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Stuttgart 21
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Kundgebung "Auch der Himmel ist gegen Stuttgart21"

Wolfgang Schulz-Braunschmidt, vom 27.08.2010 21:50 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Am Freitagabend haben nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 30.000 (Polizei) und 50.000 (Veranstalter) Menschen mit einem Protestmarsch durch die Innenstadt und einer Menschenkette um den Landtag gegen die Abrissarbeiten am Hauptbahnhof und das umstrittene Schienenprojekt Stuttgart 21 demonstriert. Bis zum Ende der Menschenkette um das Parlament gab es laut Polizei keine Zwischenfälle. Bei der verregneten Auftaktveranstaltung am Nordflügel des Bahnhofs erklärte der Schauspieler Walter Sittler, dass der friedliche, aber laute und ungehorsame Widerstand weitergehen werde, bis Stuttgart 21 gestoppt sei. "Wir bleiben abgerüstet, obwohl die Landesregierung gegen uns aufrüstet", sagte er. "Die Hoffung, dass wir aufgeben, die geht nicht auf", erklärte SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch. Die Menschen hätten begriffen, dass sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen müssten.

Gangolf Stocker vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 appellierte an die Demonstranten, keine Straßen und Kreuzungen mehr zu besetzen. "Stattdessen solle der Bauzaun am Nordflügel blockiert werden." Es bringe nichts, Autofahrer, die nach Hause wollten oder zu Terminen müssten, zu verärgern. Als sich der nach Angaben der Veranstalter auf 50.000 Demonstranten angewachsene Protestzug gegen 19.50 Uhr zum Landtag formierte, rissen plötzlich die Wolken auf – und über dem Hauptbahnhof leuchtete ein Regenbogen. "Jetzt ist auch der Himmel gegen Stuttgart 21", entfuhr es einer überraschten Demonstrantin. Die auf Höhe des Hauptbahnhofs gesperrte Bundesstraße 27 konnte gegen 20 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden. Mit der Parole "Oben bleiben" zogen die Protestler über Lautenschlager- und Bolzstraße bis zum Kunstgebäude am Schlossplatz. Dort teilte sich der Demonstrationszug auf. Eine Hälfte stellte sich zwischen Kunstgebäude, Eckensee und Staatstheater auf, die andere schloss die Menschenkette über die Planie von der anderen Seite her.

Reisende fotografieren den Bonatzbau


Dabei übertraten viele die Bannmeile, die innerhalb dieser eingesetzten Polizeikräfte griffen aber nicht ein. "Wir rechnen nicht mit Problemen", hatte Alfons Nastold, der Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung bei der Stadt, am Freitag vor Beginn der Kundgebung erklärt. Von dem Veranstalter organisierte Proteste gegen Stuttgart 21 seien bis jetzt geordnet verlaufen. "Die Frage ist allerdings, was nach dem offiziellen Ende der Menschenkette in der Stadt passiert." Die Kundgebung verlief friedlich. Die Demonstranten in der Menschenkette forderten in lauten Sprechchören immer wieder einen Baustopp für Stuttgart 21. Der Landtag sei als Demonstrationsort gewählt worden, um zu zeigen, dass der Unmut gegen das Milliardenfiasko Stuttgart 21 im ganzen Land groß sei, hieß es bei den Organisatoren. Einen Polizeieinsatz hatte es gestern bereits am Vormittag gegen hundert Demonstranten gegeben, die bei Nieselregen am Nordflügel vor dem Bauzaun ausharrten, um den Abtransport von Bauschutt zu verhindern. Gegen 9 Uhr wurden 30 Blockierer von einer Einsatzhundertschaft unter dem Protest der Demonstranten weggetragen. Die Aktivisten müssen mit Anzeigen und einer Wegtragegebühr rechnen.

