Kundgebungen in Stuttgart Breites Bündnis geht gegen Pegida auf die Straße

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Zum ersten Mal ist für den kommenden Sonntag in Stuttgart eine Pegida-Demo geplant. Das ruft ein breites Bündnis auf den Plan: Mindestens 70 Gruppen stehen hinter dem Aufruf zur Demo gegen die Islamkritiker, der auch vom DGB unterstützt wird.

Im Januar sind schon einmal Pegida-Gegner in der Landeshauptstadt auf die Straße gekommen. Rund 8000 Menschen nahmen damals teil. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Im Januar sind schon einmal Pegida-Gegner in der Landeshauptstadt auf die Straße gekommen. Rund 8000 Menschen nahmen damals teil.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Eins ist jetzt schon sicher: Zwei Kundgebungen werden am Sonntag in Stuttgart sehr unterschiedliches Publikum anlocken. Auf der einen Seite hat sich eine islamkritische Pegida-Gruppe für 15 Uhr auf dem Kronprinzplatz angemeldet, 100 bis 300 Personen werden erwartet. Wesentlich größer wird wohl die Gegendemo, initiiert von den Anstiftern und unterstützt von etwa 70 Gruppen aus Stuttgart und der Region. Das war der Stand am Dienstag. „Es kommen laufend neue dazu“, sagt Fritz Mielert vom Verein Die Anstifter. Die Organisatoren hoffen, dass sie noch mehr Menschen auf die Straße bringen werden als im Januar. Damals kamen Gerüchte auf, es sei eine Pegida-Demo in Stuttgart geplant. Diese kam nicht zustande, dafür eine Kundgebung für Toleranz und Vielfalt mit etwa 8000 Teilnehmern.

Gegner rechnen mit mehreren Tausend Teilnehmern

Die am Sonntag auftretende Pegida-Gruppe ist nach Informationen der Stuttgarter Zeitung nicht in der Landeshauptstadt entstanden. Es soll sich dabei um eine Gruppe aus Villingen-Schwenningen handeln, die mal als Schwarzwald-Baar-Heuberg gegen die Islamisierung des Abendlandes (SBH-Gida), als Pegida Villingen-Schwenningen oder als Pegida Dreiländereck bezeichnet wird. Die Gruppe identifiziere sich mit den Zielen der ursprünglichen „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden und den Thesen des Pegida-Gründers Lutz Bachmann. Das sagte Sabrina Grellmann, eine der Initiatorinnen in einem Interview mit dem Südkurier. Die Kundgebung am Sonntag in Stuttgart trägt die Gruppenbezeichnung Pegida BW Stuttgart.

„Wir hoffen, dass wir auch durch den DGB dieses Mal mindestens genauso viele Teilnehmer mobilisieren können“, sagt der Anstifter und Mitorganisator Fritz Mielert. Er vernehme schon von vielen Stuttgartern Wortmeldungen, die er so zusammenfasst: „Es kann ja nicht sein, dass es Pegida noch mal probiert.“ Daher rechne er mit viel Unterstützung am Sonntag.

Während sich in den Reihen der Pegida-Gegner die Grünen, SPD, die Linke und SÖS finden, erhält Pegida Zuspruch aus einer anderen politischen Richtung: Der AfD-Stadtrat Heinrich Fiechtner wird „aller Wahrscheinlichkeit nach da sein“, wenn sich die Islamkritiker auf dem Kronprinzplatz versammeln. Fiechtner, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, begründet das mit Neugier: „Ich möchte wissen, wer das ist und was die sagen.“ Grundsätzlich begrüße er Pegida „als eine Bürgerbewegung“. Inhaltliche Übereinstimmungen zur AfD-Agenda sehe er bei Forderungen nach einer klaren Zuwanderungspolitik.

Neben der großen Kundgebung unter dem Motto „Für Vielfalt, gegen Rassismus – gegen Pegida“, die um 13.30 Uhr (Eberhardstraße zwischen Tübinger Straße und Königstraße) beginnen soll, sind mehrere kleine Versammlungen angemeldet, bestätigte ein Sprecher der Stadt. Sie sollen zum antifaschistischen Lager zählen. Die Polizei rechnet damit, dass es zu Auseinandersetzungen kommen könnte. „Wir sind mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz“, sagt der Polizeisprecher Stefan Keilbach. Für den Kronprinzplatz, auf dem sich die Pegida-Gruppe treffen wird, seien Absperrgitter vorgesehen. Das erinnert an eine Demo der Bildungsplangegner im Jahr 2014, als die Polizei den Marktplatz mit Gittern abriegelte. Die Polizei werde die Lager auseinanderhalten, wenn es zu Konfrontationen komme, sagt Keilbach.

