Stadtkind Stuttgart

Label Omonia aus Stuttgart Kleider als friedliche Einheit

Von Tanja Simoncev 

Kaftane aus Seide, einfarbig oder bedruckt: Die Stuttgarter Stylistin und Designerin Nora Erdle geht mit ihrer neuen Kollektion Omonia an den Start.

Stolz auf ihr Label Omonia: Stylistin und Designerin Nora Erdle. Foto: Tanja Simoncev 5 Bilder
Stolz auf ihr Label Omonia: Stylistin und Designerin Nora Erdle. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Sie folgt keinen Trends, aber immer ihrem Herzen: Nora Erdle ist ein waschechter Mode-Allrounder. Wenn die 36-Jährige nicht gerade Design-Teile in ihrem Showroom Temporary Wardrobe vermietet, stylt sie auf Shootings oder berät beim Personal-Shopping. Und nun folgt ihr neuester Clue: Das eigene Label Omonia - benannt nach einer Metro-Station in Athen, bestehend aus Kaftan-Kleidern, die Grenzen zwischen Kulturen aufheben, inspiriert von der modernen, unabhängen Frau, die viel unterwegs ist. "Omonia ist ein echtes Herzensprojekt."

Rückblende: "Vor etwa drei Jahren im Sommer kam mir der Gedanke: Ich brauche ein super easy Sommerkleid, das alltagstauglich ist und das ich abends auch schick kombinieren kann", erinnert sich Nora. Sie habe "wahnsinnig viel Stoff" zu Hause gehabt, weil sie immer schon auf hochwertige Stoffe abgefahren sei und auch schon mehrere Kollektionen wie D-MU gemacht habe. "Da dachte ich: Mach' was draus und dann habe ich an einem Sonntagnachmittag einfach einen Kaftan aus einem Stück Seide genäht - nur so für mich."

Catwalk namens Straße

Aber wie das Leben eben so spielt. Beim Tragen auf dem Catwalk namens Straße sei das Teil einigen Frauen ins Auge gestochen, viele hätten einen gewollt, so die Stuttgarterin. "Und dann habe ich hier und da mal einen Kaftan gemacht, aber nur für die Leute, die ich kannte."

Doch erst dieses Jahr im Frühjahr, als Nora wieder mit mehreren Anfragen konfrontiert worden war, ging sie das Projekt "Kaftan-Kollektion" so richtig an. Von Anfang an war ihr dabei klar, dass sie mit dem neuen Label nicht nur schöne Teile gestalten, sondern auch etwas Gutes tun möchte.

Nora gehört zur Familie

Nach einer weitreichenden Recherche stieß sie schließlich auf Flüchtlingsorganisationen, die um Unterstützung baten. "Ich habe viel telefoniert, bis mir der Kontakt von Mahmood aus Bagdad vermittelt wurde - einem gelernten Schneider. Ich bekam die Möglichkeit mich mit ihm zu treffen, habe einen Kaftan eingepackt und bin in das Flüchtlingsheim, wo er zusammen mit seiner Frau und drei Kindern lebt, gefahren." Es sei aufregend gewesen. "Und ich war auch ein bisschen unsicher, schließlich wusste ich ja nicht, was da auf mich zukommt."

Doch die Bedenken verflogen schnell. "Es war ein wahnsinnig tolles Treffen. Ich wurde empfangen wie eine Königin und habe insgesamt sechs Stunden bei Mahmood und seiner Familie verbracht." Mittlerweile gehöre Nora fast schon zur Familie. Bei regelmäßigen Besuchen werde sie mit Tee und selbstgemachtem Hummus und Fladenbrot verwöhnt, man kommuniziere mit Händen und Füßen. "Wir haben mittlerweile unsere ganz eigene Sprache gefunden und bei Kleidung geht ja auch viel übers Zeigen, über das Visuelle." 

Ein toller Austausch

Und Mahmood war verwundert über das Männerkleidungsstück, mit dem die westliche Frau um die Ecke kam. "Das war witzig", erinnert sich die 36-Jährige. "Doch im Grunde ist es eine Art Fantasie-Kaftan, den Schnitt gibt es eigentlich nicht, alles wird sehr schlicht und puristisch gehalten." Und Mahmood wäre seiner alten Berufung gerne gleich nachgegangen - doch er besaß weder Schere noch sonstige Gerätschaften zum Nähen. "Also habe ich begonnen, im Freundeskreis Spenden zu sammeln und ihm peu à peu alles besorgt - eine Nähmaschine, Werkzeug, Scheren, Garne. Ständig kam etwas Neues dazu." 

Ein paar Probeteile wurden gefertigt, man habe alles besprochen und der, wie es Nora ausdrückt, perfekte Kaftan sei entstanden. "Ich bin unfassbar stolz, der Austausch mit Mahmood und seiner Familie ist einfach toll. Ich lade jeden Menschen da draußen, der Bedenken und Vorurteile gegenüber Geflüchteten hat, ein, mich zu begleiten und die Familie kennenzulernen." 

Friedliche Einheit

Blieb nur noch die Frage nach dem Namen der Kollektion offen. "Ich habe lange gesucht und wollte mich auf einem Städtetrip nach Athen inspirieren lassen", berichtet die Designerin. Ihr sei nicht wirklich etwas eingefallen. "Erst als ich wieder zurück in Stuttgart war, und während ich so an Athen dachte, weil ich so eine krasse Verbundenheit zu der Stadt spüre, fiel mir ein, dass die Metro-Station, an der ich gewohnt hatte Omonia heißt. Ich fand den Namen schon immer schön, auch wie er geschrieben ist." Dann habe Nora recherchiert und herausgefunden, dass Omonia friedliche Einheit bedeutet. "Da passte einfach alles perfekt zusammen."

Denn die Kollektion ist einheitlich. Es gibt nur eine Größe, einen Schnitt, alle Frauen, findet Nora, sehen darin mehr oder weniger gleich aus. Und auch wenn der Herbst eigentlich nicht Kleid schreit, so sollte man es nach Meinung der Stylistin nicht einfach im Schrank hängen lassen. "Der Kaftan ist universell einsetzbar, kann auch im Herbst und Winter getragen werden - mit Rollkragen und einer Hose drunter oder Zuhause als Hauskleid. Ich hatte das Kleid auch schon auf mehreren Hochzeiten an, es macht sich aber genauso gut im Urlaub am Strand." 

Die Kaftane werden nur auf Anfrage gemacht. "Die Leute können zu mir in den Showroom kommen, sich den Stoff aussuchen, der ihnen gefällt und nach etwa drei Wochen erhalten sie ihren fertigen Kaftan. "Ich will Omonia momentan auch gar nicht größer machen, finde es schön, dass es etwas Kleines, Exklusives ist, aber klar ist der Traum da, daraus auch irgendwann etwas Größeres zu machen, die Kollektion um einen Schuh oder Accessoires zu erweitern, da gibt's noch viele Möglichkeiten", betont Nora. 

Info, Order und Anfragen über Instagram oder info@omoniaofficial.com