Kreis Ludwigsburg Der Tod des Buches ist ein Gerücht

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In Zeiten eines breiten Angebots an E-Books, Filmen und Hörbüchern könnte man meinen, Bibliotheken voller Bücher seien überflüssig geworden. Doch sie werden stärker genutzt denn je. Ingrid Veigel Schendzielorz erklärt, warum.

Bücher sind nach wie vor heiß begehrt – sowohl herkömmlich auf Papier, als  auch in elektronischer Form. Foto: factum/Archiv
Bücher sind nach wie vor heiß begehrt – sowohl herkömmlich auf Papier, als auch in elektronischer Form. Foto: factum/Archiv
Kreis Ludwigsburg – Aktuelle Medien, eine schöne Atmosphäre und gutes Personal: das sind laut der Bibliotheken-Expertin Ingrid Veigel-Schendzielorz die Zutaten für eine gut funktionierende Bibliothek.
Frau Veigel-Schendzielorz, in den vergangenen Jahren war immer wieder die Rede vom Tod des Buches. Zu Recht?
Nein, davon kann man definitiv nicht sprechen. Das belegen im Übrigen die Zahlen vom Buchhandel und von den Buchmessen. Aber auch in den Bibliotheken geht es nicht bergab, im Gegenteil: Wir verzeichnen seit Jahren einen Aufwärtstrend bei der Nutzung. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Bibliotheken heute im Vergleich zur Zeit vor zehn bis 20 Jahren viel besser ausgestattet sind.
Aber das Internet macht den Bibliotheken doch sicher Konkurrenz – nicht nur durch die E-Books, sondern auch in Sachen Musik, Videos oder Hörbücher.
Erstaunlicherweise nicht. Es ist nämlich nicht so, dass Menschen, die sich im Internet Filme herunterladen oder E-Books kaufen, keine Bibliotheken nutzen. Vielmehr nutzen medienaffine Menschen die Angebote parallel, je nach Bedarf. Hinzu kommt, dass die Bibliotheken ja mit der Zeit gehen: Auch hier kann man online ausleihen und sich dann Bücher, Hörbücher oder Videos herunterladen. Allerdings schwächt auch diese Nutzungsmöglichkeit nicht die Präsenz vor Ort: Die Zahl der Besucher in Bibliotheken steigt trotz der Internetangebote.
Welche Medien sind in den Bibliotheken inzwischen am meisten gefragt?
Den größten Anteil haben immer noch die Bücher. Aber auch bei Hörbüchern erleben wir seit fünf bis zehn Jahren eine absolute Renaissance. Inzwischen gibt es ja kaum noch einen Bestseller, der nicht auch als Hörbuch veröffentlicht wird. Auch Filme spielen nach wie vor eine große Rolle. Vor allem Kinderfilme sind gefragt: Die Eltern schätzen es, wenn sie gezielt etwas für ihre Kinder auswählen können, anstatt sie vor die Dauerberieselung des Fernsehens setzen zu müssen.
Was braucht eine Bibliothek heute, um zu funktionieren?
Wichtig ist, dass aktuelle Medien vorhanden sind, und zwar das ganze Spektrum von Büchern über Filme bis hin zur Musik. Auch zeitgemäße technische Ausstattungen wie W-Lan oder stationäre PCs sind sinnvoll für Leute, die zu Hause keinen Internetzugang haben. Außerdem muss die Aufenthaltsqualität stimmen: Man muss in schöner Atmosphäre bequem sitzen und am besten auch noch einen Kaffee trinken können. Und natürlich ist gut ausgebildetes kompetentes Personal und guter Service unabdingbar. Zudem sind möglichst lange Öffnungszeiten empfehlenswert. Davon kann eine ganze Kommune profitieren. Inzwischen werden Bibliotheken nämlich als Frequenzbringer geplant, die die Innenstädte beleben sollen. Außerdem steigert die Existenz einer Bücherei die Wohnqualität in einer Kommune: Vor allem für junge Familien wird sie damit attraktiver.
Ihre Bibliothekenstatistik zeigt, dass die Leute in Möckmühl (Kreis Heilbronn) im Vergleich zum Rest des Regierungsbezirks durchschnittlich am meisten Medien im Jahr ausleihen. Woran liegt das?
Das hat sicher mehrere Gründe. Zum einen wurde die Bibliothek in Möckmühl erst vor etwa zehn Jahren eröffnet – und es wurde von Anfang an eigentlich alles richtig gemacht. Es gab ein gutes Konzept, und die finanzielle Ausstattung ist so gut, dass das Angebot stets aktuell und sehr breit ist. Da gehen die Leute gern hin. Zudem hat man von Beginn an den Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche gelegt, weil Möckmühl ein großes Schulzentrum hat. Hinzu kommt, dass die Bibliothek aktiv Kooperationen mit Kindergärten und Schulen eingegangen ist und die Jüngeren so schnell an sich binden konnte.
Im Kreis Ludwigsburg hingegen gibt es das größte Medienangebot pro Einwohner im gesamten Regierungsbezirk. Warum?
Das ist historisch gewachsen. Die Kommunen im Kreis Ludwigsburg sind strukturell sehr gut entwickelt, vor allem im Vergleich zu Gemeinden im ländlichen Raum. Zudem wurden hier die Förderprogramme des Landes, die es vor allem in den 70er Jahren gab, sehr gut abgerufen. Dabei sind sehr viele Bibliotheken entstanden, die heute noch existieren.
Wie hat sich denn die Finanzierung der Bibliotheken im Lauf der vergangenen Jahre entwickelt?
Seit Jahren wird kontinuierlich immer mehr in den Medienbestand investiert. Auch insgesamt sind die Ausgaben für Bibliotheken stetig gestiegen, und das liegt keineswegs nur an den steigenden Personalkosten. Außerdem wurde auch in die Gebäude viel investiert. Man muss allerdings bedenken, dass es den Kommunen derzeit recht gut geht. Es ist schön, dass das auch den Bibliotheken zugute kommt.