Die Pegida-Veranstalter haben ihren Teilnehmern Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg von Villingen-Schwenningen nach Stuttgart gegeben. „Wir bitten für einen reibungslosen Ablauf zu beachten: keine Reichsfahnen, keine Waffen, keine Drogen sowie Alkohol“, heißt es. Aber auch: „Keine Interviews, keine hetzerischen und rechten Parolen.“

Karlsruhe plant einen Aktionstag gegen Pegida

Wer auf dem Kronprinzplatz sprechen wird, ist noch nicht klar. Genannt wurden die Publizisten Michael Mannheimer und Götz Kubitschek. Bei der Gegenkundgebung an der Eberhardstraße sind der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf, Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg, und Sara Alterio vom Forum der Kulturen. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), der im Januar bei der Anti-Pegida-Demo sprach, kann nicht kommen, da er auf Dienstreise in Australien ist. Auch in Karlsruhe regt sich Widerstand gegen Pegida: Am 23. Mai, der Verfassungstag, ist in Karlsruhe zum Aktionstag für Toleranz und Vielfalt aufgerufen. Dort hat inzwischen die achte Pegida-Kundgebung stattgefunden. Der Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sagt: „Es soll ein breites gesellschaftliches und politisches Zeichen werden und sich klar abgrenzen von dem, was uns diese rechte bis rechtsextreme Szene alle zwei Wochen präsentiert.“

9 Kommentare Kommentar schreiben

Piraten werden wieder nicht erwähnt: "Während sich in den Reihen der Pegida-Gegner die Grünen, SPD, die Linke und SÖS finden ..." Gibt es irgendeinen Grund warum die Stuttgarter Zeitung jedesmal die Piratenpartei übergeht? Andere Medien streichen die Piraten zum Glück nicht raus.

Rechts: Die von Pegida sind klar rechts. Die verstecken sich zwar hinter pseudo-humanistischen Vorschlägen, aber das Schaf im Wolfspelz ist ja ein altbekanntes Stilmittel für Rattenfänger. Die sollen nur weg bleiben. In Stuttgart gibt es 22-23% Ausländer. Die arbeiten, sind integriert und auch die Kriminalität ist im Vergleich zu Dresden astronomisch gering! Also wozu brauchen wir diese Pegida-Hansel in Stuttgart? Geht dahin wo ihr rausgekrochen seid!

Ihre billige Hetze gegen eine große Anzahl von Menschen, die mit der derzeitigen Politik unzufrieden sind und mit guten und sachlichen Argumenten ihre Meinung sagt, ist unerträglich und ignorant und zeugt von einem sehr seltsamen Demokratieverständnis. Nur weil Ihnen irgend was nicht passt, müssen Sie nicht Andersdenkende auf diese Weise verunglimpfen. Für Sie gibt es offenbar nur schwarz oder weiß, rechts und links, Tag und Nacht, aber nichts dazwischen. Für Sie sind alle unzufriedenen Menschen Rechte. Es wäre intelligenter, sich über diese Sache ein paar mehr Gedanken zu machen, warum das alles so ist. Gegen Pegida können Sie vielleicht noch hetzen, aber gegen die nächsten Wahlen nicht, und die werden kommen, und da werden einige aufwachen.

Pauschal: Nun Herr Reichert, nicht alle unzufriedenen sind rechte, wer sich in seiner Unzufrieden aber den rechten anschliesst, also der Pegida, die pauschal gegen Flüchtlinge und Moslems hetzt, der muss sich gefallen lassen als recht oder rechtssympatisant bezeichnet zu werden. Es gibt auch andere Wege, seine Unzufriedenheit zu äußern, als sich rechten Gruppen anzuschliessen. Und es ist irgendwie ganz schön unverfroren, die Verunglimpfung Andersdenkender anzuprangern, wo doch die Verunglimpfung anderer (Flüchtlinge, Asylsuchende) und andersdenkender (sog. "Gutmenschen", Linke, weltoffene, hilfsbereite und aufgeklärte Menschen) bei Pegida an der Tagesordnung ist. Ihr Satz: Nur weil Ihnen irgend was nicht passt, müssen Sie nicht Andersdenkende auf diese Weise verunglimpfen" trifft da voll und ganz auf das Verhalten der Pegida-Anhänger zu. Ach ja, gute & sachliche Argumente sucht man bei Pegida übrigens vergebens.

Hooligans gleich in den Zug setzen: Wenn diese Hooligans am Sonntag anreisen, am besten gleich wieder in den Regionalzug setzen und zurück nach Villingen-Schwenningen transportieren.

und Sie wollten doch in die Schweiz ....: ....,, emigrieren ", werter Herr Bogunovic. Stuttgart würde niemals ein Schauplatz für die ,, Hooligans " , ihre Worte, meine lauten Bürgerbewegung / Protest oder politische Kundgebung. Demokratie funktioniert nun mal nach solchen Prinzipien. Alles ist Grundgesetz konform solange die dafür geltenden Regeln eingehalten werden. Daran können Sie und ich nicht´s ändern. Und das ist gut so. Gehen Sei doch einfach auf eine angekündigte Gegenkundgebung um Ihre Abneigung gegen diese ,, Hooligans " , ihre Wortwahl, meine lautet Bürgerbewegung, öffentlich kund zu tun. Sie sind bestimmt nicht alleine dabei. Ach übrigens : Der Begriff ,, Hooligan" (engl. „Rowdy“, „Rabauke“) wird im deutschen Sprachgebrauch eine Person bezeichnet, die vor allem im Rahmen bestimmter Großereignisse wie beispielsweise Fußballspielen durch aggressives Verhalten auffällt. Der Duden, der den Begriff 1991 aufnahm, definiert Hooligan als „meist im Gruppenverband auftretender Jugendlicher, dessen Verhalten von Randale und gewalttätigen Übergriffen bei öffentlichen Veranstaltungen (z. B. Fußballspielen) gekennzeichnet ist“. Verwendet wird auch das Kurzwort Hool insbesondere im Jargon sowie Hooliganismus für die Gesamtheit des Phänomens („Rowdytum“). MfG Schinder

Visum schon gestellt?: Hallo Herr Bogunovic, haben Sie Ihr Visum in der Schweiz schon gestellt? Sie hatten es doch so großspurig angekündigt...

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