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Koreanische Schule feiert in Degerloch Kim wie Müller
Cedric Rehman, 15.02.2012 12:00 Uhr
Schüler führen einen koreanischen Fächertanz auf. Foto: Cedric Rehman
Schüler führen einen koreanischen Fächertanz auf. Foto: Cedric Rehman

Degerloch - Die fettarmen Chips gehen reihum. Amelie Weikart nimmt eine Handvoll frittierter Kartoffelscheiben aus der Tüte ihrer Freundin Yoonah Petrov. Die Neunjährige hat Hunger oder auch nur Appetit. Vielleicht ist sie ein bisschen nervös vor ihrem Auftritt bei der Schulfeier der Koreanischen Schule in der Internationalen Schule in Degerloch. Sie trägt einen weiten roten Rock, der unter der Brust gebunden ist. Das ist die traditionelle koreanische Tracht, Hanbok genannt.

Degerloch - Die fettarmen Chips gehen reihum. Amelie Weikart nimmt eine Handvoll frittierter Kartoffelscheiben aus der Tüte ihrer Freundin Yoonah Petrov. Die Neunjährige hat Hunger oder auch nur Appetit. Vielleicht ist sie ein bisschen nervös vor ihrem Auftritt bei der Schulfeier der Koreanischen Schule in der Internationalen Schule in Degerloch. Sie trägt einen weiten roten Rock, der unter der Brust gebunden ist. Das ist die traditionelle koreanische Tracht, Hanbok genannt.

Fächertanz und Trommelspiel

Die beiden Mädchen kennen sich aus der Koreanischen Schule. Yoonah Petrov kommt aus Bad Cannstatt, Amelie Weikart aus Ludwigsburg. Jeden Samstag treffen sie sich in der Internationalen Schule Degerloch, wo die Südkoreaner Räume angemietet haben. Dann lernen sie gemeinsam mit 30 anderen Schülern nicht nur die koreanische Sprache, sondern erfahren auch mehr über den Fächertanz Butchechum oder das Trommelspiel Samulnori – Gebräuche der jahrtausendealten koreanischen Kultur. Doch was diese Kultur von der deutschen unterscheidet, kann Amelie Weikart nicht auf Anhieb sagen. „Die Sprache ist eben anders“, sagt sie und pickt sich noch ein paar Chips von der Hand.

Da ist noch ein bisschen mehr, sagt Ok-Kyu Wertel-Kim und verweist auf das konfuzianische Erbe Koreas. „Wir orientieren uns stark an Werten“, sagt die ehemalige Schulleiterin der Koreanischen Schule und bezieht sich auf die Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius. Sie haben in den ersten Jahrhunderten nach Christus auch das Geistesleben auf der koreanischen Halbinsel geprägt.

Wertel-Kim hat die dreißigjährige Geschichte der Koreanischen Schule in Stuttgart fast von Anfang an begleitet. Von 1997 bis 1999 war sie Leiterin der von einem Verein getragenen Kultur- und Sprachschule. Lange unterrichtete sie an der Bebelstraße südkoreanische Kinder sowie Kinder aus Mischehen mit Deutschen. Von Baracken spricht sie heute. Zur Jahrtausendwende erfolgte dann der Umzug nach Degerloch an die Internationale Schule. Der Wechsel in das neue, moderne Gebäude an der Sigmaringer Straße ging vielleicht nicht von ungefähr einher mit einem veränderten Blick der Deutschen auf die Südkoreaner. Niedriglohnarbeiter aus einem Armenhaus Asiens verwandelten sich in begehrte Fachkräfte für die Führungsetage.

Wandel in der Wahrnehmung

In den 60er-Jahren warb die Bundesrepublik zunächst südkoreanische Krankenschwestern und einige Bergleute an. So wollte die Bundesrepublik ihre Solidarität mit dem gleichfalls geteilten Land ausdrücken. „Ich war Gastarbeiterin“, sagt Wertel-Kim. Der Kalte Krieg ist zwar an der innerkoreanischen Grenze immer noch nicht vorbei. Dennoch hat sich im Süden der Halbinsel vieles geändert. Die Militärdiktatur trat ab, der wirtschaftliche Aufschwung kam.

Letztlich hat er dazu geführt, dass der zwölfjährige Choong-Nyeon Kim und sein drei Jahre älterer Bruder Dong nicht in Seoul aufwachsen, sondern in Sillenbuch. Der Ältere mit modischer Wuschelfrisur spielt mit seinem Smartphone, während er erzählt, wie das Leben in Deutschland so für ihn ist. Eines haben er und sein Bruder gelernt: ihren Namen zu buchstabieren. Und mit einer weiteren Sache mussten sich die Brüder Kim abfinden. Deutsche verbinden mit ihrem Nachnamen einen weiblichen Vornamen. Treffen sich die Kims mit anderen Koreanern, wird es für ihre deutschen Freunde noch komplizierter. Die heißen dann nicht selten auch Kim. „Das ist bei uns so wie in Deutschland Müller.“

Die in Südkorea gut ausgebildeten Eltern der Jugendlichen haben vor Jahren gut bezahlte Jobs in Deutschland gefunden. Die Kinder haben sie aus Seoul mitgenommen. Dong versucht zu erklären, was aus seiner Sicht die koreanische Kultur ausmacht. Auch er muss zunächst nachdenken. „Höflichkeit gerade gegenüber Älteren ist schon wichtig.“ Immer nur freundlich gehe es aber auch in Korea nicht zu. In der Schule zum Beispiel. „Alle Kinder machen eben Blödsinn“, sagt er und knufft seinen Bruder Choong in die Seite.

Gute Jobs

Auf der Bühne wird bei Fächertanz und Trommelspiel koreanisches Heimatgefühl mitten in Europa zelebriert. Genau wie später am Buffet, wenn scharf eingelegter Kohl und Seetangsalat zu Gimbab gereicht wird – eine Art koreanisches Sushi, das allerdings auf rohen Fisch verzichtet. Die zweite Generation, die einen deutschen Elternteil hat, tut sich ein bisschen schwer mit den scharf gewürzten Speisen. Der dreijährige Ben schüttelt den Kopf, als seine Mutter ihn mit einem Löffelchen scharfem Kohl füttern will. Sung Min Kim, sie ist Südkoreanerin, nimmt dies gelassen und schält eine Mandarine für Ben. „Hauptsache, er bekommt auch etwas von meiner Kultur mit.“ Es muss ja nicht unbedingt Kohl sein.

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