Kultur Eine Begegnung von Orient und Okzident

Von Robin Daniel Frommer 

Angelika Müller und Dilaver Gök führen nahe dem Hölderlinplatz ein Blumenladen-Café-Theater. Die beide Schauspieler verstehen ihre Unternehmen als interkulturelle Keimzelle, in der sich Orient und Okzident begegnen.

Angelika Müller und Dilaver Gök fühlen sich seelenverwandt Foto: Robin Daniel Frommer
Angelika Müller und Dilaver Gök fühlen sich seelenverwandt Foto: Robin Daniel Frommer

Deutsche und Türken: Über sein Leib- und Magenthema hat Schauspieler Dilaver Gök zahlreiche humorvolle Kurzgeschichten geschrieben. „Über alle aktuellen Themen des multikulturellen Miteinanders“, sagt er, „im Moment natürlich mit dem Schwerpunkt Integration.“ Er selbst stammt aus Anatolien, spielte bereits als Jugendlicher in der Türkei kleinere Film- und Theaterrollen, spricht perfektes Deutsch und lebt seit 1992 in Stuttgart.

Eine rote Strickmütze genügt ihm als Requisite, um im Nebenraum der „Blumen Insel“ in die Paraderolle eines findigen türkischen Kaufmanns zu schlüpfen, der das Reiseverhalten deutscher Istanbultouristen aus seiner ureigenen Sicht nicht nur ironisch kommentiert, sondern zugleich zwei Urlaubern mit blumigen Worten einen fliegenden Teppich verkaufen möchte. Ob ihm das gelingt, kann man in der Comedy-Stunde „Der fliegende Teppich“, im Zimmertheater der Blumen Insel, erfahren – die Pointe der One-Man-Show sei an dieser Stelle verschwiegen.

Ein Treffpunkt für alle

Den wohnzimmergroßen Theaterraum der Blumen Insel hat Angelika Müller gestaltet: Nichts in der kleinen Spielstätte ist von der Stange. Auswahl, Gestaltung und Bemalung der teils multifunktionalen Möbel reflektieren das handwerkliche Geschick der gebürtigen Duisburgerin, die selbst Regisseurin von Kinder- und Figurentheaterstücken ist und ihre Puppen und Requisiten selbst anfertigt.

Angelika Müller und Dilaver Gök sind im besten Sinne des Wortes „seelenverwandt“, wie sie sagen, und seit mehr als zehn Jahren ein Paar. Sie haben zwei (sechs- und zehnjährige) Kinder und gestalten alle Kulturveranstaltungen in der Blumen Insel gemeinsam. Ihr Publikum kommt überwiegend aus dem Stuttgarter Westen, es sind Deutsche und Türken. Der an einen Tee-Salon oder an ein kleines Café erinnernde Raum (unmittelbar neben Göks gleichnamigem Blumeneinzelhandel) fasst bei Vorstellungen bis zu 30 Zuschauer. Angelika Müller lebt mit dem Zimmertheater ihre Vision: „Menschen aus ganz verschiedenen Richtungen kommen hier zusammen und entdecken eine neue Gemeinschaft“, sagt sie. „Das würde ich gerne noch weiter ausbauen.“

Interkulturelle Keimzelle

Im Gespräch erzählt Angelika Müller, wie sie ihren Mann in Stuttgart kennengelernt hat: „Ich habe bei ihm Blumen gekauft“, sagt sie und muss schmunzeln: „Im letzten Studienjahr“. Und: „Dilaver kommt mit Menschen ganz leicht in Kontakt. Uns war sofort klar, dass wir mit dem Theaterspiel eine ganz wesentliche Gemeinsamkeit haben, die uns tragfähig verbindet“. Reisen in die Heimat ihres Mannes, in ein völlig anderes Familienleben, berichtet sie, haben ihren Horizont erweitert. „Gerade mein Vater hat unsere Besuche besonders genossen“, ergänzt Gök. „Und den ersten Enkel.“ Mit der Blumen Insel haben Angelika Müller und Dilaver Gök nicht nur ein Café, mit Theater- und Ausstellungsraum geschaffen, sondern auch eine interkulturelle Keimzelle der gleichberechtigten Begegnung und des Humors, wie man sie in diesen Tagen vielen Orten auf dieser Welt wünschen möchte.

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