Kunst in Bad Cannstatt Unsichtbare Kunst sichtbar machen

Von Fatma Tetik 

Im Club Cann stellt Marion Musch am Wochenende eine interdisziplinäre Messe auf die Beine. Hauptsächlich junge Kunstschaffende und Künstlerinnen über 40 Jahre sollen unterstützt werden.

Marion Musch präsentiert ihre Netzinstallation, an der 36 Handys und Tablets hängen. Diese wird bei der Messe „Arte-Sono“ zu sehen sein. Foto: Fatma Tetik
Marion Musch präsentiert ihre Netzinstallation, an der 36 Handys und Tablets hängen. Diese wird bei der Messe „Arte-Sono“ zu sehen sein. Foto: Fatma Tetik

Bad Cannstatt - Am Wochenende ist im Club Cann in Bad Cannstatt die Messe „Arte-Sono“, die erste interdisziplinäre Messe für musische und bildende Künste in Stuttgart. 23 Künstler aus Stuttgart und der Region – 19 Frauen und vier Männer – präsentieren dann ihre Arbeiten. Nach einer musikalischen Einführung können die Bilder, Fotografien, Skulpturen und Installationen besichtigt werden. Mit der Messe sollen hauptsächlich junge Kunstschaffende und Künstlerinnen über 40 Jahre unterstützt werden.

Hinter dem Ausstellungskonzept steht die Filderstädter Künstlerin Marion Musch. „Frauen, die älter als 40 Jahre sind und im Kunstbereich Fuß fassen wollen, haben es sehr schwer. Auch die meisten Förderprogramme berücksichtigen die Altersgruppe der über 40-Jährigen nicht“, erläutert sie. Das hat die 47-Jährige am eigenen Leib erfahren.

Nach ihrem Kunststudium hatte sie erfolgreich als Künstlerin gearbeitet und einige ihrer Werke verkaufen können. Dann legte sie eine Babypause ein, sie bekam drei Kinder. „Als ich wieder durchstarten wollte, hatte ich große Schwierigkeiten“, sagt Marion Musch. Die Künstlerin wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und betreibt seither ein eigenes Atelier: das Mamuk in Sielmingen. Dort entstehen nicht nur eigene Werke mit den Schwerpunkten Malerei, Grafik und Installation. In ihrem Atelier gibt Musch zusätzlich Kunsttherapiekurse sowie Kurse für Kinder und Erwachsene. Mit Mut und etwas Glück hat Marion Musch nach ihrer Karrierepause den Weg zurück in die Kunst gefunden.

Die Teilnahme an der Non-Profit-Veranstaltung ist kostenlos

Mit der Messe „Arte-Sono“ möchte sie nun Frauen helfen, denen es ähnlich geht. „Die Idee ist auf ein sehr breites Interesse gestoßen. Es haben sich weit mehr Künstlerinnen beworben, als Ausstellungsplätze zur Verfügung stehen“, sagt Marion Musch. Unter den etlichen Bewerbungen seien nur drei von jungen Künstlern gewesen. „Daran sieht man, dass der Bedarf bei Frauen über 40 sehr groß ist“, sagt Marion Musch.

Die Teilnahme an der Non-Profit-Veranstaltung ist kostenlos. Die Messe soll den Künstlerinnen die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten einem größeren Publikum zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Die Kunst soll laut Musch wieder ihrer eigentlichen Bestimmung als Kulturgut zugeführt werden. Auf der Messe sind drei Künstlerinnen aus Filderstadt zu sehen: Neben Heike Schmidt und Ingrid Bichler stellt auch Marion Musch eines ihrer Werke aus.

Acht Kilogramm wiegt die zwei Meter breite Netzinstallation mit dem Namen „Kryptographie“. In diesem Netz hängen 36 ausgediente Smartphones und Tablets, allesamt mit einem knallrot-leuchtenden Kreuz versehen. „Durch das ständige Wischen und Scrollen hinterlassen wir auf unseren Handys unbewusst Spuren, in den allermeisten Fällen entsteht so ein unsichtbares Kreuz auf dem Display“, schildert die Künstlerin.

Die Messe soll Künstlerinnen helfen, ihre Werke sichtbar zu machen

In gewissem Sinne bekreuzige man sein Smartphone dadurch täglich mehrfach. Das Netz symbolisiert die weltweite Vernetzung der Geräte. „Die Interpretation zu diesem und zu allen anderen Werken steht aber jedem Betrachter frei“, ergänzt die Künstlerin. Ganz im Sinne des Künstlers Paul Klee gebe Kunst nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst mache sichtbar, sagt Marion Musch.

Und so soll die Messe „Arte-Sono“ Künstlerinnen helfen, ihre Werke sichtbar zu machen. Aus diesem Grund hat sich Marion Musch für die Durchführung des neuartigen Konzepts für das Cann als Veranstaltungsort entschieden. „Es liegt zentral in Stuttgart, ist eine Top-Location und zieht eine größere Öffentlichkeit an, als wenn die Messe in Filderstadt stattgefunden hätte“, sagt Marion Musch. Zudem seien alle Veranstaltungsorte in Filderstadt komplett ausgebucht gewesen. „Wenn die Messe gut ankommt, kann ich mir gut vorstellen, sie auch in den nächsten Jahren anzubieten“, sagt sie. Möglicherweise auf den Fildern.

Termin:
Die interdisziplinäre Messe „Arte-Sono 2017“ für musische und bildende Künste findet statt am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Januar, jeweils von 11 bis 17 Uhr. Veranstaltungsort ist der Club Cann, Kegelenstraße 21, 70372 Stuttgart. Eröffnet wird die Messe am Samstag um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Online:
Weitere Informationen über die Messe, die Veranstalterin Marion Musch, den Veranstaltungsort sowie die ausstellenden Künstler und ihre Werke findet man im Internet unter der Adresse www.arte-sono.de.

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