Konzertfotografie Tipps für unvergessliche Aufnahmen

Von Julian Wenzel 

Wann ist man seinem Lieblingsmusiker näher als bei einem Konzert? Fotos von diesem Moment sind eine schöne Erinnerung an den Abend. Doch gute Konzertbilder sind nicht leicht zu machen, es sei denn man beachtet ein paar hilfreiche Tipps.

 Foto: Julian Wenzel 7 Bilder
Foto: Julian Wenzel

Auf Konzerten herrschen nicht nur eigene Regeln, was die Kameraeinstellung angeht, sondern auch spezielle Vorschriften, was erlaubt ist und was nicht. Bevor man also über Equipment oder Einstellungen nachdenken kann, muss erst einmal geklärt werden, was man darf.

Regeln der Konzertfotografie

Wer sich ein Ticket für ein Konzert gekauft hat und gerne auf gut Glück seine große Spiegelreflexkamera oder Spiegellose mitnehmen möchte, wird meistens an der Einlasskontrolle bitter enttäuscht. Die Kamera darf nicht mit rein. Ausschließlich akkreditierte Fotografen dürfen ihr gesamtes Equipment mitnehmen.

Solche Akkreditierungen lassen sich ein bis zwei Wochen vor dem Konzert beim Veranstalter beantragen. Bei manchen Konzerten sind den Besuchern sogar Kompakt- und Systemkameras verboten. Also lieber vorab informieren, was erlaubt ist und die Kamera im Zweifelsfall zu Hause lassen, anstatt sie abgeben zu müssen.

Darf die Kamera aber mit, gibt es noch zwei wichtige Regeln der Konzertfotografie: fotografiert werden dürfen meist nur die ersten drei Lieder und immer ohne Blitz! Also Aufsteckblitze direkt zu Hause lassen und interne Blitze vorab im Menü deaktivieren.

Das richtige Equipment

Auf Konzerten hat man es vor allem mit einem Problem zu tun: wenig Licht. Zwar werden oft große Lichtshows aufgefahren, die Künstler bleiben aber meist recht spärlich beleuchtet. Besonders auf kleinen Konzerten geht es gern sehr dunkel zu. Lichtstarke Objektive sind deswegen ein Muss.

Objektive mit einer Anfangsblende schlechter als f4 können direkt zu Hause bleiben. Empfehlenswert sind Objektive mit einer Blende von f2.8 oder besser. Die müssen nicht unbedingt teuer sein. Besonders lichtstarke Festbrennweiten (wie 50 mm) gibt es schon günstig zu kaufen. Steht man direkt vor der Bühne sind Brennweiten zwischen 24 und 70 mm praktisch, zum Beispiel das Sigma EX 24-70 2,8 DG HSM. Ist man etwas weiter weg, beispielsweise am Mischpult, empfehlen sich Teleobjektive (wie das Sigma EX 70-200 2,8 DG HSM).

Bei der Kamerawahl sollte vor allem auf einen rauscharmen Sensor geachtet werden. Vollformatkameras haben hier meist einen Vorteil, doch auch mit kleineren Sensorgrößen lassen sich inzwischen rauscharme Bilder erzielen. Empfehlenswert ist hier zum Beispiel die Canon EOS 7D Mark II auf Konzerten. Sie bietet zusätzlich den Vorteil eines schnellen Autofokus, der bei offener Blende hilft. Aber auch manuell fokussiert, lassen sich mit ein bisschen Übung gute Konzertfotos knipsen.

Die Sony Alpha 7 S II eignet sich auch perfekt für Konzertfotografie und ist durch ihren extrem rauscharmen Sensor mit einem ISO bis zu 409600² ein perfekter Allrounder für Low-Light Fotografie.

Die richtigen Einstellungen

Musiker bewegen sich frei auf der Bühne. Deswegen muss ihre Bewegung auf dem Bild eingefroren werden. Belichtungszeiten zwischen 1/125 Sekunde und 1/200 Sekunde reichen dafür meist aus und lassen dennoch genug Licht auf den Sensor fallen. Ein guter Tipp: die Kamera auf Blendenautomatik stellen (bei den meisten Kameras mit T, Tv oder S bezeichnet). So lässt sich die Belichtungszeit voreinstellen, Blende und ISO-Wert passen sich automatisch an.

Um zu viel Bildrauschen zu vermeiden, empfiehlt es sich falls möglich einen maximalen ISO-Wert in der Kamera einzustellen. Ist es auf dem Konzert wirklich dunkel und trotz offener Blende und hohem ISO-Wert reicht das Licht nicht für ein perfekt belichtetes Bild aus: die Kamera nicht wegstecken! Lieber ein unterbelichtetes Bild als gar keines aufnehmen.

Besonders bei Konzertbildern wirkt es oft besser, wenn die Bilder eine oder sogar zwei Blendenstufen unterbelichtet sind.

Das richtige Motiv

Der Sänger oder die Sängerin sind sicherlich das beliebteste Motiv - sie sind schließlich das Gesicht einer Band. Sie gilt es möglichst nah und emotional abzulichten. Andere Bandmitglieder, unruhige Hintergründe oder ein den Mund komplett verdeckendes Mikrofon können ein Bild stören. Hier können ein paar Schritte nach links oder rechts helfen.

Generell gilt auch: Mehr Bilder als nötig schießen - danach folgt die Auswahl für die Bilder mit den richtigen Emotionen. Hier hat die Konzertfotografie viele Parallelen zur Sportfotografie. Aber auch abseits der Frontmänner und -frauen gibt es gute Motive. Andere Bandmitglieder, Instrumente, weitwinklige Aufnahmen der Bühne und der Lichtshow oder Bilder des Publikums können starke Motive sein.

Aber eins steht immer fest: Übung macht den Meister - also nichts wie auf das nächste Konzert!