Länderspiel gegen Italien DFB-Elf geht die Luft aus
Carlos Ubina, 10.02.2011 07:22 Uhr
Es hat für das DFB-Team um Sami Khedira (links, gegen Thiago Motta) nicht zu einem Sieg gereicht. Foto: dpa
Es hat für das DFB-Team um Sami Khedira (links, gegen Thiago Motta) nicht zu einem Sieg gereicht. Foto: dpa
Dortmund - Und dann ist Manuel Neuer doch noch geschlagen. Mehrmals hat der deutsche Torhüter prächtig reagiert, auch in dieser 81. Minute, als Giuseppe Rossi plötzlich allein vor ihm auftaucht. Mit dem Fuß hält Neuer den Flachschuss – beim Nachschuss des Italieners jedoch ist er ohne Chance. Und so muss sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im ersten Testspiel des Jahres in Dortmund nach einer starken ersten und einer deutlich schwächeren zweiten Hälfte mit einem 1:1 (1:0) zufrieden geben.

Verpasst ist damit die Gelegenheit, zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder gegen den viermaligen Weltmeister zu gewinnen. Und verpasst ist auch die erhoffte Revanche für eine der bittersten Niederlagen überhaupt, den K.o. im WM-Halbfinale 2006, als die Gastgeber und ihr damaliger Bundestrainer Jürgen Klinsmann an gleicher Stelle kurz vor Ende der Verlängerung von den Italienern aus allen Titelträumen gerissen worden waren.

Fünf Dortmunder Spieler hatte Joachim Löw, der Nachfolger Klinsmanns, in der Heimat des Bundesliga-Tabellenführers in sein Aufgebot berufen – in die Startformation schaffte es aber keiner. Die Überflieger dieser Saison müssen sich also noch gedulden. Der Bundestrainer vertraute im Wesentlichen der Mannschaft, die im vergangenen Sommer in Südafrika Dritter geworden war, und besetzte auch die beiden im Vorfeld vakanten Positionen mit Spielern aus dem WM-Kader: Nicht Mats Hummels sondern Holger Badstuber verteidigte im Zentrum neben Per Mertesacker; und links in der Viererkette erhielt der Hamburger Dennis Aogo überraschend den Vorzug gegenüber dem Lokalmatador Marcel Schmelzer.

Als entsprechend eingespielte Mannschaft präsentierte sich das deutsche Team dann von Beginn einer hochklassigen ersten Halbzeit an und nahm den Schwung aus dem Vorjahr einfach mit. Ballsicher und mit hohem Tempo bestimmte der Gastgeber das Geschehen, suchte entschlossen den Weg nach vorne und ging nach einer brillanten Kombination in Führung: Mit der Hacke spielte Mesut Özil im Strafraum Thomas Müller frei, dessen Querpass Miroslav Klose über die Linie drückte (16.).

In seinem 106. Länderspiel war es das 59. Tor des 32-Jährigen, der ein weiteres nur zwei Minuten später knapp verpasste. Nach einem erneuten Geniestreich Özils scheiterte Klose freistehend an Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon. Dennoch bleibt Klose ein Phänomen. Bei den Bayern ist er nur Dauerreservist – im Nationalteam dagegen noch immer quasi konkurrenzlos. Ein gewaltiges Arsenal hochtalentierter Spieler gibt es mittlerweile in Deutschland, nur im Angriff sind die Alternativen sehr spärlich gesät. Mario Gomez, bester Torjäger der Liga und bei den Bayern klar vor Klose, fehlte am Mittwochabend verletzt.

Abstimmungsprobleme in der Abwehr


Den sehenswerten deutschen Ballstaffetten in der ersten halben Stunde folgten dann jedoch einige Abstimmungsprobleme in der Defensive. Konsequent suchten die neu formierten und immer stärker werdenden Italiener den Weg über außen und stellten die deutsche Hintermannschaft vor große Probleme. Daniele de Rossi vergab die beste Chance der ersten Hälfte, als er mit einem Volleyschuss an Neuer scheiterte (37.). Und Glück hatten die Deutschen, dass es kurz vor der Pause keinen Elfmeter gab, als Antonio Cassano im Zweikampf mit Mertesacker zu Boden ging. Im zweiten Abschnitt drosselte die deutsche Mannschaft ihr hohes Tempo spürbar und beschränkte sich vornehmlich darauf, die 1:0-Führung zu verwalten. Im erstaunlicherweise nicht ausverkauften Dortmunder Stadion war das Spiel nun längst lange nicht mehr so intensiv wie vor der Pause.

Proben für den Ernstfall, das war Löws Motto in der ersten Hälfte, in der zweiten lautete es: eine Chance für die zweite Reihe. Der Bundestrainer wechselte munter durch, brachte nun auch drei Dortmunder Profis ins Spiel, doch die Probleme in der Hintermannschaft wurden durch die Umstellungen noch größer. Italien kam noch stärker auf – und am Ende durch Rossi zum durchaus verdienten Ausgleich.

Deutschland
Neuer – Lahm (64. Boateng), Mertesacker, Badstuber (64. Hummels), Aogo – Khedira, Schweinsteiger – Müller (46. Götze), Özil, Podolski – Klose (75. Großkreutz).

Italien
Buffon – Cassani (53. Maggio), Ranocchia, Bonucci, Chiellini (78. Criscito) – Montolivo , Thiago Motta (63. Aquilani), De Rossi – Mauri (74. Giovinco) – Cassano (46. Rossi), Pazzini (46. Borriello).

Schiedsrichter
Braamhaar (Niederlande).

Zuschauer
60.196.

Tore
1:0 Klose (16.), 1:1 Rossi (81.).
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