Kosmologie Universum ohne Gott
Rainer Klüting, 06.09.2010 06:55 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa


Einem Physiker stellt sich unvermeidlich die Frage, warum es ausgerechnet vier sind. Haben sie vielleicht Gemeinsamkeiten? Lassen sie sich auf eine allgemein gültige Überkraft zurückführen? Zum Teil konnten diese Fragen mit Ja beantwortet werden. Schwache, elektromagnetische und starke Kraft lassen sich in gemeinsamen Theoriegebäuden zusammenführen. Doch die vierte Kraft, die Schwerkraft (Gravitation), sperrt sich gegen die Vereinheitlichung. Die große, bis heute gültige Theorie der Schwerkraft ist Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie. Wenn es um den Kosmos geht, gilt sie unbestritten. Doch in der Quantenwelt des Kleinen und Kleinsten versagt sie.

Die Suche nach einer gemeinsamen Beschreibung der beiden Welten des Kosmos und des Atoms ist das große Thema der Physik, und diesem Problem gilt Hawkings "großer Entwurf". Dabei schlägt er sich im wissenschaftlichen Wettstreit der Theorien ganz auf eine Seite. Sein großer Entwurf ist die sogenannte M-Theorie, die nicht von ihm stammt, die er aber unterstützt. "Die M-Theorie ist die vereinheitlichte Theorie, die Einstein zu finden hoffte."

Die M-Theorie beschreibt er als ein Netz von Theorien


Die Beschreibung der M-Theorie liest sich zunächst gar nicht wie ein großer Entwurf. Hawking erklärt sich bereit zu akzeptieren, dass es für verschiedene Bereiche der Realität unterschiedliche physikalische Theorien gibt. Die M-Theorie, schreibt er, sei ein Netz von Theorien. Jede dieser Theorien beschreibe einen Ausschnitt der Realität. "Wo sich die Geltungsbereiche überschneiden, stimmen die verschiedenen Theorien des Netzes überein, daher können sie alle als Teil derselben Theorie angesehen werden."

Seit langem versuchen Physiker, die Schwerkraft dadurch in die Quantenwelt zu holen, dass sie sich die Elementarteilchen als Fäden denken, die unterschiedlich schwingen, wie Saiten (englisch: Strings). Die M-Theorie ist ein Versuch, die verschiedenen Ausprägungen dieser Stringtheorie unter einem Dach zu vereinen. Das ist mathematisch höchst komplex und macht unsere vierdimensionale Welt aus Raum und Zeit zu einem elfdimensionalen Irrgarten, in dem sieben Dimensionen in Gestalt verknäulter Saiten so eingefaltet sind, dass wir sie nicht wahrnehmen. Diese Dimensionenexplosion vermeidet seit einigen Jahren ein anderer Ansatz, die mathematisch kaum weniger anspruchsvolle Schleifenquantengravitation. Sie kommt bei Hawking nicht vor.

Hawking führt seine Leser Schritt für Schritt zu seiner Schlussfolgerung: Unser Universum ist nur eines in einer unfassbaren Vielzahl von Universen mit ganz unterschiedlichen physikalischen Rahmenbedingungen. All diese Universen entstanden spontan aus dem Nichts; der Antrieb dazu war die Schwerkraft. Dahinter einen Plan zu vermuten ist überflüssig.

Vor mehr als zwanzig Jahren, 1988, hoffte Hawking noch am Schluss des Buches "Eine kurze Geschichte der Zeit" auf eine Antwort auf die Frage, "warum es uns und das Universum gibt". Diese Antwort wäre, so schrieb er, "der endgültige Triumph der menschlichen Vernunft – denn dann würden wir Gottes Plan kennen". Heute braucht er Gott nicht mehr, wie Laplace. Die Welt hat eine Flut unvorstellbar unterschiedlicher Universen spontan geschaffen, kraft der Gesetze der Physik. Nur wenige dieser Universen erlauben die Existenz von Geschöpfen wie wir. "Daher selektiert unsere Anwesenheit aus dieser ungeheuren Zahl nur diejenigen Universen, die mit unserer Existenz vereinbar sind. Obwohl wir nach kosmischen Maßstäben nur winzig und unbedeutend sind, werden wir dadurch in gewissem Sinne zu den Herren der Schöpfung."
Kommentare (3)
Anzeigen
SEP
06
Smi, 20:19 Uhr

