Konzert Jean Michel Jarre
Vom Tastenzauberer zum Zauderer
Ulrich Bauer,
11.03.2010 08:17 Uhr
Aus Laser mach Musik: Jean Michel Jarre in der Porsche-Arena. Foto: Rudel/Hass
Es ist der theatralische Versuch, einem eher sachlichen Tun etwas Temperament einzuhauchen. Er springt flott auf und wirft dem halbvollen Rund sein männlich entschlossenes "Thank you" hin. Aber es bringt das musikalische Tun nicht entscheidend voran. Doch halt, es ruckt und zuckt, mechanische Rhythmen kommen in Gang und führen in blubbernde Klangschöpfungen, die der Komponist "magnetische Felder" benannt hat und denen er sein "Equinox 7" folgen lässt. Es gibt ja unzählige Fortsetzungen, Remixe und Neubearbeitungen seiner Erfolgsstücke, eine Durchnummerierung erscheint da praktisch.
Fescher Springteufel der Großdiskothek
Meister Jarre überschlägt sich fast und krümmt sich in grimassierender Ekstase, er nimmt ein museales Umhängekeyboard zur Hand, er lässt nun kerzengerade Laserstrahlen zum Hallenhimmel streben und tritt an den Bühnenvordergrund, um sie zu so etwas Ähnlichem wie Melodien zu manipulieren. Mit Handschuhen. Frech und gewagt, früher. Allein, die Verblüffung darüber hält sich in Grenzen. Diese synthetisch wabernde Klangwelt lässt in ihren Wiederholungen zwar den Jarre'schen Stil erkennen, es wäre technisch und musikalisch aber mehr möglich. Sehr viel mehr.
Angesichts mangelnder optischer Opulenz könnte ja wenigstens das Ohr auf seine Kosten kommen. Doch angesichts solcher Dürftigkeit bleibt einem eher der Mund offen stehen. Jetzt muss dringend der Turbo gezündet werden, so geht das nicht weiter. Es ist ein Sichverheddern in fossilem Kitsch. Im Bühnenhintergrund tut sich mal eine nervöse Kamerafahrt in die Mikrowelt der Moog'schen Drehknöpfe auf. Ja ja, ist ja gut. Techno hat es nie gegeben, war nur ein böser Traum. Elektronische Körpermusik ist passé. Es lebe das Lullen von vorgestern, Elektrokitsch der peinlichen Art.
Irgendwann gibt der Meister der Tasten dann das Signal, und es ertönen die billigsten Eurodisco-Klischees, wozu er gar frisch über die Bühne tanzt und gestenreich ein Mitklatschen einfordert. Jetzt macht er sich selbst zum Elektro-Heinz, dient sich als fescher Springteufel der Großdiscothek an - man mag gar nicht hinschauen, geschweige denn hinhören. Immerhin, wir wollen ihm und uns als Trost zugutehalten, dass er da live musiziert und manipuliert: Die Einsätze und das heiße Bemühen sind klar erkennbar.
Die schlimmsten Elektroschlager sind verklungen, da gemahnt der Bühnenhintergrund unmotiviert an schwindende Ölvorräte und den unkontrollierten Wuchs der Weltbevölkerung. Das Gewissen ist wie die Aufmerksamkeit nun beruhigt, da wird abermalig vors Publikum getreten, um "Oxygène" in seiner tausendsten Bearbeitung (wir haben nicht genau mitgezählt) abzusondern. Ja, so waren die Zeiten. Der Sauerstoff ruft. Hinaus ins Freie. Schnell.
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Zauderer
Also wer sich mit populärer Musik befasst, der wird wissen das diese meistens einfach und verständlich gestrickt ist. Die bekannten Titel, wie z. B. Oxygene Part 4 und Equinoxe Part 5 sind ja nur die Massenkompatibelsten gewesen. Wer aber etwas in die Tiefe des Jarre-Klanguniversums abtauchen will und einen Sinn für die geniale Pionierarbeit in der elektronischen Musik hat, der weiss das Jarres erste Alben Oxygene und Equinoxe ein wahres Wunderwerk in Sachen Klang und Musik sind. Hier muss ich den Künstler definitiv in Schutz nehmen, auch wenn letztendlich alles reine Geschmackssache ist. Die Livedarbietungen von einer solchen Musik, ist auf Grund der historischen Technik wahrlich nicht einfach und sie wird nie genau so klingen wie auf den Alben. Also Elektromusiker spreche ich aus Erfahrung und ich bin von Jarres Weg, seine Klassiker erneut mit der Originaltechnik aufzuführen begeistert, auch wenn man eben wie beschrieben die ein oder anderen technischen Abzüge machen muss. Man kann froh sein, dass die alte Technik brav ihren Dienst verrichtet und nicht während der Veranstaltung ausfällt. Große Leistung Herr Jarre, die Ihre Fans definitiv zu würdigen wissen.
keine Ahnung
was der Redakteur hier verbrochen hat ... entweder ist er zu jung, um zu verstehen, dass Jean Michel Jarre richtungsweisende Musik gemacht hat und diese Original auf die Bühne gebracht hat (wer braucht schon einen auf neu gemachten Remix), oder er hat im Vorfeld noch nie in ein JMJ-Album reingehört. Das ist Synthesizermusik vom Feinsten. Das Einzige, was die Atmosphäre ein wenig behindern konnte, war die Deckenbegrenzung für die Lichtshow, die trotzdem sehr beeindruckend war. Mit 32 gehöre ich sicherlich auch nicht zu den Menschen, die JMJ von Anfang an kannten, aber sein Oxygene-Werk habe ich bereits im Alter von 9 Jahren zu schätzen gewusst und habe es später immer wieder gehört. Hier werden Harmonien gepielt, die sich ineinander aufbauen und den Höher in Klangwelten entführen, die Geschichten erzählen. Tonharmonien zu erzeugen, ohne, dass die Musik durch einen dumpfen alles übertönenden Bass vorangepeitscht wird ist wahre Kunst. Heutzutage geht leider alles nur noch über den Bass / das Schlagzeug. Mein Rat an den Redakteur: Nehmen Sie sich einfach mal die Zeit in Ruhe (und nicht im Hinterkopf die Notwendigkeit eine Reportage dazu zu schreiben) das Oxygène Album komplett am Stück zu hören. Sie werden merken, dass es weder langweilig, noch wiederholend ist. Sie werden erstaunt sein, wie entspannt Sie nach diesem Klangerlebnis sein werden.
Wäre der Autor doch lieber in ein Techno Konzert gegangen...
.... vielleicht hätte er dort einen passenden Artikel zu Stande gebracht. Verstanden worum es dem Künstler bei der Tour und Show geht, hat er jedenfalls nicht. Weit am Thema vorbei kritisiert und mit viel Wortschwall nichts gesagt, außer dass er nicht begreift. Vorher schlau machen bevor man solch eine Grütze veröffentlicht wäre ein Mittel der Wahl um zukünftig nicht in solch einen Fettnapf zu treten, wie diesen hier. Viel Vergnügen auf dem nächsten Techno-Synthie-Digipop Konzert wünsche ich ...