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Stuttgart - Die älteste Boygroup der Welt ist spürbar in die Jahre gekommen. Der fahrige Sänger vergisst laufend Namen, vertändelt die Pointen nicht wirklich witziger Witze und verliert sich in nostalgischen Erinnerungen an die Zeit vor 1933. Der Gitarrist wird von einem minimalistischen Solo in die Knie gezwungen und kommt aus eigenen Kräften nicht mehr in die Senkrechte und hält später am Abend noch einen kalauernden Vortrag zum „Wesen der Schwäche“.
Der hühnenhafte Bassist und der zwergenwüchsige Schlagzeuger sind ohnehin von der Natur gebeutelt. Kurz vor der Pause glaubt Ulrich Tukur schließlich selbst, die verbleibenden Minuten dahin nur noch durch ein paar Tricks überbrücken zu können, damit das Publikum diese „künstlerische Nahtod-Erfahrung“ (Tukur) überhaupt aushält. Zu diesen „Tricks“ gehören schlichte Varieté-Nummern wie Auftritte der dänischen Kraftakrobatentruppe „Die drei Pölser“ und ein irrwitzige Bauchtanzeinlage des Bassisten Günter Märtens.
Mischung aus Mühsal und Drangsal
Zwischendrin streunt ein als marokkanischer Zwerglöwe »verkleideter« Eurasier-Rüde namens Toto interesselos, aber immerhin unfallfrei über die Bühne, der immerhin fast fehlerfrei den Namen des Noch-Bundespräsidenten zu sagen weiß: „Wuff!“ Selten hat man auf der Bühne des Theaterhauses eine ärgere Mischung aus Mühsal und Drangsal erlebt, selbst die Lieder, die das Quartett zum Besten gibt, handeln in der Regel vom kleinen („Ich steh im Regen“) und ganz großen („Fun on the Titanic“) Scheitern. Es ist ein Elend!
Und es grenzt schon an ein Wunder der Alchemie, wenn Ulrich Tukur und seine drei Rhythmusboys aus all diesen Zutaten nicht nur einen köstlichen, begeisternden, dramaturgisch bis ins Letzte stimmigen Abend zu zaubern verstehen, sondern diesen mittels einer gewissen dandyhaften Grundhaltung, dem Mut zur albernen Selbstentblößung und popmusikarchäologischer Finesse zu einem Diskurs über die lebensrettende Funktion leichter Unterhaltungskunst in schwierigen Zeiten zu formen. Ganz große, kleine Kunst für schwache Stunden. Standing Ovations.


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Ulrich Tukur
Lieber Herr Kriest, es ist schon in Ordnung, dass Sie Herrn Tukur nicht mögen. Auch in Ordnung, wenn Sie vielleicht etwas weiter hinten saßen, und deshalb gewisse Feinheiten nicht erkannt haben. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert - über Ulrich Tukur und über Ihren von bemühter Wortakrobatik triefenden Artikel. Kleine Schreibe über einen großen Auftritt. Better luck next time...