Kreationisten unter sich

Hawking behauptet nicht, alles sei Zufall und habe sich selbst erzeugt. Er sagt, die Physik und ihre Gesetze sind der Ursprung von allem, kein intelligentes Überwesen. Wo es letztendlich einen Anfangspunkt gibt, wird man nie erfahren, aber vielleicht ist auch schon die Idee eines Anfangs ein Irrweg, weil er Zeit (und damit Kausalität) voraussetzt. Für die Kreationisten hört dagegen mit Gott alles auf. Dabei hat uns ja gerade die Naturwissenschaft gelehrt, dass die Erde ein relativ unbedeutender Planet in einer X-Beliebigen Galaxie ist, von denen es noch Millionen andere geben könnte. Schon allein die Vorstellung, das sei jetzt der große Wurf eines bärtigen netten alten Mannes (ein Mensch, zu allem Größenwahn noch!) ist völlig absurd. Und wie steht es mit der so perfekten "Schöpfung", in der es doch jede Menge Fehler gibt. Wenn es tatsächlich ein göttliches Überwesen gäbe, hätte das doch schon längst mal auf den Tisch gehauen und klar gemacht, ob man denn nur Schweine essen darf oder nicht. Im meiner jahrelange Tätigkeit als Programmierer habe ich zumindest die Überzeugung gewonnen, dass der Glaube an ein höheres Wesen genauso dümmlich wie absurd ist. Genausogut kann man an das fliegende Spaghettimonster glauben, und ich würde sogar behaupten, dass das noch die sinnvollere Variante wäre, denn dabei ist jedem klar, dass man es nicht ernst meint. Die Art von Gehirnwäsche aber, die an den Schulen im Religionsunterricht stattfindet, hat nur eines zum Ziel: Machterhaltung und die Erzeugung eines Druckmittels, das keiner weiteren Begründung mehr benötigt (wie Sie, Herr Seifert, ja selbst berichten: "... und lass die anderen dumm!"). Ich finde es unendlich viel nobler und sinnvoller, sich aus dem religiösen Gedankenverbot zu lösen, und die Realität nüchtern zu betrachten. Und man wird feststellen: Brennende Büsche - Fehlanzeige. Sich teilende Meere - Fehlanzeige. Sonst irgendein Phänomen, das ohne einen Gott nicht erklärbar wäre - Fehlanzeige. Statt dessen ein jahrhunderte alte Bücher, in denen nachweislich Müll steht (oder kennen Sie einen irgendeinen Programmierer, der erfolgreich mit Pi = 3 rechnet) und Schwachköpfe wie Althaus, die den Blödsinn auch noch wörtlich nehmen. Die Welt wäre besser, wenn es mehr Denker wie Hawking geben würde, und wenn diese Leute vor allem an den Schalthebeln der Macht säßen.

SEP
06
Cassius, 14:11 Uhr

Hawkings Fehler

Um mal eine Parabel zu verwenden: Hawking sieht ein kompliziertes, ausstaffiertes großes Haus, in dem viele verschiedenste spezialisierte, anspruchsvolle Techniken und Lösungen eingearbeitet sind. Es scheint nahezu perfekt zu sein. Er studiert es, macht sich Skizzen und versucht, die Pläne nachzuarbeiten. Aber dann stellt er sich hin und behauptet, das alles war reiner Zufall und das Haus habe sich von selbst dorthin gestellt.

SEP
06
Robert Seifert, 12:11 Uhr

Gott Hawking und das Universum !

Hallo Leser, Im meinem Alter von ca´7 Jahren hatte unser Lehrer uns Kinder in der Religionsstunde von Gott und seinen Engeln, die im Himmel auf den Wolken sitzen erzählt. Der selbe Lehrer erzählte uns in der Naturlehrenstunde (Physik gab es 1942 in den Volksschulen nicht) von der unendlichen Weite und Leere des Universum. Auf meine Frage: Herr Lehrer wo ist denn da Gott? Antwortete der Lehrer: du mit deinem vorlauten Mund sei still und setz dich hin! Das genügte mir aber nicht. Im Treppenhaus während der Pause traf ich den Lehrer wieder, und stellte dieselbe Frage.Die Antwort war dann:Wenn du es schon weisst, dann halt den Mund und lass die Anderen dumm! In meiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Programmierer habe ich die Überzeugung gewonnen , das es doch ein Schöpfer , also Gott gibt. Und dieser Gott hat meiner Überzeugung nach keinen Fehler bei seinem Wirken gemacht.Alles ist perfekt, vom Aufbau eines Baumblattes bis zu Menschen , wobei die Evolution seine größte Schöpfung war. Auch wenn wir Menschen das nicht immer erkennen können, muß es doch Sinn machen, wenn in jeder unserer Körperzellen, ( von den jeder Mensch Milliarden Zellen hat) ein kompletter Bauplan eines neuen Menschen liegt. Robert Paul