Kundgebung in Stuttgart Demo für und gegen die sexuelle Vielfalt

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Auf dem Schiller- und dem Schlossplatz ist am Samstag kontrovers protestiert worden. Anders als noch im März 2014 prallten die Lager aber dieses Mal nicht aufeinander. Die Polizei zeigte Präsenz.

Protest am Samstag  auf dem Schlossplatz in Stuttgart Foto: Lichtgut 26 Bilder
Protest am Samstag auf dem Schlossplatz in StuttgartFoto: Lichtgut

Stuttgart - Zwei Plätze, zwei Welten: Auf dem Schiller- und dem Schlossplatz hat es am Samstag zwei Demonstrationen mit höchst unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Positionen gegeben. Während auf dem Schillerplatz bei der „Demo für alle“ knapp 1000 Personen gegen „die Sexualisierung unserer Kinder im Bildungsplan der Landesregierung“ protestierten, zeigten auf dem Schlossplatz mehr als 500 Demonstranten Flagge für ein buntes Stuttgart und gegen „rassistische und homophobe Strömungen“. Dazwischen standen rund 300 Polizeibeamte, um beide Lager voneinander zu trennen. Zu Zwischenfällen kam es im Gegensatz zu früheren Demonstrationen zum Thema nicht. Vor und während des Protests wurden nach Angaben der Polizei fünf Platzverweise erteilt und Gegenstände beschlagnahmt.

Absperrgitter gegen Zusammenstöße

Auf dem Schlossplatz bestimmten gegen 14 Uhr Transparente mit der Aufschrift „Stop Homophobia“, „Komm zur bunten Seite der Macht“ und „Die Welt ist farbenfroh“ die Szenerie. Rund um das Schillerdenkmal wurden hingegen Plakate mit Aufschriften wie „Indoktrination stoppen“, „Keine sexuellen Experimente“ und „Vater, Mutter, Kinder – Familie voran!“ hochgehalten. Redner auf dem von der Polizei weitgehend mit Sperrgittern abgeriegelten Platz forderten die Landesregierung auf, „das Elternrecht zu wahren“. Das Land wolle die sexuelle Vielfalt als Leitperspektive im Bildungsprogramm verankern und damit „unsere Kinder überfordern“, betonten Redner des aus zahlreichen konservativ-christlichen Gruppen bestehenden Bündnisses. Man lasse sich das Bildungssystem aber auf keinen Fall von Grün-Rot zerstören, hieß es lautstark.

Zur gleichen Zeit traten die Demonstranten auf dem Schlossplatz bei der Kundgebung gegen „ Rassismus und Homophobie“ „für einen offenen Umgang mit Sexualität und gleichgeschlechtlichen Beziehungen“ ein. Auf den „sogenannten Demos für alle“ werde wie bei Pegida „Stimmung gegen Homosexuelle, Flüchtlinge und Muslime“ gemacht. Stuttgart müsse aber eine Stadt der Willkommenskultur für alle Menschen sein und bleiben. „Für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit darf bei uns kein Platz sein“, sagte eine Rednerin unter großem Beifall.

Demozug ohne Zwischenfälle

Gegen 16 Uhr spitzte sich die Lage laut Polizei etwas zu, weil Demonstranten des bunten Bündnisses unter lautstarkem Protestrufen am Schillerplatz den Ausgang zur Planie blockierten. Daraufhin sperrte die Ordnungsmacht alle Durchgänge zwischen Altem und Neuem Schloss, um den Bildungsplangegnern den Weg für ihre Demonstration durch die City zu ebnen. Gegen 16.30 Uhr setzte sich der Zug vom Schillerplatz aus über die Dorotheenstraße in Bewegung. Über den Charlottenplatz, die Konrad-Adenauer-Straße und den Gebhard-Müller-Platz zog die „Demo für alle“ dann mit starker Polizeipräsenz zum Staatstheater, wo die der Protestzug kurz nach 17 Uhr eintraf. Während der Demonstration kam es zu Verkehrsbehinderungen, weil die Bundesstraße 14 zwischen dem Charlottenplatz und dem Gebhard-Müller-Platz zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden musste. Unterwegs gab es laut Polizei immer wieder Provokationen durch Gegendemonstranten.

  Artikel teilen
8 Kommentare Kommentar schreiben

Die Dörfer sind näher!: Könnten diese ganzen klerikalen und bräunlichen "Konservativen" nicht auf ihren Dörfern, das finstere Mittelalter wieder herbeisehnen? Stuttgart ist zwar nur eine größere Provinzstadt, aber soviel alberne Rückwärtsgewandheit muß nicht sein. Danke.

diese ganzen klerikalen und bräunlichen "Konservativen" : bravo. so sind sie diese fortschrittlichen und grünlich-linken erneuerer. arrogant bis zum geht nicht mehr und beleidigend. und genau diese menschen erwarten von anderen toleranz und akzeptanz, sind aber nicht in der lage dasselbe auch zu geben.

