Kostenanalyse Neubaustrecke Rentabilität wird angezweifelt
Thomas Wüpper, Thomas Braun, 03.09.2010 07:15 Uhr
 Foto: dpa
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""Die geringste weitere Kostensteigerung macht die ICE-Strecke unwirtschaftlich""
Anton Hofreiter, Verkehrspolitischer Sprecher Grüne

Stuttgart - Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart-Ulm steht offenbar wegen drohender Unwirtschaftlichkeit auf der Kippe. Grund sind die hohen Mehrkosten von fast einer Milliarde Euro für die ICE-Strecke Wendlingen-Ulm. Das Ende der geplanten Schnellbahntrasse könnte auch das Aus für das Projekt Stuttgart 21 bedeuten. Projektsprecher Wolfgang Drexler geht allerdings weiter von einer Wirtschaftlichkeit der Strecke aus.

Noch am Donnerstag hatten sich Bahn-Chef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer klar zu Stuttgart 21 bekannt. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der ICE-Trasse Wendlingen- Ulm, ohne die der Bau einer unterirdischen Durchgangsstation anstelle des derzeitigen Stuttgarter Kopfbahnhofs keinen Sinn ergeben würde. Beide Projekte sind eng miteinander verknüpft.

Streng geheimes Dokument


Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, will nun aus Bahnkreisen erfahren haben, dass sich der Bau der Schnellbahntrasse nicht rechnet. Das Dokument, auf das sich Hofreiter dabei bezieht, ist streng geheim und trägt den sperrigen Titel "Neubewertung der Nutzen-Kosten-Analyse der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm". Hofreiter hat, wie er gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte, über einen "absolut vertrauenswürdigen" Mittelsmann die wesentlichen Inhalte des Papiers erfahren.

Demnach kommt die Analyse, die Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestellt hat, zu dem Schluss, dass die 60 Kilometer lange ICE-Strecke, deren Kosten aktuell auf 2,9 Milliarden Euro veranschlagt werden, "nur noch eine Wirtschaftlichkeit von 1,0xx ausweist", so Hofreiter. Die Stellen hinter dem Komma seien noch offen, so der Bundestagsabgeordnete, aber nicht entscheidend: "Ein Wert von 1,0 besagt, dass der behauptete Nutzen der Strecke schon vor Baubeginn von den veranschlagten Kosten aufgefressen wird."

Kommentare (60)
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SEP
08
Thomas Hirche, Stuttgart, 21:35 Uhr

Rentabilität & '21

Das ist schon wieder der Profitdenk-Hammer. Eine Eisenbahn hat in erster Linie Volk, was sich keinen Karren leisten kann, noch will, billig von A nach B zu transportieren, und durch dementsprechend ((e) billige) Angebote daraufhin zu wirken, daß Verkehr von der Straße auf Schiene (& Wasser) gezogen wird, mit dem natürlich wichtigsten (Hinter)Grund, uns so saubere Umwelt zu "liefern". Werden die jetzigen Fahrpreise gefünftelt (bei gleichbleibendem Lohn, sonst sinnlos), kann der Effekt zur Hälfte bewerkstelligt werden. Die andere, knappe Hälfte bewirkt ein konsequenter Ausbaus des Regional- und Nahverkehrs in der (oberirdischen!) Fläche, in dichten Taktzeiten und selbstverständlich auch in Tagesrandlagen. Der Rest schließt die 100%: Rapide Preissenkung der Kiosklebensmittel auf ein Drittel bis Viertel der Jetztpreise. Das ist effizient und lockt Leute zum Bahnhof und in den Zug. Güterverkehr: Achsen auf Flüsterachsen umrüsten, schon ist kein "Dauerbrett vorm Kopf" (Hauptstrecke Ulm-München-Rosenheim!!) mehr nötig. Schöne Landschaften aber, (heute leider schon unter die Nase gerieben, andernfalls verschlingen Handy & Laptop den Fahrgenuss durch Landschaftseindrücke total) vielleicht als Steigerung ab und an spektakuläre Strecken(-führungen) (Schwarzwaldbahn! Ostbahn von Deggendorf bis Nýrsko (Kbs.905: Plattling- Bayer. Eisenstein-Klatovy (Klattau) (-Prag)), Geislinger Steige (215°-Kurve um die Stadt!)), sind immer schon ein "Bahn-Bonus", erholsam vom Seelenstreß und Fluchtpunkte bietend. Bahnhöfe mit Streckenpersonal wieder besetzen, als Redundante der schier schon unbeherrschbaren Innovationstechnik (ICE!). Das zieht. Und unser Bahnhof kann dieweil, mit Glasdach über den Bahnsteigen aufgehellt, an Image ungeheuerlich gewinnen. GANZ natürlich. Sonst Image wie jetzt dahin, aber durch die Aufmerksamkeit und das wahrscheinlich schon weltweite (!) Aufhorchen in Medien und Volk (Internet!) kann, durch vorsichtigen Baustopp und Rück-Rückbau noch mit relativ wenige Schrammen auf der Haut das Image wieder zurückgeholt werden. Nix Schöneres, um SO an den internationalen Verkehr angebunden zu bleiben und noch mehr zu werden. P.s. ICE und TGV nehmen schon heute Gleisvorfelder und Geislinger Steigen nicht krumm. Denkt mal! Salem!

