Kurswechsel bei den Grünen Neue Sicht auf das Hotel Silber
Thomas Borgmann, 28.07.2010 07:13 Uhr
Zumindest Teile des Gebäudes an der Drotheenstraße wollen die Grünen nun erhalten wissen. Foto: Zweygarth
Zumindest Teile des Gebäudes an der Drotheenstraße wollen die Grünen nun erhalten wissen. Foto: Zweygarth
""Wir fordern die Investoren, dazu auf, das ehemalige Hotel Silber nicht vollständig abzureißen""
Michael Kienzle, Kultursprecher der Grünen im Gemeinderat

Stuttgart - Nach dem Expertenhearing zur historischen Bedeutung und zur städtebaulichen Zukunft des Hauses Dorotheenstraße 10 am Karlsplatz haben die Grünen im Gemeinderat jetzt ihre bisherige Haltung geändert. Der Stadtrat Michael Kienzle, Kultursprecher der Ratsfraktion, erklärte dazu gam Dienstag: "Wir fordern die Investoren, also das Land und das Haus Breuninger, dazu auf, das ehemalige Hotel Silber nicht vollständig abzureißen, sondern teilweise zu erhalten." Das Architekturbüro Stefan Behnisch, so die Forderung der Grünen, sollte von den Investoren der Neuordnung am Karlsplatz den Auftrag erhalten, zumindest Teile der Fassade und des Hauses an der Ecke zum Charlottenplatz in seine Pläne zu integrieren.

Werner Wölfle, der Chef der Grünen-Fraktion, sagte am Dienstag: "Wir stehen der Neuordnung am Karlsplatz nach wie vor positiv gegenüber. An dieser Haltung ändert sich nichts." Das am 17. Juli im Rathaus veranstaltete Hearing habe jedoch gezeigt, welchen Symbolwert die ehemalige Gestapozentrale besitze. Dem gelte es Rechnung zu tragen. Der von OB Wolfgang Schuster einberufenen Arbeitsgruppe, so Wölfle, bleibe es vorbehalten, ihre Vorschläge für die thematische Ausrichtung der geplanten Lern- und Gedenkstätte zu unterbreiten. Im Herbst müsse der Gemeinderat dann die Grundsatzdebatte darüber führen, was aus dem ehemaligen Hotel Silber werden solle. Gleichwohl werde man das Land nicht aus seiner Verantwortung für die Konzeption entlassen.

Für den Kultursprecher Michael Kienzle ist klar, dass "es das von der Initiative Gedenkort Hotel Silber geforderte NS-Dokumentationszentrum an der Dorotheenstraße nicht geben wird". Ihm und seiner Fraktion schwebe vielmehr vor, dort "eine zentrale Stelle für die Topografie der Erinnerung in der Landeshauptstadt einzurichten", so Kienzle. In diesem Zentrum müsse dann auf die anderen Gedenkorte in Stuttgart verwiesen werden, etwa auf den Lichthof des ehemaligen Landgerichts, auf das Gefängnis "Büchsenschmiere", aber auch auf das im Wilhelmspalais geplante neue Stadtmuseum.
Kommentare (1)
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OKT
13
Andy, 23:26 Uhr

Super, Herr Wölfle

Die Grünen. Wieder mal. Da haben sie das Ohr wieder mal in den Wind gesteckt und gemerkt, dass es auch einige mögliche Wähler gibt, die das Gebäude erhalten wollen und schwupp, Meinung geändert. Das ist wirklich nur noch peinlich. Lieber Herr Wölfle, Sie sind genau solch ein furchtbarer Kalkül-Politiker wie von Ihnen selbst immer angeprangert. Setzen. 6. Schämen.