Kritik an ARD und ZDF Ein wenig Köpenick in der Ukraine

ARD und ZDF haben einen Beitrag gezeigt, in dem ein russischer Offizier ukrainische Polizisten auf die neuen Machthaber einschwört. Der vermeintliche Oberstleutnant scheint gar kein Offizier zu sein. Das ZDF hat sich bereits entschuldigt.

Russland-Sympathisanten fotografieren ukrainische Soldaten. Foto: EPA
Russland-Sympathisanten fotografieren ukrainische Soldaten.Foto: EPA

Stuttgart - Der grün gekleidete Mann ist am Montag Abend in zahlreiche deutsche Wohnzimmer geflimmert. Sowohl die ARD als auch das ZDF strahlten in ihren Nachrichtensendungen einen Beitrag aus, in dem ein russischer Oberstleutnant einer Gruppe von ukrainischen Polizisten erklärt, wer künftig Herr im Hause sei. „Wenn es noch Zweifel gab, ob russische Militärs hier aktiv sind, dann sind die jetzt ausgeräumt“ hieß es dazu von ZDF-Korrespondent Armin Coerper. Bei der Tagesschau kommentierte Golineh Atai zurückhaltender: „Dass ein Offizier sich so filmen lässt ist eher ungewöhnlich“.

Wie wahr. „Wir haben uns zu korrigieren und zu entschuldigen“ erklärte Tags darauf Claus Kleber im „heute journal“. Die Szene habe zwar genau so stattgefunden, der Mann sei aber kein Offizier gewesen, sondern „ein russischer Hauptmann von Köpenick“. Allerdings ein so überzeugender, dass es gelungen sei Polizisten wie Berichterstatter gleichermaßen zu narren.

Propagandalügen auf allen Seiten

In einem Konflikt, in dem sich keine der beiden Seiten mit Propagandalügen zurückhält ist das ein gefundenes Fressen. Das Video sei entstanden, damit die „Junta in Kiew“ es den EU- und Nato-Partnern als Beweis dafür präsentieren kann, dass Russland in der Ukraine interveniere“, schreibt die russische Agentur Ria Novosti. Es stamme von einem Maidan-Aktivisten.

Beim ZDF in Mainz ist die russische Darstellung bekannt . „Wir halten das für unglaubwürdig“ sagt Thomas Heinrich, der stellvertretende Redaktionsleiter des „heute journal“. Was genau die Geschichte hinter den Aufnahmen sei, werde im Augenblick an mehreren Orten recherchiert. Bekannt sei zweierlei: der Mann mit der grünen Tarnuniform sei ein in der Gegend bekannter Kleinkrimineller, der auch schon als Bestattungsunternehmer in Erscheinung getreten sei. Die Bilder seien dem ZDF von Reuters und der ukrainischen Agentur „unian“ angeboten worden. Die gelte „als zuverlässigste unter den zahlreichen lokalen Anbietern“. Der Korrespondent habe entschieden, dass man dem Material trauen könne.

Skepsis bei der Kommentierung

Geprüft wird auch bei der ARD. Die eigene Skepsis sei durch den eingeblendeten Schriftzug „Internetvideo“ und die zurückhaltende Kommentierung zum Ausdruck gekommen, sagt Thomas Hinrichs, der zweite Chefredakteur ARD-Aktuell. Bisher haben der Sender jedoch keinen Beleg dafür, dass die Bilder ein Fake waren.

Falsche – oder angeblich falsche – Bilder führen immer wieder zu Diskussionen. Der ARD wurde unlängst vorgeworfen, Bilder aus Homs mit denen aus Afghanistan vertauscht zu haben. „Im Nachhinein hat sich unsere Darstellung bewahrheitet“, sagt Hinrich. Dagegen lagen im März 2008 fast die gesamten deutschen Medien falsch. Die Bilder von Übergriffen durch Polizei und Soldaten auf Tibeter wurden dahingehend kommentiert, dass chinesische Sicherheitskräfte prügelten. Die Aufnahmen stammten aber aus Nepal. Das war keine bewusste Manipulation sondern ein Versehen der Fotoagenturen.