""Die geringste weitere Kostensteigerung macht die ICE-Strecke unwirtschaftlich""
Anton Hofreiter, Verkehrspolitischer Sprecher Grüne
Stuttgart - Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart-Ulm steht offenbar wegen drohender Unwirtschaftlichkeit auf der Kippe. Grund sind die hohen Mehrkosten von fast einer Milliarde Euro für die ICE-Strecke Wendlingen-Ulm. Das Ende der geplanten Schnellbahntrasse könnte auch das Aus für das Projekt Stuttgart 21 bedeuten. Projektsprecher Wolfgang Drexler geht allerdings weiter von einer Wirtschaftlichkeit der Strecke aus.
Noch am Donnerstag hatten sich Bahn-Chef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer klar zu Stuttgart 21 bekannt. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der ICE-Trasse Wendlingen- Ulm, ohne die der Bau einer unterirdischen Durchgangsstation anstelle des derzeitigen Stuttgarter Kopfbahnhofs keinen Sinn ergeben würde. Beide Projekte sind eng miteinander verknüpft.
Streng geheimes Dokument
Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, will nun aus Bahnkreisen erfahren haben, dass sich der Bau der Schnellbahntrasse nicht rechnet. Das Dokument, auf das sich Hofreiter dabei bezieht, ist streng geheim und trägt den sperrigen Titel "Neubewertung der Nutzen-Kosten-Analyse der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm". Hofreiter hat, wie er gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte, über einen "absolut vertrauenswürdigen" Mittelsmann die wesentlichen Inhalte des Papiers erfahren.
Demnach kommt die Analyse, die Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestellt hat, zu dem Schluss, dass die 60 Kilometer lange ICE-Strecke, deren Kosten aktuell auf 2,9 Milliarden Euro veranschlagt werden, "nur noch eine Wirtschaftlichkeit von 1,0xx ausweist", so Hofreiter. Die Stellen hinter dem Komma seien noch offen, so der Bundestagsabgeordnete, aber nicht entscheidend: "Ein Wert von 1,0 besagt, dass der behauptete Nutzen der Strecke schon vor Baubeginn von den veranschlagten Kosten aufgefressen wird."