Kreis unterstützt Behinderten-Jobs
"Leonberger Kreiszeitung", 27.09.2011 02:46 Uhr
Böblingen/Leonberg Neun schwer gehandicapte Menschen sind auf den Arbeitsmarkt vermittelt worden. Von Günter Scheinpflug

Hans M. (Name geändert) ist wegen einer Hirnschädigung von Geburt an geistig behindert. Zudem ist der 24-Jährige in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, weil er durch einen genetischen Defekt Missbildungen an den Beinen und Händen hat. Seinen Schulabschluss absolvierte er an einer Schule für geistig behinderte Menschen. Durch weitere Fördermaßnahmen wurde er ihm Rahmen eines Modellprojekts des Landkreises Böblingen voll in den ersten Arbeitsmarkt integriert.

Auch bei acht anderen behinderten Menschen ist die Vermittlung in ein Unternehmen der freien Wirtschaft oder in eine Beschäftigungsfirma geglückt. Das bisher vier Jahre dauernde Modellprojekt geht nun in eine Regelförderung über. Der Kreissozialausschuss hat dafür gestern sein einstimmiges Votum abgegeben.

Nachdem Hans M. im Werkstattbereich einer Einrichtung für behinderte Menschen in Leonberg ausgebildet worden war, hatte er ein Jahr später am Leonberger Projekt "Arbeiten vor Ort" teilgenommen. Von Februar 2007 an erhielt er eine einfache Beschäftigung in einem Baumarkt, wo er bis heute die Regale füllt und andere einfache Tätigkeiten verrichtet. Am 1. Mai 2009 erhielt er dort einen regulären Arbeitsvertrag für eine Vollzeitstelle. "Dem Arbeitgeber wurde die Einstellung erleichtert, weil der Landkreis einen ergänzenden Lohnkostenzuschuss bezahlt", sagt der Sozialdezernent im Landratsamt, Alfred Schmid.

Einen Zuschuss von 40 Prozent auf die Lohnkosten gewährt bereits das Integrationsamt des Kommunalverbands für Jugend und Soziales, weil Hans M. laut einem Arbeitsgutachten um mindestens 40 Prozent weniger Leistung als ein nicht behinderter Arbeitnehmer bringt. Das Landratsamt stockt diesen Lohnzuschuss um 30 Prozent auf und fördert den Arbeitsplatz des 24-Jährigen seit Frühjahr 2009 mit einer monatlichen Zugabe von 478 Euro.

"Mit dieser finanziellen Unterstützung ist es möglich, Hans M. in dem Unternehmen einen Ansprechpartner zu bieten, der ihm bei der Arbeit hilft und ihn kontrolliert", sagt Schmid. "In den meisten Fällen geben wir rund 500 Euro monatlich für einen Arbeitsplatz dazu", sagt Susanne Lechler vom Kreissozialamt. Zurzeit werden fünf Arbeitsplätze von wesentlich Behinderten mitfinanziert. Weitere Anträge beim Kreissozialamt laufen. "Zu dieser Kategorie gehört, wer nicht am normalen Leben teilnehmen kann. Rollstuhlfahrer und Schwerbehinderte fallen oft nicht darunter", erläutert Lechler. Oft liege eine mehrfache Behinderung oder ein zusätzliche Erkrankung vor, die sich im Lauf der Zeit verstärken könne. Einige der Vermittelten seien deshalb wieder ausgestiegen und in eine Werkstatt für Behinderte zurückgekehrt. Der Kreis zahlt momentan für rund 1800 wesentlich behinderte Menschen Sozialhilfe.

Susanne Lechler will den zusätzlichen Lohnkostenzuschuss noch bekannter machen, um mehr Firmen und Unternehmen als Arbeitgeber zu gewinnen. "Die meisten sind aber in den Werkstätten für Behinderte besser aufgehoben und wollen gar nicht in eine Firma", stellt Sozialdezernent Schmid fest. Für die Veränderungswilligen jedoch müsse man, wenn Integration keine Floskel bleiben solle, eine Alternative anbieten. So wie für Hans M., "der gut im Mitarbeiterteam der Firma integriert ist", bilanziert der Sozialdezernent. Für den 24-Jährigen sei die Beschäftigung im Baumarkt ein persönlicher Erfolg, der das Selbstwertgefühl enorm steigere.

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