Bereits vor der Großkundgebung kamen am Freitag viele Demonstranten zum Hauptbahnhof, um den beschädigten Nordflügel, "den Schandfleck", in Augenschein zu nehmen. Darunter befanden sich auch Reisende aus anderen Städten, die den plötzlich bundesweit bekannt gewordenen denkmalgeschützten Bonatz-Bau auf der Durchreise rasch fotografierten. Über die genauen Einsatzzahlen schwieg sich der Polizeipräsident Siegfried Stumpf aus. Es seien "mehrere Hundert Polizisten" in der Innenstadt im Einsatz gewesen. Auf die Frage, wie lange solch ein personalintensiver Einsatz möglich sei, erklärte er: "Solange es notwendig ist." Die Stuttgarter Polizei werde auch von anderen Dienststellen unterstützt. Die Polizei wies am Freitag den Vorwurf der S21-Gegner zurück, Demonstrationen permanent zu filmen: "Die Übersichtskamera überträgt nur Bilder ins Führungs- und Lagezentrum," so Polizeisprecher Olef Petersen. Nur wenn der Verdacht auf Straftaten bestehe, wie bei der Blockade der Baustellenzufahrt dürfe man die Videobilder bis zu vier Wochen lang speichern.
Kommentare (149)
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AUG
30
09:36 Uhr, geschrieben von Karl Heinz Siber
jakutzi, der Meister der deutschen Sprache
jakutzi schreibt: "Nennt man so etwas nicht tendenzielle Berichterstattung?" Nein, man nennt es tendenziöse Berichterstattung.
AUG
29
13:54 Uhr, geschrieben von BiFi
Tendenzielle Berichterstattung
auch @ jakutzi, schön mal wieder etwas von Ihnen zu hören-leider wieder nichts, was überzeugen könnte. Ich möchte mich bei der Stuttgarter Zeitung bedanken und finde die Berichterstattung im Gegensatz zur örtlichen Zeitungskonkurrenz echt ok. Ganz besonders bedanken möchte ich mich, dass Sie den Auftrag zum Druck der neuen Anzeige der S21- guten Argumente -Kampagne in der Samstagsausgabe veröffentlicht haben. Da kann man mal wieder im Farbdruck sehen, was unter Kommunikation verstanden wird. Für diejenigen im Forum, welche den Spruch noch nicht kennen: "Es stimmt dass der Abriss der Bahnhofsflügel die Gemüter in Stuttgart erhitzt. Es stimmt aber auch, dass die Seitenflügel durch den Tiefbahnhof ihre Funktion verlieren und auf den Gleisflächen ein neuer Stadtteil mit viel Grün entsteht." Hmmm, passt zu Herrn Grube, der sich ja im Radiointerview so äußerte, als wünsche er seit jeher nichts sehnlicher als eine Diskussion mit Offenlegung aller Fakten- ja,ja, so schnell kann man sein Fähnlein nach dem Wind hängen LOL. Die Werbeagentur baut da schon mal vor und offenbart ein kleines Stückchen Wahrheit- es ist nicht mehr die Rede von Bäumen etc., sie spricht nur noch von grün. Und das wird Fakt sein, wenn der Grundwasserspiegel abgesenkt wird: das ganze Areal wird zubetoniert und grün angestrichen. Das kommt dann auch OBS21 zugute- er kann weiter für das Projekt sparen, da er ja dann nicht mal mehr das Deckmäntelchen "ökologisch" verwenden muss, wenn wie schon jetzt die städtischen Grünanlagen z.T. maximal 2x pro Jahr lieblos gepflegt werden (vom Mähen eines Hundekegelentsorgungsstreifens abgesehen, und diese Maßnahme wird ja mit dem Entrichten der Hundesteuer gut bezahlt).
AUG
29
12:10 Uhr, geschrieben von Jakutzi
Regen behindert Demonstranten
Die Ueberschrift in der Stuttgarter Zeitung "Auch der Himmel ist gegen Stuttgart 21" zeigt, auf welchem Niveau sich der Protest aber mit ihm nicht selten die Stuttgarter Zeitung bei dieser Auseinandersetzung bewegt. Objektive und ausgewogene Berichterstattung: meist Fehlanzeige. Waehrend noch die abstrusesten Behauptungen und kuenstlich herbeigeredeten Argumente breiten Raum finden, werden Argumente der Befuerworter ueberwiegend unterschlagen oder einfach weggeredet. Nennt man so etwas nicht tendenzielle Berichterstattung? Aber wenn man denn das Wetter schon als Verbuendeten benennen will... war die regnerische Begleitung nicht eher ein klares Zeichen, gegen die Demonstranten?
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