Konzerte in Stuttgart So viel HipHop war selten

Von Martin Elbert 

Gute Wochen für HipHop-Fans in Stuttgart: Der lokale Konzertkalender ist voll mit Rap-Shows. Warum HipHop? Warum fast nur deutscher HipHop? Und warum gerade jetzt?

HipHop-Festwochen in Stuttgart, und in der folgenden Bilderstrecke zeigen wir die Künstler, die in den kommenden Wochen in Stuttgart gastieren. Zunächst: Plattencover, hier das von Silla; er spielt am 31. Januar im ClubCann. Foto: Promo 10 Bilder
HipHop-Festwochen in Stuttgart, und in der folgenden Bilderstrecke zeigen wir die Künstler, die in den kommenden Wochen in Stuttgart gastieren. Zunächst: Plattencover, hier das von Silla; er spielt am 31. Januar im ClubCann. Foto: Promo

Stuttgart - Gute Wochen für HipHop-Fans. Gefühlt kann man von Ende Januar bis Ende März jeden Tag ein Konzert besuchen, dabei werden in kleinen Clubs wie in großen Hallen so gut wie alle Subgernes abgedeckt. Curse, Prinz Porno, Haftbefehl, MC Fitti, Kool Savas, Eko Fresh oder Schwesta Ewa steigen allesamt mit neuem Album im Tal ab, einige Shows sind längst ausverkauft.

Natürlich, HipHop ist angesagt. Schwer angesagt. Und gerade in Deutschland, nach einer längeren Talfahrt in den Nullerjahren, seit einigen Jahren noch nie so stark wie jemals zuvor. Sind HipHop-Konzerte deswegen auch automatisch ein Selbstläufer? Jein, meint Matthias Mettmann von der in diesem Bereich umtriebigen Firma Chimperator Live. „Ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Aber es stimmt, durch die hohe Akzeptanz, die HipHop gerade genießt, haben wir als Veranstalter natürlich das Glück, ein Segment zu bespielen, das aktuell sehr populär ist und entsprechend gut ankommt.“

Man erreiche dank der hohen Aufmerksamkeit das Publikum leichter als vor ein paar Jahren, als die Hip-Hop-Zeiten hierzulande einst grau und #allblackeverything waren wie heutzutage gerne die Mode des Zielpublikums, so Mettmann. Allerdings müsse man aufpassen, dass man nicht zu viel macht, relativiert der Event- und Booking-Manager, „und sich die Konzerte gegenseitig das Publikum nehmen.“

Mehr Konzerte - aber nicht pro Person

Weil Konzerte auf Dauer ins (Taschen-)Geld gehen und nebenher das Festival-Money-Glas ständig gefüttert werden will, sagt Arnulf Woock, der bei Musiccircus und Michael Russ die Promo macht: „Natürlich ist die Auswahl an Konzerten deutlich gestiegen, die Anzahl der besuchten Shows pro Person aber nicht unbedingt.“ Prinzipiell aber hätte auch seiner Meinung nach die Nachfrage und das Interesse zugenommen. Trotz Hype und Trend sei es definitiv kein einfaches Geschäft. Wie in allen anderen Genres, gibt es HipHop-Acts, die große Hallen füllen und solche, die in einem halbleeren Clubs auftreten. „Schon einige haben schmerzhaft festgestellt, dass HipHop-Konzerte nicht gleichbedeutend mit schnellem Geld sind.“

Auffällig ist, dass die Stuttgarter Bühnen momentan fest in deutschsprachiger Hand sind. „Generell hat sich das Interesse an deutschen Acts erhöht und die Szene in den letzten Jahren extrem viel Zuspruch erfahren, was sich natürlich auch im Konzertkalender widerspiegelt,“ so Woock. Und wo sind die Amis, die es einst erfunden haben? Mettmann zieht auf lokaler Ebene als Fazit: „Deutschsprachiger HipHop funktioniert traditionell in Stuttgart immer noch, beziehungsweise wieder. Mit Acts aus Amerika, und vor allem mit R'n'B, tut sich das Stuttgarter Livepublikum schwer.“

US-Künstler: zu teuer

Und selbst wenn der Künstler auf US-Boden längst ein Star ist, sagt das noch lange nichts über seine Zugkraft in Deutschland aus. Selbst eine Beyoncé ist vor einigen Jahren in einer eher luftig besuchten Schleyerhalle aufgetreten. Das Problem dabei: Der erfolgreiche US-Rapper will (meist) den gleichen Batzen Scheine wie in seinem Heimatland, weil er, logo, ja schon berühmt ist. „Nicht jeder hat Europa als Livemarkt im Visier. Teilweise liegen die Gagenvorstellungen tatsächlich weit über dem, was vernünftigerweise realisierbar ist,“ erklärt Woock. Anspruch und Realität eben.

Fazit: US-Künstler sind ein zu hohes Risiko für den Veranstalter. Und auch bei kleineren Acts aus dem eher undergroundigen US-Segment, Stichwort Backpacker-Rap, summieren sich schnell die Kosten. Der Flug und die Ausländersteuer, die Veranstalter abführen müssen, wenn sie ausländische Künstler buchen, sind da nur zwei Kostenpunkte von vielen.