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Konzert Jean Michel Jarre Vom Tastenzauberer zum Zauderer

Ulrich Bauer, vom 11.03.2010 08:17 Uhr
Aus Laser mach Musik: Jean Michel Jarre in der Porsche-Arena. Foto: Rudel/Hass
Aus Laser mach Musik: Jean Michel Jarre in der Porsche-Arena. Foto: Rudel/Hass
Stuttgart - Der Mann ist anderes gewohnt: mehr als zwei Millionen Menschen verfolgten live sein Bühnenspektakel zum zweihundertsten Jahrestag der französischen Revolution in Paris. Ein paar Jahre später erlebten geschätzte 3,5 Millionen den triumphalen Auftritt "Oxygène in Moscow" mit. Jean Michel Jarre spielte vor 1,3 Millionen Fans für die Nasa in Houston, vor dem Papst, vor zwei Millionen in Paris und weiteren 800.000 Zuhörern in seiner Heimatstadt Lyon, im Angesicht der Pyramiden von Gizeh und als erster westlicher Musiker nach dem Tod von Mao in Peking und Schanghai. Ein Gigant der Töne.

Und jetzt: eine halbvolle Porsche-Arena. Dreitausend Leute. Aber er zieht wie ein Gladiator von hinten in diese Arena ein, er schüttelt Hände, winkt unbekannten Menschen zu und lächelt ununterbrochen sein schönstes Lächeln, während seine drei Gehilfen hinter ihm freundliche Assistenz im dunklen Anzug leisten. Ach ja, er hat sich gut gehalten mit seinen bald 62 Jahren, springt behend auf die Bühne und macht dreist Faxen. Dazu schüttelt er auch seine frisch geföhnte Mähne, dass es eine wahre Pracht ist. Die Bühne ist ein Führerstand mit vier Kanzeln, nach vorne abgerückt der Meister in seiner gebieterischen Herrlichkeit. Ein Kommandostand von vier Jumbojets gleichzeitig. Ein ganz großes Spektakel ist angesagt. Licht, Laser, Sound - alles vom Feinsten.

Stattdessen aber jetzt ein verdrücktes Schrauben an Gerätschaften nostalgisch aufpolierter Technik. Ist das die Einleitung? Eine Verlegenheit. "Oxygène 1" und "Oxygène 2" kommen einfach nicht so recht in Schwung. Im Hintergrund stehen die Museumsstücke: große, uralte Synthesizer vom Pionier Bob Moog. Die großen Tastenzauberer wie Keith Emerson führten so etwas Anfang der siebziger Jahre ihrem staunenden Poppublikum vor. Teure Schmatzgeräusche und in Künstlichkeit ächzende Tonschleifen. "Ahs" und "Ohs" allüberall - vor vierzig Jahren.

Die Melodien tröpfeln mäßig


Aber jetzt? Ein Tastenzauderer, dessen Thron im Bühnenvordergrund abgerückt ist, damit er besser entrückt sein kann. Neon-Dekor, vielleicht blitzt irgendwo mal ein Licht auf, im Bühnenhintergrund entfaltet sich monochromes Blau. Ist das groß, ist das viel? Der Stern von Jean Michel Jarre ist ja immerhin schon in den siebziger Jahren aufgegangen. 1977 erschien sein Album "Oxygène", das ihn nach Filmmusik, Elektronikballett und anderen künstlerischen Bemühungen plötzlich zu weltweitem Ruhm katapultierte.

Nun gut, die Melodien tröpfelten schon damals mäßig, gestreckten Werbejingles gleich. Aber was vielleicht noch verblüffen konnte, war der schiere Sound. Jetzt und im Heute wirkt das eher gut gemeint, wie ein wehmütiger Ausflug in die Wichtigkeiten vergangener Tage, mag der Dirigent der Elektronik da noch so zur ganz großen Geste ausholen und immer wieder wie ein wirbelwindiger Derwisch auf wechselnden Abruffeldern so etwas wie einen elektronischen Tusch erzeugen. Rührend.

