Kritik an Kultusminister Stoch Irritationen um umstrittenen Bildungsplan

Von ral 

Demnächst soll der neue Bildungsplan in Kraft treten. Gegner des Werks argwöhnen, Kultusminister Stoch wolle den Plan noch vor der Wahl möglichst „lautlos“ abzeichnen. Das weist das Kultusministerium entschieden zurück.

Vom kommenden Schuljahr an lernen Schüler in Baden-Württemberg nach dem neuen Bildungsplan. Foto: dpa
Vom kommenden Schuljahr an lernen Schüler in Baden-Württemberg nach dem neuen Bildungsplan.Foto: dpa

Stuttgart - Der Verein „Zukunft, Verantwortung, Lernen“ verbreitet derzeit „Informationen“, nach denen der Kultusminister Andreas Stoch (SPD) den umstrittenen Bildungsplan am 12. März, einen Tag vor der Wahl unterzeichnen und damit in Kraft setzen werde. Möglichst „lautlos“, wie der Verein argwöhnt.

Die Vereinsvertreter vermissen eine erneute Landtagsdebatte. Es sei „völlig offen“, ob nach der Anhörungsphase überhaupt Änderungen eingearbeitet worden seien. Nur vereinzelt seien überarbeitete Dokumente im Netz veröffentlicht worden. Der Verein vermutet, das Thema sei „so heiß, dass man es aus dem Wahlkampf heraushalten möchte.“

Die Mitteilung wird von Interessengruppen wie dem Arbeitskreis Schule und Bildung, der für das dreigliedrige Schulsystem eintritt, und von Einzelpersonen verbreitet.

Im Kultusministerium winkt man ab. Formal handle es sich bei einem Bildungsplan schlicht um eine Verordnung. Zuständig sei das Ministerium, nicht der Landtag. An Beteiligung habe es nicht gefehlt, erklärt eine Sprecherin von Stoch. Im Gegenteil, es sei „sehr breit“ beteiligt worden. Auch im Landtag wurde mehrfach debattiert.

„Meist identische Schreiben“

Zwei Jahre wurde der Plan erprobt. Die Entwürfe sind im Internet einsehbar. In der Anhörungsphase vom 14. September bis 30.Oktober 2015 gingen laut Ministerium 2621 Stellungnahmen ein. Mit der umstrittenen Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Vielfalt“ beschäftigten sich der Sprecherin zufolge 400 Anmerkungen. In der Mehrzahl der „meist identischen Schreiben“ werde dabei die Verankerung der Teilaspekte „geschlechtliche Identität“ und „sexuelle Orientierung“ kritisiert.

Das Landesinstitut für Schulentwicklung hat die Rückmeldungen eingearbeitet. Jetzt erfolge im Ministerium die Schlussprüfung. Dann gebe der Minister den Plan zur Veröffentlichung frei. Das werde „in Kürze passieren“. Einen Tag vor der Wahl, an einem Samstag, aber eher nicht. Dass der Plan quasi heimlich eingeführt werden solle, weist die Sprecherin deutlich zurück. Am 6. April ist ein Kongress zur Einführung des Bildungsplans terminiert.

Der Verein „Zukunft, Verantwortung, Lernen“ steht auch auf der Rednerliste der „Demo für alle“, bei der am Sonntag in Stuttgart die Teilnehmer wieder gegen „Gender-Ideologie“ und „Frühsexualisierung“ auf die Straße gehen werden.

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7 KommentareKommentar schreiben

Diese umstrittenen Leitperspektiven: sind übrigens nicht auf der Miste von KM Stoch gewachsen; Stoch kam nur die unerquickliche Aufgabe zu, sie abzumildern und in einen größeren Kontext zu stellen, wobei er auch auf zahlreiche von besorgten Skeptikern vorgetragene Verbesserungsvorschläge zurückgriff. Ich meine, er hat sich in dieser Angelegenheit sehr überlegt und sachlich verhalten, wie ihm auch sonst keine ernstlichen Pannen vorzuwerfen sind. (Hätte nie gedacht, dass ich einmal vor einem Minister, dessen politischen Kurs ich nicht teilen kann, den Hut ziehe. Gleichzeitig frage ich mich, weshalb so viele Befürworter der Gemeinschaftsschule darin ein Verdienst der Grünen und nicht der SPD sehen, die dieses grün-rote Lieblingsprojekt, mit Stoch an der Spitze, ja schließlich umsetzte.

Ich finde diesen Bildungsplan super!: Denn ich möchte, dass meine Kinder ein eigenständiges Wesen bekommen und vorurteilsfrei durchs Leben gehen.

Dann sollten Sie SPD wählen: Denn dieser Bildungsplan ist das Verdienst des SPD-geführten Kultusministeriums.

Beteiligung: Nun, ja es hat eine Beteiligung gegeben, allerdings beschleicht mich das Gefühl, die eingebrachten Beiträge sind direkt in die Ablage P gewandert, wie sonst ist es zu erklären, das im Internet Herr Stoch im Vorwort zum islamischem Religionsunterricht erklärt, damit ist ein stück intergrationsarbeit geleistet worden und wenn man nachschaut wie das Bildungsziel in KLasse 7 aussieht steht da, das die Schüler ihre Vorurteile gegenüber dem Christentum und Judentum begründen können sollen. Hier wird nicht davon gesprochen, dass sich kritisch damit auseinandergesetzt wird, oder sie diese abbauen sollen... Wenn selbst solche offensichtlichen Fehler im Internet nicht korrigiert wurden, dann fragt man sich schon welche Version will Stoch kurzfristig vor der Wahl in Kraft setzen?

Bildungsplan: Falls der Bildungsplan eine Verordnung darstellte, die unsere Kinder prägen soll, ohne das das Elternhaus noch Mitspracherecht hätte, weiß ich nicht um welche Kultur es dem Herrn Minister geht. Immerhin gibt es Unterschriften noch und nöcher und zwar von denjenigen, die selbst Kinder bekommen können und im Kern die Gesellschaft erhalten. Ergebnisoffen ist hier nur wohin das führt. Hier wird über die Elterninteressen hinwegentschieden, naja eben rotgrün.

Oh, Sie kennen mein Interesse? : Was verstehen Sie unter Mitspracherecht? Niemand hindert Sie Ihre Meinung kundzutun. Im Gegenteil: kein Bildungsplan ist bislang derart breit diskutiert worden, wie der geplante. Oder wurden Sie in der (CDU-regierten) Vergangenheit vom Ministerium immer persönlich um Ihre Meinung gebeten? Und noch eins, wenn Sie von Elterninteressen sprechen, dann bitte nicht in dieser generalisierenden Weise, denn damit setzen Sie sich über meine Elterninteressen hinweg. Denn ich habe auch Kinder und ich finde, dass was Minister Stoch plant, ist gut und längst überfällig in einer freiheitlich-demokratische Gesellschaft, in der die Würde jedes Menschen unantastbar ist, "schwul" aber immer noch als Schimpfwort Nr. 1 auf den Schulhöfen gebräuchlich ist.

Elterninteressen: Herr Bach, mit Ihrer "genderalisierten Sichtweise" sollten Sie weitsichtiger agieren. Sie haben Recht, wenn Ihnen das Schimpfwort nicht gefällt.Jetzt kommt ach der Moment der Begriffsverzerrung von Toleranz, (das würde hier völlig ausreichen) und Akzeptanz. Ihnen sollte auch niemand vorschreiben können, über Ihre mit der Schule gemeinsame Erziehungsgewalt hinwegzugehen und Sie per Gesetz dazu verpflichten das auch noch zu akzeptieren.

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