Krimikolumne

Krimiautor William McIlvanney gestorben Schottlands harte Seiten

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Der schottische Bestsellerautor Ian Rankin hat stets zugegeben, dass William McIlvanney, der nun im Alter von 79 Jahren gestorben ist, sein Lehrmeister war. Hierzulande harren McIlvanneys Krimiklassiker um den Glasgower Polizisten Laidlaw noch der Entdeckung.

Ian Rankin und alle anderen schottischen Krimiautoren haben von ihm gelernt: William McIlvanney. Foto: McIlvanney
Ian Rankin und alle anderen schottischen Krimiautoren haben von ihm gelernt: William McIlvanney. Foto: McIlvanney

Stuttgart - Wo das schöne Edinburgh seine weniger schönen Seiten hat, wie legales und illegales Geld sich durch die Stadtpolitik wühlen, wie schottischer Nationalismus und Anhänglichkeit an die großbritannische Gemeinschaft aufeinander prallen, das wissen auch viele Deutsche, die nie selbst vor Ort waren. Sie kennen das alles aus den international erfolgreichen Kriminalromanen des Schotten Ian Rankin. Rankins Karreire hat etliche junge Autoren inspiriert, Krimis zu schreiben, aber Rankin war keinesfalls der Erfinder dessen, was heute Tartan noir, des ruppigen, in Clinch mit der Wirklichkeit gehenden schottischen Krimis. Dieser Roman geht an den hierzulande viel zu unbekannten William McIlvanney, der am Samstag im Alter von 79 Jahren gestorben ist.

Vom Lehrer zum Krimiklassiker

McIlvanney war kein reiner Genreschreiber, er schrieb auch Gedichte, war bis 1975 als Lehrer tätig, hat journalistisch gearbeitet und auch mal viele Jahre am Stück keinen Bücher veröffentlicht, wenn er glaubte, nichts Neues treffend genug sagen zu können. Auf dem überschwemmten Krimimarkt kann man so nicht sichtbar blieben. Aber jeder, der sich ein wenig intensiver mit Kriminalliteratur beschäftigt, wird irgendwann auf den Insider-Tipp stoßen, dass McIlvanney mit seiner Trilogie um den Glasgower Bullen Jack Laidlaw einen der großen Klassiker geschaffen habe.

Edinburgh ist keine kosige Stadt, aber Glasgow ist härter, ärmer, proletarischer. William McIlvanney gehört zu jenen schottischen Autoren, die sich nicht als Begutachter der armen Leute im Auftrag der gebildeten Kreise verstanden, sondern als Chronisten einer Unterschicht, deren Leben eine Anklage der feineren Kreise und gepflegten Lebenslügen war.

Die härteren Milieus

Schon bevor er sich dem Krimi zuwandte, hatte McIlvanney von Leuten erzählt, deren Leben eher von brutalen Attacken der Stärkeren als von der schützenden Einfriedung der Gesetz bestimmt wurden, in „Docherty“von Bergarbeitern, in „The Big Man“, das später von David Leland mit Liam Neeson in der Hauptrolle verfilmt wurde, von einem Boxer außerhalb des Blicks der Sportschau-Kameras.

Auch in den Laidlaw-Romanen, die erst seit diesem Herbst komplett auf Deutsch vorliegen („Laidlaw“, „Die Suche nach Tony Veitch“, „Fremde Treue“, alle im Verlag Antje Kunstmann), geht es um Gemeinschaften, nicht um Einzelgestalten, um einen Blick in die Runde, nicht um das Starren auf ein Einzelverbrechen.

Höhere Gewichtsklassen

Es sei ihm, hat er vor zwei Jahren in einem Gespräch mit einem Journalisten der Tageszeitung „The Scotsman“ gesagt, so vorgekommen, als boxten Detektivromane immer nur in der Fliegengewichtsklasse. „Dabei könnten sie mindestens als Mittelgewichtler antreten. Man könnte ihnen mehr abverlangen. Und das habe ich dann versucht.“ Und wer sich an die Bücher wagt, der auch von Ian Rankin stets als Übervater des Tartan noir gewürdigt wurde, der wird merken: William McIlvanney konnte den Krimi hart zuschlagen und elegant durch den Ring tanzen lassen.