Kunst in Donaueschingen Verfolgter Künstler

Von wom 

Der Bildhauer Paul Schwer hat in Donaueschingen mit seinem Werk „Home“ einen Kunststreit entfacht. Ein Bürger war so sauer, dass er Schwers Installation gleich ganz abfackeln wollte. Mit gezündelt hat auch die Lokalzeitung.

Der Bildhauer Paul Schwer entfachte in Donaueschingen einen Streit um Kunst. Einer der braven Bürger wollte sein Werk „Home“ dann gleich ganz abfackeln. Foto: StZ
Der Bildhauer Paul Schwer entfachte in Donaueschingen einen Streit um Kunst. Einer der braven Bürger wollte sein Werk „Home“ dann gleich ganz abfackeln.Foto: StZ

Donaueschingen - Heute wird sie abgebaut, die Installation „Home“ des Künstlers Paul Schwer. Seit vergangenem Mai hing sie über der Schützenbrücke in Donaueschingen, die das Flüsschen Brigach überspannt. Der in Schonach geborene und in Düsseldorf lebende Bildhauer hatte seine Arbeit 2012 zu den baden-württembergischen Heimattagen angefertigt.

Die Konstruktion aus Holz, Plexiglas und Pappe erinnert an ein Schwalbennest oder einen auf dem Kopf stehenden Dachstuhl und soll den Verlust von Heimat verdeutlichen. Doch die Skulptur brachte die braven Bürgersleut’ auf die Palme. Das hatte insofern Tradition, da Schwer die Stadt 2009 schon einmal aufgewühlt hatte, als er auf ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal eine rote Plastikwolke gepflanzt hatte.

Der Verteidiger spricht von „entarteter Kunst“

Dieses Mal ging der Protest weiter. An einem Abend im August versuchte ein 78-jähriger Handwerksmeister das störende Objekt in Brand zu setzen. Der Schaden: rund 14 000 Euro. Vor Gericht sprach der Verteidiger des Brandstifters von einem „Bretterhaufen“ und nannte Schwers Werk „entartete Kunst“. Verurteilt aber wurde nicht etwa der Jurist, sondern sein Mandant und zwar zu 2700 Euro Geldbuße, zahlbar in 90 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Die Diskussion ging weiter, zusätzlich befeuert von der Lokalzeitung „Südkurier“, die große Lust am Zündeln hatte. Der Chef der Lokalredaktion erfand den Namen „Treibguthaufen“ und konstruierte eine – vom Künstler gar nicht beabsichtigte – Nähe zur japanischen Tsunami-Katastrophe. Von da an gingen die Wellen hoch unter den Kritikern und Verteidigern des umstrittenen Werks. Nicht wenige schwangen sich zu Kunstrichtern auf und verlangten ein Bestimmungsrecht, was Kunst darf und was nicht.

Ein früherer FDP-Stadtrat rief via Zeitung dazu auf, die Stadt „von dem Müll“ zu befreien und richtete ein Spendenkonto „Strandgut“ ein, auf das fast 3000 Euro eingingen, damit es den Biedermann als Brandstifter nicht so hart treffen möge. Bei soviel geballtem Kunstsachverstand überlegt der Künstler Schwer nun, mit welchen Finessen er die Donaueschinger als nächstes verwöhnen soll.

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2 KommentareKommentar schreiben

Kunst: Kunst, Kunstverstand? Kunstverstand ist das was die Kunst-Geldmacher für sich in Anspruch nehmen. Künstler und Kunst besteht einzig allein nur durch Anerkennung, Punkt Wir sind stolz Demokraten zu sein, warum sollten wir uns von dem Prinzip abbringen lassen. Die Mehrheit bestimmt was Kunst ist, nicht einzelne Politiker, die Steuerzahlers Geld dafür ausgeben. Wer das Wort entartete Kunst nicht mag, weil es vor 70 Jahren von Nazis benutzt wurde, möge sich mit dem aktuellen Sprachschatz bei Israel im Umgang mit den Palästinensern beschäftigen. Für Meinugsfreiheit nicht angegriffen zu werden, ist Kunst. Ich kann warten.

Verfolgter Künstler: Da muss man sich nicht wundern über den großen 'Erfolg' der damaligen Ausstellung 'Entartete Kunst'. Das 'gesunde' Volksempfinden feiert also Auferstehung. Über den 'Kunstverstand' in Donaueschingen hätte sich der 'Führer' bestimmt gefreut.

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