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Korruptionsskandal bei der Fifa Ein System des Gebens und Nehmens

Jens Weinreich, 02.05.2013 11:45 Uhr

München - Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes Fifa hat erneut eine spektakuläre Entscheidung im Sinne des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter getroffen. Der Münchener Richter Hans-Joachim Eckert erklärte als Chef der Ethikkammer den Fall ISL für abgeschlossen. Die Marketingfirma ISL hatte einst mit mindestens 142 Millionen Schweizer Franken höchste Repräsentanten des Weltsports bestochen, um an milliardenschwere Vermarktungsverträge zu gelangen. Maßnahmen gegen die Schmiergeldempfänger aus der Fifa ergriff Eckert nicht.

Das neunseitige Papier zum weltumspannenden ISL-Skandal, das der erfahrene Strafrichter Eckert nun vorlegte, verblüfft schon deshalb, weil nur drei von vier Fifa-Schmiergeldempfängern erwähnt werden: Der langjährige Präsident Joao Havelange, sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira (beide Brasilien) und Nicolás Leoz (Paraguay). Afrikas Fußballchef Issa Hayatou aus Kamerun aber, der auch Schmiergeld von der ISL erhielt, nennt Eckert nicht. Genau wie die Bestechungssummen. Havelange und Teixeira erhielten insgesamt 22 Millionen Franken, Leoz 1,1 Millionen Franken.

Da die Fifa erst seit 2004 über ein Ethikreglement verfüge und die ISL-Zahlungen an Fifa-Exekutivmitglieder nur bis zum Jahr 2000 dokumentiert sind, gebe es kaum Handlungsoptionen, argumentiert Eckert. Die Annahme von Schmiergeld sei nur „moralisch und ethisch verwerflich“.

Havelange hat am 18. April 2013 sein Amt als Fifa-Ehrenpräsident abgegeben, was die Fifa bis zum Erscheinen des Eckert-Berichts nicht kommunizierte. Leoz trat am 24. April als Exekutivmitglied und Präsident der südamerikanischen Konföderation Conmebol zurück. Teixeira war wegen der ISL-Korruption und anderer Affären 2012 zurückgetreten. „Es sind da keine weiteren Maßnahmen oder Empfehlungen erforderlich“, schreibt Eckert.

2008 für ein Schulprojekt gespendet?

Ob und in welcher Höhe die korrupten Vorständler etwa Fifa-Pensionen erhalten, erwähnt Eckert ebenfalls nicht. Neu ist nur die Behauptung, dass Leoz das ISL-Schmiergeld 2008 für ein Schulprojekt gespendet haben will – unmittelbar vor dem Strafprozess gegen ehemalige ISL-Manager. Kann man Leoz glauben? Eckert notiert, der Mann aus Paraguay sei in der Anhörung „nicht völlig ehrlich“ gewesen.

Blatter trug als Fifa-Generalsekretär (1981-1998) und seit 1998 als Präsident die Verantwortung für das System des Gebens und Nehmens im Weltverband. Gemäß Schweizer Staatsanwaltschaft, die lange zum ISL-System ermittelte, hatte die Fifa-Konzernleitung wegen „mangelnder Organisation des Unternehmens“ und „Unterlassung strikter Reglementierungen“ zur Schmiergeldpraxis beigetragen. Blatter hat in mindestens einem Fall von einer Millionenzahlung der ISL an Havelange gewusst.

Doch Eckert erteilte dem Fifa-Präsidenten, der ihn im Exekutivkomitee zu einem der beiden Chefs der Ethikkommission gemacht hat, quasi einen Persilschein: „Das Verhalten von Präsident Blatter mag ungeschickt gewesen sein, da sich intern ein Aufklärungsbedarf aufdrängte, zu einem strafrechtlichen oder ethischen Fehlverhalten führt dies nicht.“

Blatter ließ im Stile eines Duodezfürsten sofort verkünden: „Ich stelle mit Zufriedenheit fest, dass in diesem Bericht bestätigt wird, dass das Verhalten von Präsident Blatter unter keinerlei Fehlverhalten von Ethikregeln fallen konnte.“ Wohl gemerkt: weil es Blatter als Chef der Fifa-Administration zweieinhalb Jahrzehnte nicht für nötig gehalten hatte, derlei Ethikregeln einzuführen.