SEP
04
Jakutzi, 13:30 Uhr

Bahnstrecken in anderen Bundeslaendern kaum wirtschaftlicher

Selbst wenn das, was Herr Herrmann fleissig herausposaunt stimmt, ist die Frage erlaubt, ob denn die Bahnvorhaben in den anderen Bundeslaendern, die doch teilweise doppelt so teurer wurden als geplant, sich volkswirtschaftlich noch rechnen. Erhebliche Zweifel sind angebracht. Allerdings muss man feststellen, dass es dort auch keine gruene Landespartei gibt, die fortlaufende gegen die Interessen des eigenen Bundeslandes opponiert. Der Vollstaendigkeit halber sei noch hinzugefuegt, dass die Albquerung auch Teil der von den Gruenen in den Himmel gehobenen Alternativ-Loesung K21 ist. Darf man hier von einer offensichtlichen Widerspruechlichkeit in der Gruenen-Argumentation reden?

SEP
04
Stuttgarter Bürger, 10:12 Uhr

Selbstverständlichkeiten

@Matthias Entschuldigung, Herr Matthias, aber Ihre Forderung ist absolut daneben. Die DB hat die Aufgabe, ihre Bahnhöfe und ihr Streckennetz in Schuss zu halten und weiterzuentwickeln. Bei neuen Großplanungen müssen ihre Fachleute selbstverständlichj die Entwicklung der Kosten und die technische Machbarkeit bedenken und für den Fall wesentlicher Kostenüberschreitung oder technischer Schwierigkeiten natürlich auch Alternativen bedenken. Dafür werden diese Fachleute hochbezahlt. Das sind eigentlich absolute Selbstverständlichkeiten. Ihre Forderungen an die Gegner von S21sind völlig abwegig. Das hieße ja, im Falle der Nichtverwirklichung wären die Gegner verpflichtet, einen sofort umsetzbaren Alternativplan zu liefern. Die Gegner von Asse zum Beispiel müssten ein ausgewiesenes Konzept zu Atomendlagerung präsentieren. Das ist doch völlig absurd. Allerdings sind die Gegner von S21 in diesem Fall weit über den reinen Protest hinausgegangen und haben (ohne Steuergelder!) einen Gegenentwurf K21 konzipiert. Dem vorzuwerfen, dass er die eine oder andere Schwachstelle hat, ist ziemlich billig. Die Planer einer neuen Bahnverkehrsstruktur im Raum Stuttgart sind selbstverständlich für ihren Entwurf voll verantwortlich. Wenn der aus finanziellen oder technischen Gründen unumsetzbar ist, haben sie gefälligst hierfür die Verantwortung zu übernehmen - nicht die bösen Demonstranten.

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