Kräutergarten in Hohenstadt Aha-Effekte sind an der Tagesordnung

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Wenn’s draußen grünt und blüht, blüht auch die Seele auf. Bis es so weit ist, ist aber Arbeit angesagt: auch im Kräutergarten in Hohenstadt.

Evi Kletti (links) führt einer Besucherin ihren essbaren Lavendel vor. Foto: Michael Steinert
Evi Kletti (links) führt einer Besucherin ihren essbaren Lavendel vor. Foto: Michael Steinert

Hohenstadt - Es ist die pure ländliche Idylle: Einige Brennholzstapel sind aufgeschichtet, linker Hand meckern ein paar Ziegen, dazwischen steht ein vollgepackter Heuwagen. Bienen und Hummeln laben sich an bunten Blüten. Die Sonne lacht, ein leichter Wind bläst – so lässt sich es aushalten beim Kräuterfest in Hohenstadt. Einmal im Jahr, setzt Evi Kletti auf den großen Bahnhof. Der Gasthof Sonne serviert hausgemachte Flädle, mit Schafgarbe, Gundermann und kleinem Wiesenknopf. Es gibt Hamburger mit einem Gierschblatt garniert, allerlei andere verfeinerte Gerichte, Kuchen, Getränke – und Informationen obendrein.

Ansonsten ist der Kräutergarten der diplomierten Agraringenieurin und staatlich zertifizierten Kräuterpädagogin eine Oase der Einsamkeit und der Ruhe – nicht einmal die nahe Autobahn ist zu hören. Seit 2011 treibt Evi Kletti das kleine Anwesen am Ortseingang aus Richtung Wiesensteig um. Davor hatte die „Kräuterfrau von Hohenstadt“ den Hausgarten im überschaubaren Stil für ihre Zwecke genutzt. Mittlerweile kann sie mit mehr als 50 Heilpflanzen, zwei Dutzend Gewürzpflanzen und etlichen Wildkräutern aufwarten.

Ihr Ehemann Ernst Schweizer hat das Stückle und die dazugehörige Scheune auf Vordermann gebracht. Der Werkzeugmacher hat renoviert und umgebaut und alles für die Zwecke seiner Frau zusammengebastelt, inklusive eines Trockenschranks, der die Kraft der Sonne nutzt und diese in Warmluft umwandelt. Evi Kletti kann in ihrem Garten autark arbeiten. Sie stellt Salze, Tees und Gewürze her. Vor allem aber verdient sie ihren Lebensunterhalt mit Kräuterführungen – durch den Garten und in der freien Natur – sowie mit Vorträgen. Denn zu erzählen hat die Expertin eine Menge.

Sie weiß, was wofür und was wogegen gut ist. Sie klärt die Besucher auf, was in den Speiseplan integriert werden kann, wie man die jeweiligen Pflanzen erkennt und von ungenießbaren oder giftigen unterscheidet. So lasse sich etwa Petersilie durch Giersch prima ersetzen, wilder Buchweizen tauge als Spinat, Brennnesseln nicht nur für eine Suppe und, und, und, sprudelt es nur so aus ihr heraus. „Da sind die Aha-Effekte bei vielen Leuten an der Tagesordnung, wenn sie feststellen, dass das, was sie in ihrem Garten als Unkraut jäten, durchaus einen Nutzen hat“, betont Evi Kletti.

Ihr Kräutergarten sei deshalb auch nicht überall das, was man als akkurat bezeichne. „Wildkräuter lasse ich zwischendrin wachsen, anderes kultiviere ich“, sagt sie. Unter anderem setzt die Frau, die aus Heidelberg stammt und in Stuttgart-Hohenheim studiert hat, auf alte Pflanzen, die sie aus Samen gezogen hat: Alant, Mädesüß und vieles mehr. „Da erfährt man dann, wo viele Dinge, die heute im täglichen Gebrauch sind, wie etwa das Aspirin, herkommen und was an welchen Stellen wächst.“

Evi Kletti hält kurz inne. „Ich habe meine Diplomarbeit auf Bali geschrieben. Inzwischen weiß ich allerdings, dass Entwicklungshilfe, wenn es um Kräuter geht, gerade bei uns notwendig ist.“