Korruption in Behörden
Tricks bei der Auftragsvergabe
Thomas Breining,
11.02.2011 17:22 Uhr
Korruption in Behörden ist im Südwesten keine Ausnahmeerscheinung, sagen die Wirtschaftsprüfer von PwC. Foto: dpa
Fatale Folgen für das Ansehen
Damit geht einher, dass die Befragten das eigene Risiko, Opfer krimineller Energie zu werden, deutlich geringer einstuften als für die Verwaltung insgesamt. "Aus Sicht der Befragten tragen alle anderen Behörden ein relativ hohes Kriminalitätsrisiko, nur die eigene nicht", sagt Heck.
Dabei sind die Folgen von kriminellen Handlungen fatal. Zum einen wegen der finanziellen Konsequenzen. Vor allem aber wegen des Ansehensverlustes, der sich einstellt, wenn dann doch Polizeiwagen vor dem Amt auffahren und Polizisten die Behörde zur Hausdurchsuchung entern.
Emnid hat darum auch Bürger gefragt, wie sie die Kriminalitätsbelastung der Verwaltung einschätzen. Hecks Fazit: "Die Menschen glauben, dass die Behörden nicht so aufgestellt sind, wie sie es sein sollten." Sie nehmen die Bedrohung freilich größer an, als sie wirklich sei. So glauben 53 Prozent der Menschen, dass Vermögensdelikte in einer Verwaltung häufig passieren. Demgegenüber sehen diese Gefahr nur 21 Prozent der Behörden und sogar nur acht Prozent fürs eigene Amt.
Was ließe sich dagegen tun? Der Städte- und Gemeindebund hat zahlreiche Empfehlungen ausgesprochen, wie Kriminalität in der Verwaltung durch Vorsorge und Kontrolle begegnet werden kann. Doch werden solche Maßnahmen der Studie zufolge im Südwesten kaum ergriffen. Nur in 64 Prozent der Ämter dort gibt es zum Beispiel verwaltungsinterne Richtlinien zur Korruptionsbekämpfung, im Bundesdurchschnitt sind das immerhin 80 Prozent. Dasselbe gilt für Richtlinien zur Annahme von Belohnungen und Geschenken.
Andere Bundesländer tun mehr zur Prävention
Nur in 27 Prozent der Behörden ist ein Korruptionsbeauftragter tätig (Bundesdurchschnitt: 56 Prozent). Nur 42 Prozent der Ämter haben korruptionsgefährdete Arbeitsgebiete definiert; nur 19 Prozent lassen auf solchen Positionen in regelmäßigen Abständen die Beschäftigten rotieren - eine naheliegende Maßnahme, da man weiß, dass einschlägig betroffene Mitarbeiter meist dem gehobenen Dienst angehören und etwa zwölf Jahre auf ihrem Posten gedient haben. Auch nur 56 Prozent der Behörden schicken ihre Leute auf Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zur Korruptionsprävention. Im Bundesdurchschnitt sind das immerhin 77 Prozent.
Rainer Heck stellt fest, dass "andere Bundesländer da schon viel mehr getan haben". Vor allem in Ostdeutschland werden Werte erzielt, die den Bundesdurchschnitt nach oben drücken. "Da findet ein großes Umdenken statt", sagt Heck. Oft gilt etwa die Nulleurorichtlinie für die Annahme von Geschenken. Vorbildliche Betriebsprüfer bringen sogar ihren eigenen Kaffee mit, wenn in einem Unternehmen eine Buchprüfung ansteht.
Seite
1
2
Weitere Artikel


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>


Korruption
Als ich noch im Angestelltenverhältniss gearbeitet habe(ist allesdings schon sehr lange her, da hat sich aber sicher nichts geändert) wurden bei uns im Bauwagen auch ausgefüllte Leistungsverzeichnisse von Mitbewerbern gefunden und zwar bevor die Submission(Angebotseröffnung) war!!!! Es betraf Landschaftsbauarbeiten.
Tricks bei der Auftragsvergabe
Sehr geehrter Herr Breining, Sie schreiben im Artikel, dass die Behörden das Problem nicht erkennen! Ich darf Ihnen versichern das tun sie sehr wohl, deswegen wird auch die Anordnung des OB durchgesetzt, - Annahme von Vorteilen - dass die 5 oder 10 Euro die ein !dankbarer! Bürger für die Kaffeekasse gibt, sofort an die Amtsleitung abgeführt werden muss! Also lieber Bürger kein Geld und kein Kaffee weil dem geht’s genauso! Anders sieht es aus, wenn ein Bürgermeister Beraterverträge oder sonstige Verträge mit Firmen haben, das gehört nicht zur Anzeigenpflicht, gelle Herr Föll!
Satte Parteispenden für die Reaktionären
Gut gesprochen, Tacheles. Und nun geht ein wahrer Geldsegen als Wahlkampfhilfe auf die Filzläuse nieder. Aber es wird nichts nützen. Die Bürger sind nicht dumm!