magenheim, 04.02.2011 07:56 Uhr
Die Deutschen sind wieder in Kauflaune. Foto: dpa
Die Deutschen sind wieder in Kauflaune. Foto: dpa
Nürnberg - Deutschlands Verbraucher galten über Jahre hinweg als die Konsummuffel Europas, die jeden Cent umdrehten und viel sparten. Die Zeiten haben sich geändert, wenn man den Konsumforschern der Nürnberger GfK-Gruppe Glauben schenkt. Aus deutschen Angstsparern seien Europas mit weitem Abstand führende Konsumoptimisten geworden, betonte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst bei einer Fachtagung in Nürnberg. 2011 werde sich die Zuwachsrate des privaten Konsums hierzulande inflationsbereinigt deshalb auf 1,5 Prozent verdreifachen. Das halbe Prozent Zuwachs im Vorjahr hatte GfK exakt vorausgesagt.

Der Höhenflug der deutschen Wirtschaft übertrage sich immer mehr auch auf die Konsumlaune der Bevölkerung, sagen die GfK-Forscher. Die Spendierfreudigkeit der Verbraucher werde nun endgültig zu einer stabilen Säule für einen anhaltenden Aufschwung, betont Wübbenhorst. Den entscheidenden Schub liefere das Unterschreiten der Marke von drei Millionen Arbeitslosen, das für 2011 im Schnitt vorausgesagt wird. Die gute Konjunktur und steigende Erwartungen an das eigene Einkommen erhöhen trotz anziehender Inflation die Ausgabenbereitschaft.

Blick zu den Nachbarn


Für den Lebensmittelhandel und Drogeriemärkte prognostiziert die GfK eine Umsatzsteigerung von 1,7 Prozent, nachdem es im Vorjahr 1,2 Prozent mehr auf insgesamt 154 Milliarden Euro waren. Ähnlich stark sollen dieses Jahr Elektroartikel, Textilien, Möbel oder Heimwerkerbedarf verkauft werden. Das wäre gegenüber den plus 2,6 Prozent 2010 auf 148 Milliarden Euro Gesamtumsatz ein schwächeres Wachstum.

Dennoch bleibe die Konsumfreude der Deutschen vor allem auch mit Blick auf Nachbarländer bemerkenswert, betonen die GfK-Forscher. Im Nachbarland Frankreich würden Verbraucher derzeit massiv eine Abnahme ihres Lebensstandards befürchten und auf die Konsumbremse treten. In Großbritannien belaste der Sparkurs der Regierung den dortigen Konsum. In Italien schrumpfe die Mittelschicht, was private Ausgaben dämpfe. Spanier leiden unvermindert unter ihrer Immobilienkrise und hoher Arbeitslosigkeit. Griechenland sei mit einem um gut vier Prozent gesunkenen Bruttosozialprodukt das Schlusslicht in Europa. Von den bevölkerungsreichen Staaten könne nur Polen mit der deutschen Konjunktur Schritt halten, aber dort sehe die Bevölkerung die Lage viel pessimistischer, was die Konsumlaune in Grenzen hält. Deutsche achten dagegen mittlerweile mehr auf Qualität als auf den Preis und "geben ihr Geld gerne aus", stellt Wübbenhorst klar.
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