Fellbach Jetzt ist klar, wann der nächste Turm fertig wird

Von Dirk Herrmann 

Der neue, 13 Meter hohe und 912 000 Euro teure Turm an der Ecke Eisenbahnstraße/Fellbacher Straße soll maximal 76 Fahrräder aufnehmen können. Bei einer Monatsmiete von fünf Euro liegen die Einnahmen bei maximal 4500 Euro jährlich.

Baubürgeremeisterin Beatrice Soltys ist sich sicher, dass der Fahrrad-Turm ein Markenzeichen für den Bahnhof Fellbach werden wird. Foto: Reinraum GmbH
Baubürgeremeisterin Beatrice Soltys ist sich sicher, dass der Fahrrad-Turm ein Markenzeichen für den Bahnhof Fellbach werden wird. Foto: Reinraum GmbH

Fellbach - Das Tempo bei der Weiterentwicklung des „Bahnhofs der Zukunft“ in Fellbach wird von manchen Beobachtern als etwas schleppend eingestuft. Aber es geht durchaus voran – so beim bereits im Juli vom Gemeinderat beschlossenen automatischen Fahrrad-Parkhaus. Jetzt hat Baubürgermeisterin Beatrice Soltys im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium aus den Händen des Ministerialdirektors Hubert Wicker einen symbolischen Scheck entgegengenommen. Die Summe, um die es geht, steht dort ausgeschrieben: „Vierhunderteinundvierzigtausendeinhundertsechsundsiebzig.“ In Ziffern liest sich’s leichter: 441 176 Euro.

Die Kosten für das innovative Projekt liegen bei 912 000 Euro

Bei knapp einer halben Million Euro also liegt der Förderbescheid, finanziert aus Mitteln des Landes und aus dem europäischen Strukturfonds im Rahmen des Projekts „Regionale Mobilitätspunkte“. Damit wäre das neue Fellbacher Radhaus fast zur Hälfte finanziert. Denn die Kosten für dieses „innovative Fahrradparkhaus“ (Soltys) an der Ecke Eisenbahnstraße/Fellbacher Straße liegen bei 912 000 Euro.

Realisiert werden soll ein „schlanker Fahrradturm“, der auf einer Grundfläche von fünf auf fünf Metern rund 13 Meter in die Höhe ragt. Direkt neben dem Bahnhof können so maximal 76 Drahtesel untergestellt werden. Der Zugang erfolgt über vier Paternoster-Aufzüge, die Öffnung über einen Kartenleser an den Zugangstoren. Das garantiere die sichere Verwahrung der Räder, verspricht die Bauverwaltung. „Die Räder werden dorthin transportiert, wo gerade frei ist“, erläuterte die Baubürgermeisterin im Sommer im Gemeinderat

Die Fassade kann von innen beleuchtet werden – dadurch werde sich das Parkhaus zu einem Markenzeichen für den Bahnhofsvorplatz entwickeln. „So wird der Auftakt zum Bahnhofsbereich auch bei Nacht attraktiv gestaltet“, erklärt Hans Peter Künkele, Fachreferent im Fellbacher Stadtplanungsamt. Der Sockelbereich des Rad-Turms wird mit einer robusten Stahlfassade verkleidet – und sei damit „gut vor Vandalismus geschützt“.

Anders als in einer früheren Planung vorgesehen muss mit dieser Variante nicht in die Böschung am Bahnhof gegraben werden. Damit entfallen langwierige Verhandlungen mit der Bahn als Eigentümer. außerdem sind keine Bodenangleichungen nötig, um das Gefälle abzufangen. „Das hätte alles überproportionale Kosten verursacht, stattdessen sparen wir nun Kosten und können zügig planen“, zeigt sich Beatrice Soltys erfreut

Im Notfall kann man hochklettern und den Aufzug von Hand runterkurbeln

Zum Zuge entlang der Bahngleise kommt das von der Firma Klausner aus Luzern in der Schweiz entwickelte Modell. Klausner habe sich bisher einen Namen in der Steuerung von Industrieanlagen gemacht und verfüge über weitreichende Erfahrungen in den Bereichen Lager-, Förder-, Tor- und Hebetechnik. „Das Unternehmen setzt beim Fahrrad-Parkhaus auf bewährte Mechanik und nicht auf hochkomplexe digitale Technik“, so Künkele. Der Wartungsaufwand für die gesamte Anlage liege bei vier bis sechs Stunden – im Jahr, erklärt Soltys. Sollte es trotz der „geringen Störanfälligkeit“ doch mal „einen Totalausfall“ geben, könne der Paternoster im Schweiße des Angesichts betrieben werden: „Dann kann man hochklettern und den Aufzug von Hand runterkurbeln.“

Den Kosten von gut 900 000 Euro stehen gewisse Einnahmen gegenüber – allzuviel darf man sich da angesichts der fünf Euro pro Monat aber nicht erhoffen. „Bei maximaler Belegung und einer Jahresmiete von 60 Euro pro Stellplatz können bis zu 4500 Euro eingenommen werden“, erklärt Künkele. Eine Summe, die schon zu gewissen Unmutsbekundungen in Leserbriefen an unsere Redaktion geführt hat.

Anrücken werden die Bauarbeiter an der Eisenbahnstraße, direkt neben dem „Flugzeugflügel-Dach“ der Bushaltestelle, aber vermutlich erst in einem dreiviertel Jahr. Die Umsetzung des neuen Radhauses, so Baudezernentin Soltys im Gemeinderat, erfolge „Ende 2018 bis Anfang 2019“.