Laientheater in Stuttgart-Kaltental Das Burgtheater spielt wieder

Von Jacqueline Fritsch 

In dem aktuellen Stück der Theatergruppe des VfL Kaltental wollen Frauen nichts mehr mit Männern zu tun haben. Deshalb gründen sie eine „Anti-Männer-WG“. Das Stück feiert am 20. Oktober Premiere.

Die Gruppe hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Foto: Jacqueline Fritsch
Die Gruppe hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Foto: Jacqueline Fritsch

Kaltental - Ein Leben ohne Männer – das wünschen sich Janine, Ilse und Birgit und gründen deshalb eine Anti-Männer-WG. „Aber Theater wäre nicht Theater, wenn das funktionieren würde“, sagt Steffen Karle, ein Mitglied des Burgtheaters. Am nächsten Wochenende feiern die Laienschauspieler des VfL Kaltental Premiere mit ihrem Stück „Liebe? – Alles nur Chemie“ von Elfriede Wipplinger.

Die letzten Proben laufen auf Hochtouren. Zweimal pro Woche trifft sich das Burgtheater, um seinem Stück den letzten Schliff zu verpassen. In dieser Woche vor der Premiere üben die Schauspieler sogar jeden Tag. Da das Bühnenbild erst seit kurzer Zeit steht, müssen sie noch ausprobieren, wo sie wann stehen, damit das Publikum alles gut sehen kann. Auch der Text sitzt hier und da noch nicht so richtig. „Aber das ist auch das, was uns ausmacht“, findet Laura Hilse, die jüngste Schauspielerin in der Gruppe. Die 16-Jährige schätzt die lockere Atmosphäre bei den Proben sehr. Das geht auch ihren Kollegen so: „Manchmal hat man das Gefühl, dass einige ein ganz anderes Stück spielen“, sagt Karle und lacht.

Männer haben keinen Zutritt

Trotzdem dürfen die Hobby-Schauspieler nicht den Ernst an der Sache verlieren. Sonst muss Martin Obrecht, stellvertretender Vorsitzender des VfL, eingreifen. „Leute, das waren jetzt 20 Prozent. Höchstens“, sagt er nach dem ersten Durchgang. Also gehen alle noch einmal in Position und versuchen, die restlichen 80 Prozent aus sich herauszuholen. Außerdem muss der Tisch noch anders positioniert werden, damit die Darsteller nicht hinter dem Vorhang verschwinden.

„Kommt richtig ins Spielen rein“, sagt Obrecht, „und los geht’s“. Zum dritten Mal stürmt Janine, gespielt von Laura, schluchzend ins Zimmer. Sie hat Liebeskummer. „Das gibt es nicht“, sagt ihre Mitbewohnerin Ilse bestimmt, „denn wenn es keine Liebe gibt, gibt es auch keinen Liebeskummer.“ Davon sind die drei Frauen überzeugt und nehmen sich vor, keinen Mann jemals wieder in ihre Wohnung zu lassen. „Paragraf 1: Den Männern ist der Aufenthalt in unserer Frauen-WG strengstens verboten“, sagt Ilse. Im Laufe des Stücks schleichen sich immer wieder ein paar Männer in die Wohnung ein, sogar in Frauenkostümen. „Aber am Ende wird alles gut“, verspricht Obrecht.

Schüler steuern Technik

Mit „Liebe? – Alles nur Chemie“ bringt das Burgtheater bereits sein drittes Stück auf die Bühne. Für die Schauspieler ist es zu einem wichtigen Hobby geworden. „Es wäre furchtbar, wenn ich einmal bei der Probe fehlen würde“, sagt Birgit Heimerdinger, „das ist hier ein bisschen meine Familie geworden.“ Steffen Karle erzählt, dass die Gruppe nach den Aufführungen im vergangenen Jahr nicht mehr wusste, was sie dienstagabends, wenn eigentlich Proben sind, tun soll. „Irgendwie sind alle in ein tiefes Loch gefallen“, sagt er. Umso größer war die Freude, als die Proben im Februar wieder starteten.

In diesen Tagen wird noch die Technik aufgebaut, dann kann mit passendem Licht und Geräuschen geprobt werden. Für die Technik ist eine Arbeitsgemeinschaft des Hegel-Gymnasiums zuständig. „Die machen das super“, sagt Obrecht. Bis zur Premiere am Freitagabend haben die Schauspieler noch ein bisschen Zeit. Bis dahin werden dann auch die letzten Textzeilen sitzen. Die Freude steht bei den Laien aber im Vordergrund. „Wir machen das alle, weil es uns Spaß macht“, sagt Karle.

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