"bräunliche Konservative": Vielen Dank, für diese treffende Antwort. Komme auch vom Dorf und bin schon erschrocken, wie schnell man in die braune Ecke gedrängt wird, wenn man nicht dem mainstream huldigt und die Regenbogenfahne küsst.

ich bin ein reines stadtkind: geboren und aufgewachsen in stuttgart. gelebt in stuttgart, köln und berlin. heute in esslingen ansässig. aber das mit dem drängen in die braune ecke gilt auch für stadtbewohner. ich wurde mit der braunen soße auch schon begossen weil ich den bildungsplan nicht toll finde. obwohl ich bisexuell bin. aber das interessiert keinen. sind sie für den neuen bildungsplan sind sie ein erneuerer, ein fortschrittlicher mensch, ein mensch der toleriert und akzeptiert. wenn sie den bildungsplan nicht gut finden sind sie konservativ, braun, ewig gestrig.

im Kern...: ... haben Sie Recht, aber doch etwas hart formuliert. Wenn man dann im nachhinein in Erfahrung bringt, dass die Afd hinter der "Demo für alle" steckt, dann passt es.

Ein weiterer Schritt: zur Zerstörung unserer Gesellschaft. Die Bildungsplaninitiative der Grünen, die leider an der Spitze der Regierung stehen, setzt die unzähligen gesellschaftsfeindlichen Bemühungen fort, viele der über lange Zeiten und auf natürlicher Weise entwickelten Normen mit aller Gewalt außer Kraft zu setzen. Nachdem schon einiges offensichtlich schief gelaufen ist, was die realitätsfremde Ideologie der Altkommunisten und 68-er „Revoluzzer“ zu verantworten haben, geht es jetzt um die erzwungene Sexualisierung und Verwirrung junger Menschen, womöglich sogar im Grundschulalter. Reicht es denn nicht, mit den Folgen z.B. der antiautoritären Erziehung fertig zu werden, reicht das Scheitern der ebenfalls erzwungenen Multi-Kulti-Idee nicht und reicht es nicht, wenn – unter dem Vorwand, „fortschrittlich“ zu sein – alteingesessene Bräuche und Werte einfach weggewischt werden? Müssen die Menschen „umerzogen“ werden (wie es die pro-Demo-Bewegung gestern als Überschrift auf ihren Flyern hatte), um im Wirrwarr der künstlich herangezogenen neuen Sexualitätsbegriffe ihre eigentliche Aufgabe, das Lernen, zu vergessen? Werden die zukünftigen Werte darin bestehen, zwischen der Hanfpflege auf dem Balkon und dem Neuen Duden für politische Korrektheit hin- und her zu gendern? Wäre es nicht besser, die Existenz und die Akzeptanz auch von Gleichgeschlechtlichen im Elternhaus und in einem reiferen Alter zu verinnerlichen, was im Übrigen ohnehin über die unzähligen Informationskanäle unserer Zeit automatisch passiert. Niemand sollte sich von einer Partei umerziehen lassen, denn das machten ja immer Diktaturen. Darum wäre es allerhöchste Zeit, die Grünen abzuwählen.

Demokratie: Ein hohes Gut.: Herr Kunze, was bin ich als "Best Ager" froh, in einer Gesellschaft gross geworden und gut erzogen worden zu sein, die inzwischen hoffentlich demokratisch gefestigter ist als noch in den 20er und 50er Jahren des vergangegen Jahrhunderts! Daher kann Ihr Kommentar von mir nicht unwidersprochen bleiben. Eine Regierung kann einem passen oder auch nicht, in jedem Falle ist die jetzige genauso mehrheitlich legitimiert wie ihre Vorgänger. Die aktuelle Regierung baut eigentlich nur langsam, aber richtungsweisend den gesellschaftlichen Reformstau ab, den eine über Jahrzehnte in Verkrustung erstarrte bisher maßgeblich regierende Partei im Lande hinterlassen hatte. Gerade in Stuttgart jedenfalls ist "Multi-Kulti" aus dem Alltag nicht wegzudenken. Wir können stolz darauf sein, einen derart hohen Prozentsatz von Zuzüglern und fleissig arbeitenden "Mitmenschen mit Migrationshintergrund" recht stressarm in die Stadtgesellschaft integrieren zu können. Daran ändern auch manch osteuropäischer Schwulenhasser und manch Botnanger Islamist nichts Wesentliches. Was sexuelle Orientierung angeht, kann man sich diese im Gegensatz zur religiösen Orientierung nicht aussuchen, sondern muss mit ihr auskommen, sie akzeptieren und sollte deswegen keine Nachteile im Alltag haben. Weder als Schüler noch als Erwachsener. Sexualisierung findet "dank" frühzeitigem Smartphone- und Internet-Einsatz heutzutage sicher schon statt, ohne dass erzieherische Kräfte jederzeit darauf einwirken können. Um so wichtiger erscheint es mir, dass hier die Schule als Träger staatlicher Bildungspflicht verschiedene Lebenswirklichkeiten thematisiert, die ansonsten aufgrund religiöser oder auch ethnischer Vorbehalte in den Herkunftsfamilien einfach unter den Tisch gekehrt würden. Und das fängt in der schulischen Laufbahn dann eher zu spät als zu früh an. Das Schimpfwort "Schwuchtel" auf dem Schulhof ist in jedem Falle genauso deplaziert wie es in dunkler Zeit "Jude" war. "Umerzogen" wird dabei sicher keiner. "Augenöffnung" dagegen hat noch keiner Demokratie geschadet. In diesem Sinne finde ich unabhängig von meiner nächsten Wahlentscheidung, dass hier die jetzige Grün-Rote Regierung einen wertvollen Job erledigt, der lange liegengeblieben war.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.