Kult-Videothek in Stuttgart Betreiber der Filmgalerie 451 gibt auf

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Bitteres Ende für einen Leuchtturm der gelebten Filmkultur: trotz enormer Fachkenntnis und einem Filmhorizont weit übers Popcornkino hinaus, geht es bei der Filmgalerie 451 nicht weiter. Der Betreiber der legendären Videothek aus Stuttgart gibt auf.

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 Foto: Filmgalerie 451

Stuttgart - Dass Internetangebote und Dumpingpreise bei DVDs Videotheken zum Aufgeben zwingen, ist schon lange zu beobachten. Allerdings kursierte bislang die Prognose, mit viel Fachkenntnis gerüstete Filmkunstvideotheken mit einem Horizont weit übers Popcornkino hinaus hätten eine Überlebenschance als Lotsen durchs Überangebot. Über dieser Hoffnung ist nun der Sargdeckel zugeknallt. Die Filmgalerie 451, einer der Leuchttürme der gelebten Filmkultur in Deutschland und eine markante Besonderheit Stuttgarts, wird zum 30. September ihre Pforten an der Gymnasiumstraße schließen. Ihr Betreiber Marc Hug hatte auf die seit Jahren sinkenden Umsätze zunächst mit einer Verkleinerung der Ladenfläche reagiert, nun gibt er das alte Geschäftsmodell der 1987 eröffneten Filmgalerie ganz auf.

Von der Filmkunst-Vermittlung will sich Hug aber keineswegs zurückziehen. „das Archiv der Filmgalerie 451“, bilanziert er, „umfasst mehr als 23 000 herausragende Filme aller Genres und dürfte damit deutschlandweit in dieser Qualität das größte kommerzielle Archiv darstellen.“ Diesen Schatz will er weiter auswerten.

Schon lange hat Hug versucht, die Filmgalerie vom alten System – der Kunde holt einen Film, schaut ihn zuhause und bringt ihn zurück – wegzuführen. Er hat ein Minikino mit Bewirtung in den Videothekenräumen eingerichtet, „The Set“, in dem er Programm anbot. Es wurde aber auch für Privatveranstaltungen vermietet, tagsüber konnten Lehrer Medienunterricht abhalten, auf Wunsch mit Unterstützung fachkundiger Referenten, und abends gab es manchmal die besonders beliebten Film-und-Kochkunst-Kombinationen.

Neue Räume für das Kino der Zukunft

Am Ausweichquartier des Staatstheaters an der Türlenstraße hatte Hug zeitweise ein zweites Minikino mit Beamer und teils illustren Gästen betrieben. Immer neue Kooperationspartner und Orte hat Hug in den letzten Jahren für Veranstaltungen aufgetan, die besondere Filme zu den Leuten brachten – statt darauf zu warten, dass Leute vorbei kommen würden, die sich für besondere Filme interessieren.

Unter anderem die Superschranke und das Wilhelmspalais, den Fruchtkasten und das Landesmuseum im Alten Schloss hat er bespielt. Dass das nicht mehr bloß Werbeveranstaltungen zur Gewinnung von Neukunden für die Videothek waren, konnte man schon daran erkennen, dass sie zuletzt – wie das Festival „Made in Stuttgart“ – nicht als Filmgalerie-Veranstaltungen firmierten, sondern unter dem Label des neu gegründeten „Vfm – Verein zur Förderung von Filmkunst und Medienkompetenz.“

„Das Kino der Zukunft“, prophezeit Hug, „wird neue, ungewöhnliche Räume suchen, Räume, die fast Wohnzimmern gleichen, Räume, die für sich bereits inszeniert sind, und vor allem Räume, in denen die Kunstform Film zum gemeinsamen Erlebnis eines interessierten und offenen Publikums wird.“

Folglich will er an wechselnden Orten ein breites Spektrum an Veranstaltungen bieten, von Minikino über Medienkompetenzschulungen bis hin zu Crossmedia-Events. Mit oder ohne die Filme und die Beamertechnik der Filmgalerie soll man künftig auch die Kompetenz der Mitarbeiter auf Honorarbasis abrufen können, „als Berater, Kuratoren und Medienpädagogen.“ Bislang aber ist ein großes Problem noch ungeklärt – die Unterbringung des enormen Filmarchivs nach Aufgabe der Videothekenräume.