Stadtkind Stuttgart

InterviewKopfnicker Schowi über das Mutterstadt-VfB-Trikot „Wir wussten schon immer, was Stuttgart drauf hat“

Von Björn Springorum 

Die Mutterstadt hat ihr eigenes Trikot! Ehrensache, dass Massive-Töne-Mitbegründer Jean-Christoph „Schowi“ Ritter da seine Finger im Spiel hat. Das Stadtkind hat ihn befragt.

Neunziger im Herzen: Jean-Christoph Schowi Ritter in der 0711-Kollektion. Foto: Saeed Kakavand
Neunziger im Herzen: Jean-Christoph "Schowi" Ritter in der 0711-Kollektion. Foto: Saeed Kakavand

Stuttgart – Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben: 0711 haben ein Trikot für den VfB Stuttgart gestaltet! Große Kampagne, das volle Programm, in den sozialen Netzwerken noch mit der #wirsindstuttgarter-Aktion im Nineties-Stil begleitet und ganz allgemein die erste Kollaboration dieser Art in der Bundesliga. Hier steht mehr darüber.

Am Montag wurde die schnieke Kollektion mit allem Pipapo einer geladenen Schar im Cape Collins vorgestellt. Das Stadtkind war auch vor Ort und kann attestieren: Da war ganz schön was los. So viel lokale Hip-Hop- und Fuppes-Prominenz sieht man sonst wohl selten auf einem Haufen, irgendwie fühlte es sich an wie eine Mischung aus Hip-Hop-Open-Backstage und Firmenfeier im Amici. Brezeln gab‘s auch – passend zum Logo der Kollektion in Herzform!

Deutlich wurde: Das elegant schwarz in schwarz gehaltene Camouflage-Leibchen und die anderen Artikel sollen nicht einfach nur Fußball-Couture sein, sondern ein Stadttrikot. Von Stuttgartern für Stuttgarter – ganz gleich allerdings, ob die in Stuttgart leben oder nicht. Lebensgefühl am Körper, sozusagen. 0711, VfB, olé, olé. Einem, dem das Trikot besonders viel bedeutet, ist Jean-Christoph „Schowi“ Ritter. Der Massive-Töne-Mitbegründer wuchs zwischen dem Stuttgarter Westen, dem Schoß der Kolchose und dem Stadion auf (hieß damals halt noch Neckarstadion), ist Klinsi-Fan der ersten Stunde, hält Stuttgart, VfB und Brezel eisern die Treue – und kann seine Freude über die besondere Ehre dieser Kampagne irgendwie noch gar nicht richtig fassen.

Was war zuerst: 0711 oder 1893?

1893! Ich war sechs oder sieben, habe selbst angefangen, im Verein zu spielen und wurde von meinem Vater zu den großen Vorbildern ins Neckarstadion mitgenommen. 0711 war ich wahrscheinlich auch, damals aber noch unbewusst.

Wann wurde diese Stadtliebe zu etwas Bewusstem?

Ich mochte meine Stadt immer, merkte aber früh, dass sich Stuttgart von anderen Städten unterschied. Wenn wir als Massive Töne auf die frühen Hip-Hop-Jams in Deutschland fuhren, wurde uns schnell klar, dass Stuttgart nicht auf der Hip-Hop-Landkarte vertreten war. Die bessere Graffiti-Szene gab es im München, die großen US-Bands ließen Stuttgart fast immer aus. Das brachte uns dazu, offensiv mit diesem Thema umzugehen. Wir wussten schon immer, was Stuttgart drauf hat, und wollten es den anderen zeigen. Wir sind Stuttgarter! So ist auch die Kolchose entstanden.

Hat sich dein Verhältnis zum VfB geändert, seit du nicht mehr in Stuttgart wohnst?

Wenn, dann ist es nur noch enger geworden. Ich verfolge alles noch viel genauer, seit ich in Berlin lebe. Rein technisch gesehen, ist Berlin heute meine Basis, aus emotionaler Sicht aber klar Stuttgart. Das Bewusstsein, VfB-Fan zu sein, wird in der Fremde verstärkt, sozusagen.

Wie passt Hip-Hop mit Fußball zusammen?

Im Allgemeinen passt Hip-Hop sehr gut mit Sport zusammen. Hip-Hop hatte schon immer einen sehr kompetitiven Grundgedanken, wie man an den Rap-Battles sieht. Was Fußball angeht, so reicht eigentlich ein Ball und ein Platz, um mit ein paar Freunden loszukicken. Beim Hip-Hop ist das genauso: Du brauchst keine Stradivari und auch keinen Tennisplatz, jeder kann es spielen, Schicht, Alter und Herkunft spielen keine Rolle. Außerdem schweißt beides ungemein zusammen.

Nicht zuletzt spielt Mode im Hip-Hop auch eine Rolle.

Klar, und die hat sich immer auch stark am Sport orientiert. Anfangs schauten wir nach Amerika und ahmten nach, was die da so trugen, später wollten wir aber eben auch unsere Lebenswirklichkeit in unserer Mode abbilden. Da standen wir dann schon mal im VfB-Trikot auf der Bühne. In Hamburg.

Wann kam die Idee zum Trikot das erste Mal auf?

Wir hatten mit 0711 schon des Öfteren mit dem VfB zu tun. Vor einiger Zeit lkam der Verein mit der Idee auf uns zu, ob wir nicht mal ein gemeinsames T-Shirt entwickeln wollten. Wir spielten munter Ideen hin und her und waren schon bald bei einem Konzept, das weit über ein T-Shirt hinausging. Irgendwann wurde daraus die Idee „Wir sind Stuttgarter“ – und daraus schließlich die tollkühne Idee, ein Trikot für den VfB zu entwerfen.

Was bedeutet sie dir ganz persönlich?

Für mich, aber auch für viele andere aus unserem Team, ist das unsere manifestierte VfB/Brezel-Liebe! Ein Trikot für die Ewigkeit, das es in der Form noch nie gab: Das ist die Krönung für mich. Ich werde es einrahmen, an die Wand hängen und meine Wohnung damit zu meinem persönlichen Hard Rock Café machen!

In diesem Trikot sind die drei Punkte im Heimspiel gegen Dortmund dann sicherlich kein Problem, oder?

Ich wünsche mir, dass sie sich wacker schlagen und mit Leidenschaft spielen. Dafür steht unser Trikot: Für brennende Herzen, für Hingabe.

www.0711.net