Krankenhaus Plochingen Hospital auf der Intensivstation

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Dem Plochinger Krankenhaus droht die Schließung. Doch eine Allianz aus Bürgern, Ärzten, Pflegern und Politikern wehrt sich.

Protest gegen die Schließungspläne: der Demozug am 10. März zur Klinik. Foto: Horst Rudel
Protest gegen die Schließungspläne: der Demozug am 10. März zur Klinik. Foto: Horst Rudel

Plochingen - Die Zahlen treten am 25. November ins Leben von Margarete Fauser. Schockstarr hört sich die Krankenschwester, die ihren wirklichen

Namen nicht in der Zeitung lesen will, die Rechnung des Klinik-Geschäftsführers Franz Winkler an. Zwar hat die Chirurgie in Plochingen zweistellige Zuwachsraten, die Innere ebenso. Doch am Ende steht die Zahl von jährlich sechs Millionen Euro. Soviel Minus mache der Verbund der Kliniken in Nürtingen, Kirchheim und Plochingen, die dem Kreis Esslingen gehören. Ein Gutachten der Bayreuther Firma Economedic empfiehlt, den kleinsten Standort Plochingen zu schließen.

Die Krankenhauslandschaft dünnt immer weiter aus. Oft trifft es die schönsten und meist die kleinsten Standorte: Hechingen im Zollernalbkreis steht vor dem Aus, Schramberg im Kreis Rottweil ist schon geschlossen, Gaildorf im Kreis Schwäbisch Hall wird abgewickelt, Backnang und Waiblingen im Rems-Murr-Kreis müssen nach heftigem Streit der neuen Klinik in Winnenden Platz machen, Böblingen und Sindelfingen sollen fusionieren. Es gibt Dutzende solcher Beispiele im Land. Der chronisch unterfinanzierten Infrastruktur Krankenhaus geht die Luft aus.

Der Klinkerbau in Plochingen wurde 1991 am Nordhang des Neckartals errichtet. Es ist der dritte Standort der 150 Jahre alten Institution. An klaren Tagen sieht man von der Terrasse aus bis zum Hohenzollern. Das Krankenhaus, der Neckarhafen, der Bahnhof - darauf sind die Plochinger stolz. Kaum eine andere Einrichtung in einer Stadt emotionalisiert die Menschen so sehr wie eine Klinik. Im Krankenhaus sind sie zur Welt gekommen, dort haben sie ihre Eltern in den letzten Lebenstagen begleitet, dort sind sie vielleicht selbst dem Tod von der Schippe gesprungen.

Winkler stellt seine „Zukunftsstrategie“ vor

Die öffentliche Diskussion beginnt am 16. Februar. Zu diesem Zeitpunkt informiert Klinikchef Winkler die Presse von seinen Schließungsplänen. Das unschöne Wort „Schließung“ wird dabei tunlichst vermieden, man redet von „Zukunftsstrategie“. In dem 30-seitigen Papier ist ein bezeichnender Satz zu lesen: „Im Zentrum steht außerdem das Wohl das Patienten.“ Außerdem – ein Wort, das aufhorchen lässt. Im Kampf um die Krankenhausmillionen wird der Patient offenbar zur Nebensache.

Franz Winkler gilt in Personalfragen nicht gerade als zimperlich. Auch fachlich ist er umstritten: Im Jahr 2009 investiert der Landkreis 51 Millionen Euro in das ebenfalls kreiseigene Paracelsus-Krankenhaus in Ostfildern-Ruit. Die teure Ruiter Privatstation mit 40 Betten steht weitgehend leer und trägt den Spitznamen „Geisterstation“. 2010 stellt sich heraus, dass der Hubschrauberlandeplatz vergessen wurde. Für drei Millionen wird nachgerüstet, obwohl man den Landeplatz inzwischen gar nicht mehr braucht. Ebenfalls 2010 drängt Winkler einen Arzt aus dem Vertrag, der einen Linksherzkathetermessplatz anbietet, um dann selbst einen Messplatz einzurichten. Winkler wird kritisiert, weil er die Verhandlungen am Kreistag vorbei geführt hatte. Vergangenes Jahr engagiert Winkler einen bedeutenden Kieferchirurgen, der allerdings in der Ruiter Klinik nicht operieren darf, weil Winkler gar keinen Versorgungsauftrag vorweisen kann. Der Aufsichtsrat sieht tatenlos zu. Winkler rechtfertigt sich mit Gesetzesänderungen und anderen äußeren Umständen, die niemand habe voraussehen können.