Konzeptänderung in Feuerbach Aus der großen Halle werden nun doch Ateliers

Von Torsten Ströbele 

Das Konzept für das Werk 8 ist geändert worden. Es wird keinen großen Saal für Veranstaltungen geben. Der Grund: Immer wieder wurde Sevil Özlük gefragt, ob in der großen Halle denn regelmäßig riesige türkische Hochzeitsfeiern stattfinden würden.

Türkische Hochzeiten hätten hier an der Siemensstraße 136 und 140 laut Eigentümer keine stattfinden sollen, doch die Gerüchte haben sich hartnäckig gehalten. Foto: Gordon Koelmel (z)
Türkische Hochzeiten hätten hier an der Siemensstraße 136 und 140 laut Eigentümer keine stattfinden sollen, doch die Gerüchte haben sich hartnäckig gehalten. Foto: Gordon Koelmel (z)

Feuerbach - Der neue Eigentümer des ehemaligen Behr-Werkes 8, Halil Selvi, hat sein Konzept modifiziert. Die Pläne für eine rund 2000 Quadratmeter große Veranstaltungshalle gehören der Vergangenheit an. „Uns ist aufgefallen, dass dieser große Kreativsaal bei vielen Leuten Unbehagen verursacht hat“, sagt die Projektleiterin Sevil Özlük. Zur Refinanzierung des Künstlerdorfes hätte man die Einnahmen aus der Vermietung des Saales eigentlich dringend benötigt. „Aber wir verzichten nun auf den Veranstaltungssaal.“

Mehr Platz für Künstler

Der Grund: Immer wieder wurde Sevil Özlük gefragt, ob in der großen Halle denn regelmäßig riesige türkische Hochzeitsfeiern stattfinden würden. „Daran hat der Eigentümer überhaupt kein Interesse“, sagt Özlük. Es sei nie geplant gewesen, dass solche Feste im Werk 8 stattfinden; ausräumen konnte sie die Bedenken aber nie vollständig. „Deshalb wollen wir diese Gerüchte endgültig aus der Welt schaffen und haben unsere Pläne geändert.“ Es gebe genug Anfragen, um die rund 2000 Quadratmeter große Fläche auch anderweitig und kleinteiliger zu vermieten. Nun sollen weitere Ateliers entstehen. „Es wird somit noch mehr Platz für Künstler auf dem Areal geschaffen, die in der Halle arbeiten und auch dort ihre Werke ausstellen werden.“

Der Eigentümer Halil Selvi und sein Investoren-Partner Halil Aydin hoffen nun auch, durch diesen Kompromiss die Stadträte endgültig von ihrem Konzept überzeugen zu können. Die Kommunalpolitiker wollen im Dezember entscheiden, ob sie eine Änderung des Bebauungsplans für das Areal an der Siemensstraße 136 und 140 in die Wege leiten werden. Die meisten Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik sowie des Wirtschaftsausschusses des Gemeinderats wussten in einer Sitzung im Oktober aber noch nicht, ob sie dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen werden und erbaten Bedenkzeit. Die Idee des Amtes für Stadtplanung und -erneuerung sowie der Wirtschaftsförderung war, die rund 13 600 Quadratmeter große Fläche des Werkes 8 im Rahmen einer Bebauungsplanänderung mit einer Sondergenehmigung für kulturelle Zwecke auszustatten. Dennoch sei es schwierig, im Vorfeld genau zu definieren, was alles unter die Rubrik kulturelle Veranstaltungen falle und was nicht, sagte Baubürgermeister Matthias Hahn in besagter Oktober-Sitzung.

„Das könnte das ganze Gebiet aufwerten“

Ob mit dem Verzicht auf die große Veranstaltungshalle aber alle Bedenken ausgeräumt sind, wird sich noch zeigen. Einige Stadträte hatten auch Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, durch die Sondergenehmigung eine weitere Fläche für produzierendes Gewerbe zu verlieren, für die im Stadtgebiet laut Matthias Hahn kein Ersatz geschaffen werden kann. Allerdings hätte es in den vergangenen drei Jahren, in denen das Werk 8 leer stand, auch keine Interessenten aus dem produzierenden Gewerbe für diese Fläche gegeben, bestätigt Ines Aufrecht. Die Leiterin der Wirtschaftsförderung kann sich sehr gut vorstellen, das Areal an der Siemensstraße mit einer Sondergenehmigung auszustatten: „Das könnte das ganze Gebiet aufwerten.“

Das sehen die Menschen, die gegenüber des Werkes 8 an der Mauserstraße arbeiten, auch so, sagt Sevil Özlük: „Durch das Künstlerdorf-Projekt hoffen wir, dass das Areal nicht mehr nur als sogenannte Türkenstraße oder als Randgebiet mit türkischem Basar gesehen wird.“

Sonderthemen