Kritik von Bonatz-Enkel Stuttgarter Bahnhofshalle wird zum Hotel

Von Martin Haar 

Schalke-Aufsichtsrats-Chef Tönnies baut mit seiner Gruppe eine Herberge mit vier Sternen in der jetzigen Bahnhofshalle. Der Enkel des Bahnhoferbauers, Peter Dübbers, kritisiert dafür die Stadt Stuttgart.

Die Fassade bleibt erhalten, dahinter entsteht das Hotel. Foto: Visualisierung: Ingenhoven/Deutsche Bahn
Die Fassade bleibt erhalten, dahinter entsteht das Hotel. Foto: Visualisierung: Ingenhoven/Deutsche Bahn

Stuttgart - Die „me and all Hotels GmbH“, bei der unter anderen Schalke-04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit 33 Prozent Teilhaber ist, baut im Bereich zwischen großer und kleiner Schalterhalle im Hauptbahnhof ein Vier-Sterne-Hotel mit 153 Zimmern. „Das Hotel entsteht in einem Glas­kubus, damit die historische Bausubstanz erhalten bleibt“, erklärt Hotel-PR-Chefin Catherine Bouchon, „darunter kommt eine Einkaufs-Mall.“ Der Hotelneubau wird das bisherige Intercity-Hotel nicht ersetzen, sondern im Bahnhof ergänzen.

Im Zuge des Bahnprojektes Stuttgart 21 wird der unter Denkmalschutz stehende ­Bonatz-Bau mit einem neuen Tragwerk versehen. Das Innere des Empfangsgebäudes wird komplett neu gestaltet. Nur das Äußere des Bahnhofsgebäudes soll erhalten bleiben. Die oberen drei Gebäudeebenen beherbergen künftig das Hotel. Architekt ist, wie für das gesamte Projekt Tiefbahnhof von Stuttgart 21, die Ingenhoven Architects GmbH.

Unter das Hotel kommt eine Einkaufs-Mall

Die Fertigstellung ist für das Jahr 2021 geplant. Wann Baubeginn sein soll, konnte die Sprecherin der Hotel-Gruppe nicht sagen. Neben dem klassischen Reise-Publikum will die Linder-Hotel-Gruppe vor allem Geschäftsreisende beherbergen. Daher wird mit einem großem Konferenzbereich, zehn kleineren Konferenzräumen und weiteren Co-Working-Bereichen geplant. Abends sollen im Hotel After-Work-Partys, Lesungen und Wohnzimmerkonzerte stattfinden. „Wir wollen natürlich auch Bürger der Stadt ins Hotel einladen und mit unserem Lokale-Größen-Konzept DJs und Künstler in das Hotel einbinden. Dafür ist dieser Standort im Herzen der Landeshauptstadt ideal“, sagt Andreas Krökel, Vorstand der Lindner Hotels AG. Nach den Worten von Horst Mutsch von der DB Station und Service AG ist das Hotel eine „optimale Nutzung für den historischen Bonatzbau“.

Das sieht der Stuttgarter Architekt Peter Dübbers, Enkel des Bahnhofserbauers Paul Bonatz, ganz anders. Er befürchtet, dass der durch den Abriss der beiden Seitenflügel ohnehin schon stark beeinträchtigte Denkmalcharakter des Hauptbahnhofs weiter beschädigt wird und äußert sein Unverständnis darüber, dass „alle drei staatlichen Ebenen des Denkmalschutzes bei Stadt, Regierungspräsidium und Wirtschaftsministerium“ dem Umbau zugestimmt haben. Zwar solle die Fassade mit den Säulen und Sprossenfenstern zum Arnulf-Klett-Platz hin im Großen und Ganzen unangetastet bleiben, dahinter werde aber der Glaskubus für den Hotelneubau errichtet. „Wer durch die Fenster in den Bahnhof schaut, guckt in den Himmel“, sagt Dübbers, „das ist wie ein Potemkinsches Dorf.“ Auch wenn die Spange mit dem Hotel zurückgesetzt sei, werde dies beim Blick auf den Bahnhof erkennbar sein.

Zehn Fakten zum Projekt Stuttgart 21 sehen Sie in unserem Video:

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plattmachen,: Bäume pflanzen, Minigolfplatz anlegen - alles besser wie der hässliche Kasten

"Baudenkmal von herausragender Bedeutung" "plattmachen": Und Stiftskirche, Altes und Neues Schloß, Solitude, Schloß Ludwigsburg, Markthalle, Fernsehturm, Ulmer Münster, Esslinger Altstadt, Hohenzollern und Brandenburger Tor, um nur einiges zu nennen, gleich mit dazu?

