Kurz vor ihrem 75. Geburtstag Königin Beatrix dankt ab

Von Theresa Schäfer 

Königin war ihr Beruf, jetzt verabschiedet sie sich in den verdienten Ruhestand: Die niederländische Königin Beatrix, die am 31. Januar ihren 75. Geburtstag feiert, dankt ab - und übergibt das Zepter an Willem-Alexander.

Kurz vor ihrem 75. Geburtstag am 31. Januar überrascht Königin Beatrix die Niederländer: Die Monarchin gibt das Zepter an ihren Sohn Willem-Alexander weiter. Foto: dpa 25 Bilder
Kurz vor ihrem 75. Geburtstag am 31. Januar überrascht Königin Beatrix die Niederländer: Die Monarchin gibt das Zepter an ihren Sohn Willem-Alexander weiter.Foto: dpa

Stuttgart/Den Haag - Die niederländische Königin Beatrix hat am Montagabend ihre Abdankung angekündigt. Am 30. April werde sie den Thron an ihren Sohn, Kronprinz Willem Alexander, übergeben, sagte die 74 Jahre alte Monarchin in einer live von Radio und Fernsehen übertragenen Rede. Es sei an der Zeit „die Verantwortung für das Land in die Hände einer neuen Generation zu geben“, sagte die Königin. Am 30. April, dem „Koninginnedag“, ist Beatrix 33 Jahre Königin der Niederlande.

Die Monarchin dankt nicht unerwartet ab. Medien hatten schon seit längerer Zeit spekuliert, dass Beatrix im Zusammenhang mit ihrem 75. Geburtstag den Thron an ihren Sohn übergeben werde.

 

Seit fast 33 Jahren sitzt Königin Beatrix auf dem niederländischen Thron. Die Niederländer schätzen ihre Monarchin sehr. Doch sie gönnen ihr auch den Ruhestand.

Am 30. April gibt sie die Krone ab

Scheinbar ohne Mühe hat Königin Beatrix noch in der vergangenen Woche zwei Staatsbesuche absolviert. Die Hitze in Brunei und Singapur bereite ihr keine Mühe, sagte die 74 Jahre alte Monarchin. So kennen und schätzen die Niederländer ihre Königin: Unermüdlich, oft lachend und pflichtbewusst. Jetzt gibt sie am 30. April die Krone ab. Das kündigte sie nur wenige Tage vor ihrem 75. Geburtstag an diesem Donnerstag an. „Die Königin wird ihren 75. Geburtstag im Familienkreise feiern“, hatte der Hof zuvor mitgeteilt, als ob es um einen ganz normalen Geburtstag ginge. Doch in diesem Jahr ist nichts normal.

Vor knapp einem Jahr verunglückte Beatrix zweiter Sohn, Prinz Friso, beim Skifahren in Österreich. Er liegt seitdem im Koma in einer Klinik in London. Das Unglück überschattet den Tag und hat auch den Zeitpunkt ihres Rücktritts mitbeeinflusst. Seit jenem 17. Februar 2012 denken die Niederländer nicht nur mit Respekt, sondern auch mit Mitgefühl und Zuneigung an ihre Königin. Das zeigte sich in der vergangenen Woche. Bei ihrem Staatsbesuch in Brunei kamen Königin Beatrix plötzlich die Tränen. Beim Treffen mit der niederländischen Gemeinschaft in dem Sultanat brach ihre Stimme. Sie hatte mit den Eltern eines siebenjährigen Mädchens gesprochen, das am Neujahrstag ertrunken war. „Diese Tragödie hat Sie alle hier zutiefst getroffen“, sagte Beatrix. In so einem Moment müsse man zueinanderstehen. „Das ist unglaublich wertvoll.“ Nicht nur die Gäste in Brunei, sondern auch viele Niederländer zu Hause mussten da wohl schlucken. In diesem Moment sahen sie nicht nur ihr Staatsoberhaupt, sondern vor allem eine Mutter.

Königin war ihr Beruf

„Ich habe die Königswürde nicht gesucht, sondern angenommen“, hatte Beatrix einmal gesagt. Königin war ihr Beruf. Seit fast 33 Jahren ist Königin Beatrix nicht nur Chefin des Hauses Oranje, sondern auch Staatsoberhaupt des Landes. „Die Vorstandsvorsitzende der Firma Niederlande“, wird sie oft spöttisch, aber auch anerkennend genannt. Sie arbeitet hart, ist stets gut informiert und ungeheuer pflichtbewusst, loben alle Ministerpräsidenten, die mit ihr zusammengearbeitet haben. Sie sei ein Kontrollfreak, lästern vor allem Journalisten.

Die Dame mit der stets makellosen Frisur führte gerne die Regie. Auch politisch mischte sie sich so manches Mal diskret ein. Nach der Ermordung des Rechtspopulisten Pim Fortuyn 2002 hatte sie beinahe demonstrativ ein muslimisches Jugendzentrum besucht. Und zum Ärger des Rechtspopulisten Geert Wilders sprach sie sich in ihren Weihnachtsansprachen deutlich für Toleranz und die multikulturelle Gesellschaft aus. Im vergangenen Jahr wurde der Einfluss der Königin auf die Politik eingeschränkt. Offiziell ist die Monarchin als Staatsoberhaupt noch Mitglied der Regierung. Doch das Parlament entzog ihr im vergangenen Jahr die Initiative bei der Bildung einer Koalition.

Die meisten gönne ihrer Monarchin den Ruhestand

Die Niederländer erlebten auch schwere Schicksalschläge ihrer Königin. Der Tod ihres Mannes, Prinz Claus, 2002 hatte sie tief getroffen. Dass Beatrix 1966, als sie noch Kronprinzessin war, ausgerechnet einen Deutschen geheiratet hatte, nahmen ihr viele Untertanen zunächst übel. Auch bei der Krönung am 30. April 1980 gab es noch Proteste. Daran wird keiner mehr denken, wenn sie nun genau 33 Jahre später in Amsterdam den Thron ihrem Sohn, Kronprinz Willem Alexander, übergibt.

Aber in guter Erinnerung ist noch der Königinnentag vom 30. April 2009. Ein 38 Jahre alter Mann raste in Apeldoorn mit seinem Auto in eine Menschenmenge und verfehlte die in einem offenen Bus fahrende Königsfamilie nur knapp. Sechs Menschen starben. Königin Beatrix war bis ins Mark erschüttert.

Die meisten Untertanen gönnen der Monarchin den Ruhestand und die Zeit für ihre Familie; die drei Söhne und acht Enkel. „Sie hat es verdient“, sagte eine junge Frau dem niederländischen Radio am Montagabend, „und damit spreche ich sicher für das ganze Volk.“

 

Wir werfen einen Blick auf die Monarchin mit dem scharfen Verstand und den gewagten Hütchen - in unserer Bildergalerie.

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1 KommentarKommentar schreiben

Tja, was sagt man dazu...?: >> Aber IN GUTER ERINNERUNG ist noch der Königinnentag vom 30. April 2009. ... SECHS MENSCHEN STARBEN. << +++ Unfassbar...!

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