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Kommentare (7)
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MAI
28
09:53 Uhr, geschrieben von anonymus
Zauderer
Also wer sich mit populärer Musik befasst, der wird wissen das diese meistens einfach und verständlich gestrickt ist. Die bekannten Titel, wie z. B. Oxygene Part 4 und Equinoxe Part 5 sind ja nur die Massenkompatibelsten gewesen. Wer aber etwas in die Tiefe des Jarre-Klanguniversums abtauchen will und einen Sinn für die geniale Pionierarbeit in der elektronischen Musik hat, der weiss das Jarres erste Alben Oxygene und Equinoxe ein wahres Wunderwerk in Sachen Klang und Musik sind. Hier muss ich den Künstler definitiv in Schutz nehmen, auch wenn letztendlich alles reine Geschmackssache ist. Die Livedarbietungen von einer solchen Musik, ist auf Grund der historischen Technik wahrlich nicht einfach und sie wird nie genau so klingen wie auf den Alben. Also Elektromusiker spreche ich aus Erfahrung und ich bin von Jarres Weg, seine Klassiker erneut mit der Originaltechnik aufzuführen begeistert, auch wenn man eben wie beschrieben die ein oder anderen technischen Abzüge machen muss. Man kann froh sein, dass die alte Technik brav ihren Dienst verrichtet und nicht während der Veranstaltung ausfällt. Große Leistung Herr Jarre, die Ihre Fans definitiv zu würdigen wissen.
MRZ
12
08:39 Uhr, geschrieben von Claudio
keine Ahnung
was der Redakteur hier verbrochen hat ... entweder ist er zu jung, um zu verstehen, dass Jean Michel Jarre richtungsweisende Musik gemacht hat und diese Original auf die Bühne gebracht hat (wer braucht schon einen auf neu gemachten Remix), oder er hat im Vorfeld noch nie in ein JMJ-Album reingehört. Das ist Synthesizermusik vom Feinsten. Das Einzige, was die Atmosphäre ein wenig behindern konnte, war die Deckenbegrenzung für die Lichtshow, die trotzdem sehr beeindruckend war. Mit 32 gehöre ich sicherlich auch nicht zu den Menschen, die JMJ von Anfang an kannten, aber sein Oxygene-Werk habe ich bereits im Alter von 9 Jahren zu schätzen gewusst und habe es später immer wieder gehört. Hier werden Harmonien gepielt, die sich ineinander aufbauen und den Höher in Klangwelten entführen, die Geschichten erzählen. Tonharmonien zu erzeugen, ohne, dass die Musik durch einen dumpfen alles übertönenden Bass vorangepeitscht wird ist wahre Kunst. Heutzutage geht leider alles nur noch über den Bass / das Schlagzeug. Mein Rat an den Redakteur: Nehmen Sie sich einfach mal die Zeit in Ruhe (und nicht im Hinterkopf die Notwendigkeit eine Reportage dazu zu schreiben) das Oxygène Album komplett am Stück zu hören. Sie werden merken, dass es weder langweilig, noch wiederholend ist. Sie werden erstaunt sein, wie entspannt Sie nach diesem Klangerlebnis sein werden.
MRZ
11
23:16 Uhr, geschrieben von pcpanik
Wäre der Autor doch lieber in ein Techno Konzert gegangen...
.... vielleicht hätte er dort einen passenden Artikel zu Stande gebracht. Verstanden worum es dem Künstler bei der Tour und Show geht, hat er jedenfalls nicht. Weit am Thema vorbei kritisiert und mit viel Wortschwall nichts gesagt, außer dass er nicht begreift. Vorher schlau machen bevor man solch eine Grütze veröffentlicht wäre ein Mittel der Wahl um zukünftig nicht in solch einen Fettnapf zu treten, wie diesen hier. Viel Vergnügen auf dem nächsten Techno-Synthie-Digipop Konzert wünsche ich ...
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