Bahnhof: Das Gelände wurde der damaligen Reichsbahn für einen Bahnhof überlassen. Bezahlt aus Steuergeldern. Wenn das Gebäude nicht mehr als Bahnhof gebraucht wird sollte der Bahnhof der Stadtgesellschaft zurückgegeben werden. Und nicht die Bahn darüber bestimmen. Die DB Station uns Service soll sich um ihre eigentliche Aufgabe kümmern: Funktionstüchtige Bahnhöfe und Haltestellen für alle Fahrgäste erhalten. Beispiel Wendlingen: Seit Jahren!! funktioniert die Zuganzeige am Gleis 12 nur tageweise. Und bei starkem Regen ist die Unterführung, gebaut zur S-Bahn-Erweiterung nach Kirchheim, ein See. Barrierefreier Zugang zu den Gleisen 2 und 3 ist dann nicht mehr möglich. Grundsätzlich müssen Fahrgäste, deren Mobilität eingeschränkt ist, einen Umweg von 300 m in Kauf nehmen um vom Gleis 1/12 zum Gleis 2/3 zu kommen. Weil es nur einen Aufzug am Gleis 2/3 gibt. Schutz vor Regen? Unter der Römerbrücke. Und einem Mini-Dach pro Bahnsteig. Fahrkartenautomaten ohne Dach und bei bestimmten Sonnenstand Bildschirme nicht lesbar. Und wer zahlt dafür Haltegebühren? Richtig, das Land aus meinen Steuergeldern damit die Bahntochter über 200 Millionen EUR pro Jahr an die Mutter überweisen kann? Moderne Zuganzeiger in Bahnhöfen ausserhalb der S-Bahn? Fehlanzeige, es läuft nur die Uhrzeit durch und ab und an werden Verspätungen angezeigt. Zuganzeiger in grösseren Bahnhöfen wie Cannstatt oder Esslingen auf beiden Zugängen zu den Bahnsteigen: Fehlanzeige - wer auf der "falschen" Treppe hochgeht braucht ein Fernglas.

Nicht verstanden: Ich glaube viele haben das Prinzip nicht verstanden - zugegebenermaßen ist die Überschrift auch äußerst missverständlich gewählt worden (hat es der Autor überhaupt verstanden?). Die eigentliche Bahnhofshalle wird mitnichten zu einem Hotel umgebaut, der neue Hotelbau befindet sich in den oberen Stockwerken des Bereichs der heutigen "Fressmeile" (McDonalds, Burger King, etc.). Von außen (und in der Bahnhofshalle auch von innen) wird der Bahnhof daher auch in Zukunft ganz der alte sein. Die Schnappatmung kann also wieder eingestellt werden ;)

Vielen Dank: Ein Plänle hätte Redakteur Haar in der Tat auftreiben können. Dann hätte er sich seinen Kommentar dafür evtl. sparen können.

Adieu Bahnhofshalle: Der Bahnhof als Denkmal? Die Seitenflügel weg, die Halle dann keine Halle mehr und als Bahnhof ohne Funktion. Selbst das stadtgestalterische Element als "Nabel zu Welt" ist obsolet. Was bleibt ist eine Säulenreihe für ein Hotel. Die Frage für die Stadtplanung muss sein: Hätte ein solches Bauvorhaben (Hotel mit Säulenfront) heutzutage eine Chance auf Genehmigung? Wie sehr behindert so ein Bau die Tieferlegung der Schillerstraße? Meine Einschätzung: So ein Plan würde mit Pauken und Trompeten durchfallen. Was uns fehlt, ist der Mut, Gebäude, die überholt sind durch etwas Neues und Besseres zu ersetzen. Wenn der Zweck, für den in die Natur eingegriffen wurde, wegfällt, muss das Gebäude auch wieder entfernt werden. Bonatzbahnhof und Gleisvorfeld haben den Stuttgartern eine Menge Schloßgarten genommen; der Verlust an Naherholung darf für einen kommerziellen Zweck nicht einfach beibehalten werden.

Gute Besserung !: Dem ehrwürdigen Bahnhof die Gleise zu nehmen und die [Seiten-]Flügel - noch bei lebendigem Leibe - ab zu reissen, reicht der S21-Immobilien-Mafia bei weitem nicht. Jetzt sollen dem denkmalgeschützten Gebäude auch noch sämtliche "Eingeweide" heraus gerissen werden. "Zwar solle die Fassade mit den Säulen und Sprossenfenstern zum Arnulf-Klett-Platz hin im Großen und Ganzen unangetastet bleiben, dahinter werde aber der Glaskubus für den Hotelneubau errichtet. „Wer durch die Fenster in den Bahnhof schaut, guckt in den Himmel“, sagt Dübbers, „das ist wie ein Potemkinsches Dorf. . ." Obwohl bereits seit 1781 in England abgeschafft, verhängt die S21-Planungskommission jetzt die Hinrichtungsart für Hochverrat oder Falschmünzerei für den Bonatz-Bau: Hängen, Ausweiden und Vierteilen (engl. hanged, drawn and quartered). Das offenbart eine weitere schändliche Lüge der S21-"Schlichter" und -Planer: "Der Bonatz-Bau bleibt erhalten, lediglich die nicht mehr benötigten Seitenflügen werden abgerissen." Strafrechtlich gesehen, wäre das Betrug - zumindest gegenüber der Bevölkerung, die über S21 abstimmen durfte. Falsche Termine, falsche Preise, falsche Gleise, alles Lüge - gute Besserung! - Da hilft aber leider auch kein Ratio . . .

Blödsinn: Hören Sie doch bitte auf zu schwätzen. Sie haben nicht begriffen was da alles gemacht wird. Seitenflügel waren leerstehende Nutzlosbauten. Paar Säcke Post wurden dort gelagert. Es hat für Fussgänger alles versperrt. Bahnhofsturm ist immernoch nicht umgekippt, obwohl Hetzer wie Sie das vorausgesagt haben usw usw Ich will nicht alles durchkauen. Aber erkennen Sie bitte an, dass viele Menschen Ihnen argumentativ überlegen sind. Glauben Sie mir, Sie schreiben Schund.

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